Mit seinem Debutfilm Paranormal Activity gelang Oren Peli 2009 als Regieneuling auf Anhieb der internationale Durchbruch. Wie schon Jahre zuvor Robert Rodriguez mit seinem Erstlingswerk El Mariachi verhalf auch dem ehemaligen Videospieleprogrammierer eine gehörige Portion Eigenmotivation innerhalb kürzester Zeit zur Fertigstellung seines 10000 Dollarfilms. Überzeugte der erste Teil im Vergleich zu überteuerten Studioproduktionen gerade wegen seines deutlich geringeren Budgets, schafft es Paranormal Activity 2 trotz der finanziellen Mittel von 3 Millionen Dollar nicht, dem Zuschauer etwas Neues vorzusetzen. Stattdessen wird der alte Brei neu aufgekocht und dem Zuschauer als lauwarme Pampe serviert. Aufgewärmtes schmeckt eben selten besser.
Eine Familie im Kinderglück. Nach ihrem langen Krankenhausaufenthalt und einer strapaziösen Entbindung ist Kristi Ray erleichtert, endlich mit ihrem neugeborenen Sohn Hunter nach Hause zurückkehren zu dürfen. Dort werden sie neben Ehemann Daniel auch von Stieftochter Ali, Schäferhündin Abby und der abergläubischen Haushälterin Martine freudig in Empfang genommen. Dass ein Jahr später die Familienidylle von dämonischen Kräften gestört wird, lässt zu diesem Zeitpunkt nur Haushälterin Martine erahnen. Chronologische Filmschnipsel lassen die Zeit verstreichen, zeigen, dass die Protagonistinnen beider Filme Schwestern sind, das Sequel in Wahrheit ein Prequel ist und den Grund für die überall im Haus angebrachten Überwachungskameras.
Selten schafft man es, in einem zweiten Teil das Niveau des Originals zu halten, verzettelt man sich inhaltlich meist total und stellt lediglich ein Übergangskonstrukt zu einem finalen Film her, der alle Stränge zusammenführt. So auch hier. Die Vorstellung aller Charaktere dauert eine gefühlte Ewigkeit und bis der dämonische Terror schließlich einsetzt, dürfte der ein oder andere schon im Halbschlaf versunken sein. Die Ursache für den darauffolgenden, dermaßen in die Länge gezogenen und vergleichsweise unspektakulären Plot liegt in der Schwierigkeit, neue Mittel und Wege zu finden, den Zuschauer zu überraschen, ihn zu täuschen und ihm unvorbereitet einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen. Elemente, wie das Türzuschlagen oder unsichtbare Kräfte, die den Protagonisten nach hinten wegziehen, sind noch vom Vorgängerfilm in der Erwartungshaltung des Zuschauers abgespeichert und müssten wiederlegt statt wiederholt werden. Darauf nimmt man aber keine Rücksicht und so sind wirkliche Wendepunkte oder Schockmomente rar gesät. Können Filme wie Rec 2 trotz oder gerade wegen ihrer Absurdität noch das ein oder andere inhaltliche Ass aus dem Ärmel ziehen, wirkt Paranormal Activity 2 viel zu simpel gestrickt, als dass es in irgendeiner Weise überraschen könnte. Obwohl man einigermaßen intelligent Lücken des Vorgängers zu schließen vermag, scheitert man grandios auf dramaturgischer Ebene. Ein Eindruck, den auch diverse Neuerungen nicht kompensieren können.
Besagte Neuerungen stammen dabei aus demselben Baukasten wie zuvor bei Rec 2. Man lässt sich vom Schema "Masse macht's" verleiten, packt einen Haufen neuer Charaktere in das altbewährte Geschehen und potenziert die Kameraperspektiven auf ein Maximum. Ging man bei Rec 2 jedoch auch dramaturgisch und inhaltlich einen neuen Weg und projizierte gegen Ende eine neue Facette des Horrors, bleibt Paranormal Activity 2 bis auf wenige Ausnahmen ein Abklatsch des Originals. Klar, die Kameraarbeit überzeugt nach wie vor mit ihrem erschreckend realitätsnahen Bild der Ereignisse, kann jedoch nicht über das unterqualifizierte Drehbuch hinwegtäuschen. Dieses entzieht dem Zuschauer im Dauerleerlauf jegliches Interesse an der eigentlich interessanten Auflösung, die allzu schnell vorhersehbar wird und wie schon bei The Village - Das Dorf nur wenige Leute vom Hocker reißen dürfte.
Besonderes Problem des Films sind dabei die Charaktere, die sich immer wieder in schlecht konstruierten Konflikten verlieren. So will der Vater bis zuletzt nicht einsehen, dass sein Haus von Dämonen bewohnt ist, gerät öfters mit seiner Frau aneinander aber schnappt sich schließlich doch das Kreuz, um ihre Seele zu retten. Konstant zu den Streitereien der Protagonisten steigen, wie schon im ersten Teil, die abnormalen Ereignisse, und obwohl man mit Brian Boland und Sprague Grayden einen schauspielerisch etwa gleichwertigen Ersatz zu den Darstellern des ersten Teils gefunden hat, nimmt man ihnen die Rolle des Ehepaars nur bedingt ab.
Eine neue Familie, eine ähnliche Story, dieselben Effekte. Wenn die Schockelemente deplatziert wirken, die knuffig-gruselige Pool-Reinigungsmaschine sympathischer ist als die Protagonisten und es schwer fällt, den Film ernst zu nehmen, ist eindeutig etwas schief gelaufen. Nicht alles, was beim ersten Mal Wirkung zeigt, zieht zwangsweise auch ein weiteres Mal. Jedoch Punkten Filme wie Paranormal Activity 2 aufgrund ihrer billigen Produktionskosten und ihrer Popularität bei den Studios und den Verleihern gleichermaßen. Obwohl der Film im heimischen Wohnzimmer vermutlich weitaus gruseliger und nachhaltiger als im Kino ausfallen dürfte, sind es daher weniger erfolgreiche wenngleich weitaus unterhaltsamere Reihen wie Rec, die aufgrund fehlender Popularität stiefmütterlicher behandelt und im zweiten Teil direkt auf DVD gebannt werden. War der erste Teil noch ein passabler Horrorstreifen, sei ein Kinobesuch von Paranormal Activity 2 somit nur eingefleischten Fans zu empfehlen, die sich auch beim dritten Türschlag noch im Sitz zusammenkauern. Während man in Japan bereits an dem alternativen Sequel Paranormal Activity: Tokyo Night werkelt, gilt ein dritter Teil angesichts des großen Erfolgs in Amerika ebenfalls als wahrscheinlich. Es bleibt jedoch weiterhin zu hoffen, dass man den Poolsauger mit diesem Film endgültig ins Wasser geworfen hat.