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Oskar und die Dame in rosa

(Oscar et la dame rose, 2009)

Dt.Start: 07. Oktober 2010 Premiere: 09. Dezember 2009 (Frankreich)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 105 min Land: Frankreich, Belgien
Darsteller: Michèle Laroque (Rose), Mylène Demongeot (Lily), Amir (Oskar), Max von Sydow (Dr Düsseldorf), Constance Dollé (Oskars Mutter), Simone-Elise Girard (Casse-Noisette)
Regie: Eric-Emmanuel Schmitt
Drehbuch: Eric-Emmanuel Schmitt


Inhalt

Der 10jährige Oskar ist todkrank und darüber äußerst betrübt. Mit seinen Eltern kann er das Gespräch nicht suchen, da diese selbst mit ihrer Trauer über die Nachricht beschäftigt sind. Als plötzlich die "Dame in Rosa", die Pizza in die Klinik liefert, in Oskars Leben stolpert, schöpft er neue Hoffnung. Sie hilft ihm dabei, jeden Tag wie eine ganze Dekade zu verbringen, um alle Etappen eines vollkommenen Lebens zu erfahren.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Oskar und die Dame in rosa hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 89%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Oskar und die Dame in rosa hat eine Wertung von 89%
Das Sterben als Teil des Lebens zu begreifen, fällt außerordentlich schwer, wenn man einfach noch viel zu wenig gelebt hat. Oskar ist erst zehn Jahre alt, aber auch schwer krebskrank. In einer Klinik ist man bemüht ihm zu helfen, aber es sieht nicht gut aus. Überdies scheint der Junge allmählich den Lebensmut zu verlieren und niemand ist in der Lage, ihn aufzumuntern. Bis eines Tages die etwas raubeinige Rose in der Klinik auftaucht. Oskar und die Dame in rosa ist ein herzergreifender Film, der viele außerordentliche Momente in einer fragilen Leichtigkeit und einer Portion Humor einfängt. Ein paar Taschentücher sollten aber besser doch eingesteckt werden.

Bild aus Oskar und die Dame in rosa Geschichten über das Sterben zu erzählen, war noch nie einfach. Ein Mindestmaß an Pathos kommt dabei zwangsläufig auf. Umso bitterer, tragischer und schmerzerfüllter sind jene Geschichten, die vom Sterben von Kindern handeln. Ein Thema, das in unserer Gesellschaft wenn schon nicht tabuisiert, doch nur höchst ungern angepackt wird. Vor nicht allzu langer Zeit widmete Filmemacher Thomas Riedelsheimer seine Dokumentation Seelenvögel genau diesem Umstand. Er beobachtete über einen längeren Zeitraum drei an Krebs erkrankte Kinder bei ihrem Kampf gegen diese Krankheit.

Der Autor des Bestsellers Oskar und die Dame in Rosa, der beim gleichnamigen Spielfilm auch Regie führte, begegnet diesem überaus schwierigen und schmerzvollen Tabubereich auf einer anderen Weise. Eric-Emmanuel Schmitt beleuchtet weniger das Leben mit und den Kampf gegen die Krankheit, als den Wunsch eines sterbenskranken kleinen Jungen, trotz seines Leidens ein möglichst normales Leben führen zu dürfen und jene Erfahrungen zu machen, die ihm wahrscheinlich durch die begrenzte Zeit verwehrt bleiben werden.

Oskar (Amir) ist zehn und liegt in einer Kinderklinik, gemeinsam mit anderen schweren Fällen. Sein Krebsleiden ist besonders heimtückisch und der Chefarzt (Max von Sydow), der sich ganz besonders um ihn sorgt, weiß sich keinen medizinischen Rat mehr. Wegen seiner schweren Krankheit behandeln Oskar alle als wäre er aus Glas. In der Schule, die im Krankenhaus für die Kinder eingerichtet wurde, kann er sich jeden Scherz mit dem Lehrer erlauben: ob Wassereimer oder Furzkissen, niemand schimpft mit ihm. Seine Eltern benehmen sich auch seltsam. Sie reden anders, verhalten sich anders; ihre Liebe hat sich zu einer Form mitleidsvollen Schmerzes gewandelt. Das alles nervt Oskar furchtbar und so zieht er sich immer in sich zurück, was eine Genesung noch schwieriger gestaltet.

Eines Tages stolpert Oskar über eine merkwürdige Dame (Michele Laroque), ganz in Rosa, die wirklich Haare auf den Zähnen hat. Eigentlich ist die Dame, die zudem wirklich Rose heißt, lediglich in der Klinik, um Werbung für ihren Heimpizza-Service zu machen und hat wenig Lust, sich mit kleinen Kindern zu befassen. Ihre rustikale dynamische Art und vor allem ihre Ehrlichkeit, finden bei Oskar aber viel Anklang. Endlich mal jemand, der ihn nicht behandelt, als wäre er zerbrechlich. Auch Oskars Arzt bekommt das mit und macht Rose ein Angebot: Sie soll jeden Tag Zeit mit Oskar verbringen, im Gegenzug würde er von ihr Pizzen fürs Personal kaufen. Anfänglich sträubt sich Rose. Sie kann gar nicht gut mit Kindern, schon gar nicht mit einem schwer kranken, doch bald schon stellt sich eine liebevolle Beziehung zwischen beiden ein.

Was tun, wenn die eigene Lebenszeit sich dem Ende entgegen neigt und die verbliebene Zeit möglicherweise nicht mehr ausreichen wird, all die Erfahrungen zu machen, die ein Mensch von Dekade zu Dekade macht? In Oskar und die Dame in rosa schließen die beiden Protagonisten einen Deal ab: Es sind nur noch zwölf Tage bis zum Jahreswechsel und sie beschließen, dass jeder Tag bis dahin symbolisch für ein ganzes Jahrzehnt stehen soll. Damit wird eines gleich deutlich: Dies ist kein Film über das Sterben, sondern über die Bejahung des Lebens, egal wie lang es währt. Nicht die Zeit ist es demnach, die den Dingen Bedeutung verleiht, sondern erst die Dinge, die wir erleben, machen aus unserer Lebenszeit etwas Besonderes. Manch einer wird hundert Jahre alt und erlebt womöglich kaum etwas, ein anderer hat in wenigen Lebensjahren ein sehr bewegtes Leben.

Für Oskar ist das alles in mehrfacher Hinsicht tragisch: Er ist noch ein Kind und obendrein schwer krank. Selbst wenn er könnte, wie er wollte, wäre es ihm kaum möglich, seine Zeit so auszugestalten und die Erfahrungen zu sammeln, die er gerne machen möchte. Was bleibt ist die Kraft der Imagination und das Reich der Phantasie. Schmitt rückt die imaginären Vorstellungswelten und die Realität in seinem Film nah zusammen. Oskar transportiert seine Version davon, wie es wäre 20, 30, 40 oder älter zu sein, in die Begrenztheit seiner Krankenhaus-Lebewelt; gleichzeitig erzählt ihm Rose erfundene Geschichten aus ihrer Vergangenheit, die ihm Hoffnung verleihen und Mut machen sollen.

Es ist ein Film voller Hoffnung, Herz und Humor geworden. Die comichaften Anleihen zaubern eine Portion magischen Realismus in die traurige Tristesse der klinischen Realität und eine brillant aufspielende Michele Laroque - nach außen hin unheimlich tough und resolut, im Inneren überaus empfindsam und warmherzig - beseelt die Geschichte mit ihrer darstellerischen Leistung. Abgerundet von einem ebenfalls absolut überzeugenden Amir in der Rolle des Oskar, dem es gelingt glaubhaft alle Höhen und Tiefen im Dasein des kranken Jungen widerzuspiegeln; sowie einem wie immer wundervollen Max von Sydow, der trotz seiner 81 Jahre eine ungebrochene cineastische Präsenz hat, präsentiert sich Oskar und die Dame in rosa als ergreifender Film, der trotz schwermütigen Themas weitgehend pathosfrei bleibt. Lediglich in seinem Epilog finden sich einige groteske (sakrale) Momente, die so gar nicht zu der übrigen Inszenierung passen wollen. Allerdings führt das lediglich zu einem Augenblick der Irritation und vermag nicht die sonst vortreffliche Atmosphäre des Films nachhaltig zu stören.



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