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Somewhere

(Somewhere, 2010)

Dt.Start: 11. November 2010 Premiere: September 2010 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 98 min Land: USA
Darsteller: Stephen Dorff (Johnny Marco), Elle Fanning, Benicio Del Toro (Prominenter), Michelle Monaghan, Alden Ehrenreich, Laura Ramsey (Seglerin), Robert Schwartzman, Paul Vasquez
Regie: Sofia Coppola
Drehbuch: Sofia Coppola


Inhalt

Johnny Marco lebt ein exzessives Leben in Los Angeles. Der Hollywood-Schauspieler, der vor allem Rollen von Bösewichten übernimmt, wohnt im Hotel und verbringt dort meist nur kurze Nächte. Dies ändert sich, als Marco überraschenden Besuch von seiner elfjährigen Tochter erhält. Ihre Anwesenheit zwingt ihn dazu, sich die Fragen des Lebens zu stellen und seinen Lebensstil zu hinterfragen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Somewhere hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 76%
Kurzkritik
von Benjamin Schieler
Wertung von 81 für Somewhere

Wisse, worauf Du Dich einlässt! Diesen Ratschlag kann man Interessierten an Sofia Coppolas Somewhere nur wärmstens ans Herz legen. Denn viel zu sehen gibt es in diesem Film wahrlich nicht. Die Tochter von Francis Ford Coppola potenziert darin gewissermaßen den Inhalt ihres zauberhaften Lost in Translation, für den sie 2004 den Oscar erhielt und dadurch endgültig aus dem gewaltigen familiären Schatten heraustrat. Gut eineinhalb Stunden lang dem monotonen Leben eines beschäftigungslosen Schauspielers zu folgen, dem nur dank seiner entzückenden Tochter etwas Aufmunterung widerfährt, dürfte nicht jeden bei Laune halten. Doch es ist faszinierend, wie charmant unerträgliche Langeweile erzählt werden kann.

Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 88 für Somewhere

Auch wenn man das Gefühl hat, dass Sofia Coppola in manchen Momenten nicht mehr macht als ihren Lost in Translation zu kopieren: Es gelingt ihr hervorragend. Somewhere zeigt die Geschichte eines recht erfolgreichen, aber vom Leben gelangweilten Schauspielers, der Besuch von der bei seiner Mutter lebenden Tochter bekommt und die ihn aus seinem leeren Alltag reißt. Obwohl über die komplette Laufzeit nahezu gar nichts passiert, ist der Zuschauer schnell gefangen in Coppolas wunderbarer Welt. Dabei braucht es nichts Besonderes: Einfach liebenswürdigen Charakteren bei alltäglichen Situationen zuzuschauen und darin aufzugehen, wie es diese glücklich macht. Das überträgt sich auch dank der wunderbaren Bilder und dem hervorragenden Soundtrack schnell auf den Zuschauer, zumal Stephen Dorff überraschend gut spielt und die Chemie zwischen ihm und seiner Filmtochter Elle Fanning besser kaum sein könnte. So sollte sich jeder, der nur ansatzweise etwas mit Lost in Translation anfangen konnte, Coppolas neuestes Werk nicht entgehen lassen.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Somewhere hat eine Wertung von 60%
Es fällt nicht gerade leicht, mit den Stars Mitleid zu haben. Sie schwelgen im Luxus, stets öffnen sich alle Türen und Nacht für Nacht geben sich die Groupies die Klinke in die Hand. Vielleicht sind die Klischees nicht immer zutreffend und zuweilen wird das Leben der Stars satirisch überzeichnet. Aber ein wenig Wahrheit mag an alldem schon sein. Ganz diesem Credo folgend, präsentiert sich der neue Film Sofia Coppolas. Mit einer Geschichte über einen Filmstar, dem es eigentlich an nichts mangelt. Netter poetisch wie bitter-süßer Streifen, der nicht tiefschürft, aber trotzdem einen kleinen bissigen Blick auf die Stars im Filmbusiness wirft.

Bild aus Somewhere Johnny Marco (Stephen Dorff) ist ein italo-amerikanischer Filmstar. Sein Leben wird für ihn komplett durchgeplant - zumindest immer dann, wenn wieder eine Promotour für einen seiner Blockbuster ansteht. Etwas wie eine eigene Wohnung scheint er gar nicht zu besitzen. Geschieden fühlt er sich als Luxushotel-Dauergast sehr wohl. Selbst kümmern muss er sich so jedenfalls um nichts. Und die willigen Groupies campen regelrecht im Gang vor seiner Suite.

Das einzige, was ihn aus dem Hamsterrad aus PR-Terminen, Partys, Alkohol, Sex und Drogen herauszuholen vermag, ist seine elfjährige Tochter Cleo (Elle Fanning). Eigentlich lebt diese bei ihrer Mutter, doch die hat selbst Probleme und schiebt das Kind für eine ungewisse Zeit ihrem Ex-Mann zu. Johnny freut sich, ist aber auf den längeren Aufenthalt seiner Tochter etwas unvorbereitet. Für Cleo, die zuweilen reifer als ihr Vater wirkt, bedeutet der Aufenthalt bei Johnny, Reisen: Sie begleitet ihn beispielsweise auf eine Fernsehpreisverleihung nach Mailand; Johnny ist ständig unterwegs, kommt gerade irgendwo an oder befindet sich schon wieder im Transit woandershin. Manchmal weiß er nicht einmal, welcher Tag es ist und wo er sich gerade befindet.

Sofia Coppolas neuester Film führt sie, nach dem Biopic Marie Antoinette, ein wenig auf die Spuren von Lost in Translation zurück. In der Grundstimmung ähnlich, aber erzählerisch flacher, findet sich im Zentrum dieser unaufgeregten, melancholischen Dramödie ein Mann, der im Grunde alle Möglichkeiten hätte, sein Leben sinnvoll auszufüllen, sich stattdessen aber billigen Versuchungen hingibt. Die innere Leere des Protagonisten wird besonders im Zusammenspiel mit seiner Filmtochter Elle Fanning, der kleinen Schwester von Wunderkind Dakota, deutlich spürbar: In diesen Szenen blüht die Hauptfigur auf, die Zeit, die sonst sinnlos von Drink zu Drink und von einem fleischlichen Akt zum nächsten dahinplätschert, ist erfüllt von einer liebevollen Vater-Tochter-Beziehung und menschlicher Wärme.

Diese Episode legt aber auch die Schienen, auf denen der Handlungszug final etwas vorhersehbar dem Ziel entgegensteuert. Der wenig dramatische Grundcharakter des Films produziert aber kein erschütterndes Ende, das wäre auch wenig passend. Parabelartig schließt der Film im Finale an seinen Prolog an, der die Hauptfigur in seinem schwarzen, schnittigen Ferrari zeigte, der irgendwo in einer ländlichen Einöde immer wieder im Kreis fuhr; symbolisch für das Leben des Protagonisten, das sich im Nachhinein als endloser wie sinnarmer Kreislauf abbildet.

Somewhere ist weder tiefschürfend noch moralisierend. Die Charaktere wachsen einem nicht einmal wirklich ans Herz, vielleicht von der Figur der Cleo einmal abgesehen. Der Hauptfigur geht es jedenfalls viel zu gut, als dass sich ein hohes Maß an Mitgefühl für seine Krisen, die aus der Selbsterkenntnis heraus geboren werden, einstellen könnte. Dafür überzeugt das Spiel von Stephen Dorff und Elle Fanning beweist eindrucksvoll, dass auch sie das Talent-Gen ihrer älteren Schwester besitzt. Zwischen Dorff und Fanning stimmt zudem eindeutig die Chemie. Dafür spricht ein ungemein humorvoller Dialog, im Zuge dessen Cleo ihrem Vater, dem einstmaligen Vampir-Chef aus Blade, versucht den Inhalt der Twilight-Saga nahezubringen.

Ganz Sofia-Coppola-typisch bildet sich das Geschehen in ruhigen, bedächtigen Bildern ab. Die Kamera leistet oft Detailarbeit und verharrt mitunter überlang auf den Charakteren, was einige grotesk-komische Einlagen produziert. Passgenau wurde der Film mit Musik und Songs unterlegt, welche die jeweilige Stimmung perfekt wiedergeben - zuweilen mit einer Portion Ironie. Insgesamt ist Somewhere weit von der Komplexität von Lost in Translation entfernt, besitzt aber ausreichend viel Charme für einen netten Kinoabend, an dem man sonst nichts Großartiges vorhat. Die DVD-Veröffentlichung abzuwarten, macht aber ebenso viel Sinn.



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