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Kinshasa Symphony

(Kinshasa Symphony, 2010)

Durchschnittliche Redaktionswertung

65%



Inhalt

Kinshasa, Haupstadt des Kongos, ist eine der bevölkerungsreichsten und ärmsten Städte der Welt. Inmitten des Chaos versuchen verschiedene Menschen ihre Talente zu einem großen Projekt zu fusionieren. Über den Friseur, den Elektriker bis hin zur Brotverkäuferin. Sie alle spielen Instrumente und bringen die Stadt mit einem Orchester zum beben. Dabei war aller Anfang schwierig.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

65%

Hierzulande gibt es allenorten klassische Konzerte. Fast jede größere Stadt unterhält symphonische Laien-Orchester, hinzu kommen die Profi-Orchester der Philharmonien. Im afrikanischen Kinshasa ist die Existenz eines einzigen Laien-Orchesters schon beinahe ein mittleres Wunder. Die Filmemacher Claus Wischmann und Martin Baer begleiteten dieses Ensemble beim Einstudieren von Beethovens Neunter und liefern sehr interessante Einblicke in das Geschehen. Besonders geprägt ist die gelungene Dokumentation aber vom landestypischen Kolorit und ihren menschelnden Portraits.

Bild aus Kinshasa Symphony Bach, Beethoven, Mozart: unsterbliche Namen genialer Komponisten, deren Werke zum Kulturerbe der gesamten Menschheit gehören und die vermeintlich jedem Kind bekannt sind. Ein wenig mag sich in diesem Denken bereits eine Impertinenz des Westens wieder finden. Schnell wird vergessen, dass es Länder gibt, in denen etwas wie ein Kulturbetrieb in der Hierarchie des existenziell Notwendigen weit hinten rangiert. In Kinshasa, der zehn Millionen Menschen zählenden Metropole in der Demokratischen Republik Kongo, gerät schon das tägliche Überleben mitunter zum Abenteuer. Obwohl das Land zu den rohstoffreichsten des afrikanischen Kontinents zählt, gehören die 60 Millionen Kongolesen zu den Ärmsten der Welt.

Das durchschnittliche Monatseinkommen liegt bei lediglich 300 Dollar, nur die Hälfte der Kinder hat Zugang zu schulischer Bildung, 73 Prozent der Kongolesen gelten als unterernährt und 90 Prozent - laut den Schätzungen der Vereinten Nationen - leben unter der Armutsgrenze. Trotz all dieser Probleme sind die zeitlosen Stücke der großen Komponisten auch bis dorthin gelangt: Ein Laien- und Autodidaktenorchester studiert in Kinshasa entgegen den widrigen Umständen Beethovens neunte Symphonie - Freude schöner Götterfunken - ein. Dass zuweilen mitten bei öffentlichen Proben der Strom ausfällt, die Musiker selber Elektriker spielen und auf Strommasten klettern müssen, ist dabei noch eines der geringeren Probleme des Ensembles.

Fast alle Musiker in der Truppe gehen einem oder mehreren Berufen nach. Von der Musik allein kann fast keiner von ihnen leben. Es gibt aber noch kuriosere Phänomene: Albert Matubanza musste vielen Streichern ihre Instrumente erklären, obwohl er selbst Gittarist ist und weder Geige noch Cello spielen kann. Inzwischen baut er nebenbei Streichinstrumente, da sich viele Musiker kaum ein eigenes Instrument leisten können. Andere Handwerker im Orchester entwickeln selbsterfundene Werkzeuge, um ihre Instrumente instand halten und reparieren zu können. Führt man sich das alles vor Augen, scheint es wie ein Wunder, dass es dem Orchester überhaupt gelang, solange zu überleben: In den 15 Jahren seiner Existenz hat das einzige Symphonieorchester in Zentralafrika zwei Putsche, mehrere Landeskrisen und einen Krieg erlebt und überstanden. In den Anfangsjahren nach seiner Gründung teilten sich mehrere Musikbegeisterte die wenigen vorhandenen Instrumente. In mehreren Schichten musste damals noch geprobt werden, damit jeder an die Reihe kommen konnte. Wenn das Orchestre Symphonique Kimbanguiste heute auf der Bühne steht, spielen 200 Musikerinnen und Musiker zur selben Zeit.

Mit viel Liebe zum Detail begleiteten die Filmemacher Claus Wischmann und Martin Baer dieses Orchester auf seinem Weg zu einem großen Open-Air-Konzert, zum Unabhängigkeitstag der Demokratischen Republik Kongo. Besonderer Wert wurde neben der Portraitierung einiger Musiker und ihrer Privatleben, auf das Lokalkolorit und die Skizzierung der sozialen Situation in Kinshasa gelegt. Dabei bleiben starke Kontraste nicht aus: Entfaltet die Beschaulichkeit des Lebens dort, die Straßenhändler, die Marktstände mit allerlei Exotischem, stets lachende Menschen und die spielenden Kinder auf den Straßen, eine Art nonchalantes Flair, folgt, blickt man tiefer, Ernüchterung: alleinerziehende Frauen, von Kindern, denen der Krieg die Väter nahm; Menschen, die in Behausungen leben, die hierzulande kaum als Kneipenklosett durchgehen würden; und ein Überleben, das oft davon abhängt, ob man sich bestimmte Medikamente oder eine Operation leisten kann - Dinge, die hierzulande Selbstverständlichkeiten sind.

Wenn Menschen, unter solchen Lebensumständen ihrem Traum mit solcher Leidenschaft und Beharrlichkeit nachgehen, darf man durchaus von Passion sprechen. Die Dokumentation Kinshasa Symphony fängt genau diese Begeisterung ein, liefert darüber hinaus viele interessante Einblicke in die Leben der Musiker und komplettiert das Bild mit der Widerspiegelung des täglichen Daseins in Kinshasa. All das verleiht dem Film ein hohes Maß an Authentizität und Glaubwürdigkeit. Leider stellt sich bei solchen Formaten schlussendlich immer die grundlegende Frage, ob es wirklich - über Festivals hinaus - kinotauglich ist. Abschließend kann das selbstverständlich aber nur jeder für sich selbst beantworten.

Keine weitere Wertung


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Dt. Start: 19. Mai 2011
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