Hallo, ich bin der Peter. Ich bin ein Regisseur und als solcher habe ich einen Klappstuhl, auf dem hinten drauf mein Name steht. Wenn ich nicht gerade auf meinem Stuhl sitze, dann rede ich mit dem Kameramann oder den Schauspielern und gebe ihnen Anweisungen für die nächste Szene. Meine größten Erfolge habe ich zusammen mit starken Männern gefeiert. Da wäre zum einen der megastarke Arnold Schwarzenegger, mit dem ich End of Days - Nacht ohne Morgen gedreht habe. Viele von Euch werden aber auch meine Filme Time Cop und Sudden Death in guter Erinnerung haben. Doch nun genug zu meiner Person. Ich bin ja eigentlich heute hier, um Euch zu erklären, wie man einen bereits 28.999 mal verfilmten Roman so inszenieren kann, dass trotzdem noch jemand ins Kino kommt. Die halbe Miete ist einen Publikumsmagneten als Hauptdarsteller zu verpflichten, am besten einen, bei dem die Leute ohne groß zu Fragen ins Kino rennen. Die Originalgeschichte ein bisschen abzuwandeln kann dem neuen Aufguss meistens auch nicht schaden. Zu guter letzt braucht man noch das Sahnehäubchen, mit dem man sich von den bisherigen Inszenierungen abhebt. Beachtet man all diese Regeln, so steht auch einem 29.000sten Aufguss nichts im Wege.
So, an dieser Stelle bedanken wir uns bei The Musketeer Regisseur Peter Hyams für diese kleine und nicht ganz authentische Stellungnahme und fragen uns ob seine goldenen Aufgussregeln vielleicht in der Sauna besser aufgehoben wären. Denn sein aktueller Film ist nicht annährend so spannend, wie einer Schildkröte beim 100 Meter Sprint zuzuschauen. Vor allem sein Hauptdarsteller Justin Chambers, den einige (wahrscheinlich zwei oder drei) noch aus Wedding Planner - verliebt, verlobt, verplant in Erinnerung haben, ist in seiner Hauptrolle gänzlich überfordert und blieb während des ganzen Films blass. Seinen fiesen Widersacher Febre mimt Standardbösewicht Tim Roth, der seine Figur fast schon zu routiniert runterleiert. Nicht zu vergessen Mena Suvari, die ein Zimmermädchen spielt und weitestgehend nur dazu da ist, um gut auszusehen. Erwähnenswert ist außerdem das Hollywooddebüt von Ex-RTL Samstag Nachtler Stefen Jürgens, der den dritten Degenfechter von rechts zum Besten gab. Aber hey, immer noch besser als Verona Feldbuschs Hollywooddebüt in Driven.
Auch die etwas umgemodelte Story von Drehbuchautor Gene Quintano macht The Musketeer nicht gerade zu einem Pflichttermin für alle Degensportfans. Zwar hat er sich zugegebenermaßen die ein oder anderen Gedanken beim Schreiben seines Scripts gemacht, aber ehrlichgesagt scheitert seine Story einfach am mangelnden Interesse des Publikums, das von "Einer für alle und alle für einen!" einfach die Schnauze voll hat. Letztlich bleiben leider nur die völlig hirnverbrannten und unlogischen Handlungselemente im Gedächtnis des Betrachters haften. Kommen wir nun zum oben bereits angekündigten Sahnehäubchen des Films, das wir dem chinesischen Starchoreographen Xin-Xin Xiong zu verdanken haben. Er brachte sich vor allem bei den Degen- und Faustkämpfen ein und versuchte dem klassischen Dumas Stoff einen Hauch von Tiger & Dragon zu verpassen. Das Resultat ist ganz ansehnlich und vor allem nicht zu übertrieben, vermag aber auch nicht wirklich zu begeistern. Es ist zwar ganz nett, dass Justin Chambers auf ein paar Fässern balancierend, fünf Widersacher in Schach hält, oder mit Bösewicht Tim Roth auf ein paar Leitern herumturnt, aber irgendwie passt es nicht so ganz ins Bild.
Regisseur Peter Hymas hat sich bei seiner Inszenierung auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert und muss sich die Frage gefallen lassen, warum er im finalen Showdown auf Regen setzte, den er mal stark, mal schwach, mal im Vordergrund und mal im Hintergrund niedergehen lies. Alles in allem kann man The Musketeer in der Schublade der schlechten Verfilmungen von Alexandre Dumas Roman ablegen und nur hoffen, dass in naher Zukunft keiner auf die Idee kommt, mit irgendwelchen lustigen Akrobatiken oder sonstigen Sperenzchen eine weitere Verfilmung zu rechtfertigen.