Es fällt nicht gerade leicht, mit den Stars Mitleid zu haben. Sie schwelgen im Luxus, stets öffnen sich alle Türen und Nacht für Nacht geben sich die Groupies die Klinke in die Hand. Vielleicht sind die Klischees nicht immer zutreffend und zuweilen wird das Leben der Stars satirisch überzeichnet. Aber ein wenig Wahrheit mag an alldem schon sein. Ganz diesem Credo folgend, präsentiert sich der neue Film Sofia Coppolas. Mit einer Geschichte über einen Filmstar, dem es eigentlich an nichts mangelt. Netter poetisch wie bitter-süßer Streifen, der nicht tiefschürft, aber trotzdem einen kleinen bissigen Blick auf die Stars im Filmbusiness wirft.
Johnny Marco (Stephen Dorff) ist ein italo-amerikanischer Filmstar. Sein Leben wird für ihn komplett durchgeplant - zumindest immer dann, wenn wieder eine Promotour für einen seiner Blockbuster ansteht. Etwas wie eine eigene Wohnung scheint er gar nicht zu besitzen. Geschieden fühlt er sich als Luxushotel-Dauergast sehr wohl. Selbst kümmern muss er sich so jedenfalls um nichts. Und die willigen Groupies campen regelrecht im Gang vor seiner Suite.
Das einzige, was ihn aus dem Hamsterrad aus PR-Terminen, Partys, Alkohol, Sex und Drogen herauszuholen vermag, ist seine elfjährige Tochter Cleo (Elle Fanning). Eigentlich lebt diese bei ihrer Mutter, doch die hat selbst Probleme und schiebt das Kind für eine ungewisse Zeit ihrem Ex-Mann zu. Johnny freut sich, ist aber auf den längeren Aufenthalt seiner Tochter etwas unvorbereitet. Für Cleo, die zuweilen reifer als ihr Vater wirkt, bedeutet der Aufenthalt bei Johnny, Reisen: Sie begleitet ihn beispielsweise auf eine Fernsehpreisverleihung nach Mailand; Johnny ist ständig unterwegs, kommt gerade irgendwo an oder befindet sich schon wieder im Transit woandershin. Manchmal weiß er nicht einmal, welcher Tag es ist und wo er sich gerade befindet.
Sofia Coppolas neuester Film führt sie, nach dem Biopic Marie Antoinette, ein wenig auf die Spuren von Lost in Translation zurück. In der Grundstimmung ähnlich, aber erzählerisch flacher, findet sich im Zentrum dieser unaufgeregten, melancholischen Dramödie ein Mann, der im Grunde alle Möglichkeiten hätte, sein Leben sinnvoll auszufüllen, sich stattdessen aber billigen Versuchungen hingibt. Die innere Leere des Protagonisten wird besonders im Zusammenspiel mit seiner Filmtochter Elle Fanning, der kleinen Schwester von Wunderkind Dakota, deutlich spürbar: In diesen Szenen blüht die Hauptfigur auf, die Zeit, die sonst sinnlos von Drink zu Drink und von einem fleischlichen Akt zum nächsten dahinplätschert, ist erfüllt von einer liebevollen Vater-Tochter-Beziehung und menschlicher Wärme.
Diese Episode legt aber auch die Schienen, auf denen der Handlungszug final etwas vorhersehbar dem Ziel entgegensteuert. Der wenig dramatische Grundcharakter des Films produziert aber kein erschütterndes Ende, das wäre auch wenig passend. Parabelartig schließt der Film im Finale an seinen Prolog an, der die Hauptfigur in seinem schwarzen, schnittigen Ferrari zeigte, der irgendwo in einer ländlichen Einöde immer wieder im Kreis fuhr; symbolisch für das Leben des Protagonisten, das sich im Nachhinein als endloser wie sinnarmer Kreislauf abbildet.
Somewhere ist weder tiefschürfend noch moralisierend. Die Charaktere wachsen einem nicht einmal wirklich ans Herz, vielleicht von der Figur der Cleo einmal abgesehen. Der Hauptfigur geht es jedenfalls viel zu gut, als dass sich ein hohes Maß an Mitgefühl für seine Krisen, die aus der Selbsterkenntnis heraus geboren werden, einstellen könnte. Dafür überzeugt das Spiel von Stephen Dorff und Elle Fanning beweist eindrucksvoll, dass auch sie das Talent-Gen ihrer älteren Schwester besitzt. Zwischen Dorff und Fanning stimmt zudem eindeutig die Chemie. Dafür spricht ein ungemein humorvoller Dialog, im Zuge dessen Cleo ihrem Vater, dem einstmaligen Vampir-Chef aus Blade, versucht den Inhalt der Twilight-Saga nahezubringen.
Ganz Sofia-Coppola-typisch bildet sich das Geschehen in ruhigen, bedächtigen Bildern ab. Die Kamera leistet oft Detailarbeit und verharrt mitunter überlang auf den Charakteren, was einige grotesk-komische Einlagen produziert. Passgenau wurde der Film mit Musik und Songs unterlegt, welche die jeweilige Stimmung perfekt wiedergeben - zuweilen mit einer Portion Ironie. Insgesamt ist Somewhere weit von der Komplexität von Lost in Translation entfernt, besitzt aber ausreichend viel Charme für einen netten Kinoabend, an dem man sonst nichts Großartiges vorhat. Die DVD-Veröffentlichung abzuwarten, macht aber ebenso viel Sinn.