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Der blutige Pfad Gottes

(The Boondock Saints, 1999)

Dt.Start: 14. September 2000
DVD: 07. März 2003
Premiere: 04. August 1999 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 18 Genre: Action, Krimi
Länge: 108 min Land: Kanada, USA
Darsteller: Willem Dafoe (Paul Smecker), Sean Patrick Flanery (Connor MacManus), Norman Reedus (Murphy MacManus), David Della Rocco (Rocco), Billy Connolly (Il Duce), David Ferry (Detective Dolly), Brian Mahoney (Detective Duffy), Bob Marley (Detective Greenly), Richard Fitzpatrick (The Chief), William Young (Monsignor), Robert Pemberton (Macklepenny), Bill Craig (McGerkin), Dot Jones (Rosengurtle Baumgartener), Scott Griffith (Ivan Checkov), Layton Morrison (Vladdy)
Regie: Troy Duffy
Drehbuch: Troy Duffy


Inhalt

Am St. Patricks Day versucht die Russen-Mafia im irischen Viertel von South Boston das Stamm-Pub der Brüder MacManus zu schließen. Diese setzen sich zur Wehr und haben bald noch weitere Gangster auf den Fersen. Aus Notwehr kommt es zum ersten Blutvergießen und sie töten dabei zwei der Mafiosi. Daraufhin gelten die MacManus-Brüder in ihrem Viertel als Heilige und durch eine nächtliche Vision bestärkt beginnen Sie im Namen Gottes einen Rachefeldzug gegen alle Mafia-Bosse Bostons.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Der blutige Pfad Gottes hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Müller
Der blutige Pfad Gottes hat eine Wertung von 70%
Der blutige Pfad Gottes gehört zu den Filmen, die schon kurz nach ihrem Erscheinen einen beeindruckenden Kultstatus erlangten. Recht oft als "must see" betitelt, ist der Streifen sicherlich ein Schmankerl für Fans schwarzhumoriger Actionkomödien. In seinem legendären Ruf als großer Filmklassiker ist er jedoch vollkommen überbewertet. Letztlich ist es vor allem Willem Dafoe, der das Werk hebt und über die streckenweise schon fast krampfhaft erzwungene, naive und im Grunde arg blasphemische Rechtfertigung von Selbstjustiz hinweg tröstet.

Bild aus Der blutige Pfad Gottes Die Karriere von Regisseur Troy Duffy liest sich wie die mäßige Story zu einem Hollywood-Märchen: Nachdem Duffy in den 90ern nach Los Angeles zog, um dort mit seiner Band "The Brood" durchzustarten, nahm er einen Job als Barkeeper an, wo er nebenbei das Drehbuch zu Der blutige Pfad Gottes schrieb. Kein geringerer als Pulp Fiction-Produzent und Miramax-Gründer Harvey Weinstein war von Duffys Werk so begeistert, dass er es ihm abkaufte und ihm schließlich 15 Millionen Dollar zur Verfügung stellte, um es zu verwirklichen. Da Duffy sich jedoch recht bald einen Ruf als eigenwilliger Egomane verschafft hatte, blieb ihm nach der insgesamt gelungenen Verfilmung seines Stoffes jedoch eine große Karriere im Filmgeschäft verwehrt. Erst zehn Jahre nach Der blutige Pfad Gottes realisierte Duffy wieder ein neues Projekt: Die durchwachsene und von der Kritik mit äußerst gemischten Gefühlen aufgenommene Fortsetzung Der blutige Pfad Gottes 2. Mit dem schnellen Aufstieg und dem noch schnelleren Fall Duffys beschäftigt sich sogar eine eigene Dokumentation mit dem treffenden Titel Overnight.

Von den einen wurde Der blutige Pfad Gottes als Kultfilm gefeiert, von den anderen als Müll im Fahrwasser Tarantinos verschrien. Wie so oft liegt die Antwort irgendwo dazwischen. Seine größte Stärke hat Duffys Film sicherlich bei seinen skurrilen Charakteren, wobei unumstritten Willem Dafoe (Antichrist) das größte Plus ist. Seine Figur ist nicht nur die schrägste und interessanteste, sondern auch die mit Abstand einprägsamste, was im wesentlichen Dafoes grandiosem Spiel zu verdanken ist. Die beiden Brüder, gespielt von Sean Patrick Flanery (Saw 3D - Vollendung) und Norman Reedus (American Gangster) machen ihre Sache auch recht gut und überzeugend. Deren Kumpel Rocco hingegen erinnert eher an eine Realversion von Jar-Jar-Bings und ist mindestens genauso nervig. Ein weiterer Posten auf der Haben-Seite sind die Shoot-Outs, die recht stylisch umgesetzt wurden und an anderen Stellen finden sich ein paar auch aus filmästhetischer Sicht recht schöne Szenen. Ansonsten ist es natürlich der recht dunkel geratene Humor, der, auch wenn in diesem Film bei weitem nicht jeder Spruch sitzt, einem insgesamt doch ab und an ein Lächeln über die Lippen kommen lässt.

Dem gegenüber stehen jedoch die krude, grob unglaubwürdige Story und die streckenweise schon kindlich naive Moralvorstellung, die immer wieder kompromisslos propagiert wird. Es ist beinahe erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit hier immer wieder denksportliche Abkürzungen genommen wurden. In keinem Moment wird das Handeln der Brüder hinterfragt. Im Gegenteil: Selbstjustiz wird durch Gott legitimiert und die "Bösen" zu töten und dazu aus der Bibel zu zitieren, ist eine Spitzenidee und die Reinigung der Welt auf diese Weise ohnehin eine urchristliche Angelegenheit. Damit sind die MacManus-Brüder so etwas wie moderne Kreuzritter, was dazu auch noch cool sein soll. Zu diesem schon im Grundsatz zwar einigermaßen originellen, aber am Ende doch recht verblödeten Ansatz, gesellen sich noch einige Schwächen in der Erzählweise. Dass der Tathergang der Morde erst im Nachhinein geschildert wird und der Zuschauer zuerst das Endergebnis des Blutbades sehen kann, mag am Anfang noch recht originell sein, jedoch erschöpft sich diese Erzählweise im Laufe des Filmes und wird irgendwann nur noch zu lästiger Routine. Hinzu kommen noch ein paar kleinere Längen im Mittelteil und eine kleine Storywendung gegen Ende, die man dem Film einfach nicht abnimmt und die Duffy sich getrost hätte sparen können.

Trotz seiner auffälligen Schwächen und seiner in der Tat wüsten und unreflektierten Moralvorstellung, die ihm in Deutschland auch eine Indizierung einbrachte, ist Der blutige Pfad Gottes ein unterhaltsamer Streifen für Fans von Filmen wie Dobermann, In China essen sie Hunde und natürlich Werken von Tarantino oder Guy Ritchie. Wenn man seine geistige Leistungsfähigkeit ein wenig nach unten reguliert (wobei Alkohol helfen kann) und nicht zu viel erwartet, kann man sich den Film getrost zu Gemüte führen und wird wahrscheinlich sogar Spaß daran haben.



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