Wer hätte gedacht, dass Uwe Bolls Regie einmal das Highlight in einem Film sein würde? Seine realitätsnahe Inszenierung erweist sich als Trumpf und kann so einige Unzulänglichkeiten im Drehbuch überdecken. Als weitaus größeres Problem ist die Performance von Ex-Boxer Henry Maske anzusehen, der eine so unglaubwürdige und aufgesetzte Leistung abliefert, dass sich der Zuschauer mehrmals fragt, ob er nun Lachen oder Weinen soll.
Uwe Boll, von den Medien zu einem der schlechtesten Filmemacher aller Zeiten tituliert worden, versucht nun schon seit einiger Zeit, gegen dieses Image anzukämpfen. Mit 1968 Tunnel Rats ging es zumindest in die richtige Richtung und in dem weitestgehend unterhaltsamen Far Cry konnte er ebenfalls zeigen, dass in ihm durchaus Talent schlummert. Spätestens mit Rampage - Rache ist unbarmherzig dürfte er vielen Kritikern den Wind aus den Segeln genommen haben. Dennoch bleibt die Frage, ob das genügt, um eine ernste Biografie des Boxers Max Schmeling auf die Leinwand zu bringen; vor allen Dingen nachdem Boll verlauten ließ, die Hauptrolle vom ehemaligen Box-Weltmeister Henry Maske verkörpern zu lassen, der nicht gerade für seine Redegewandtheit bekannt ist.
Es ist schon fast ein kleiner Skandal, als Max Schmeling 1930 gegen Jack Sharkey nach dessen Disqualifikation zum Boxweltmeister ernannt wurde. Um zu beweisen, dass er den Titel auch wirklich verdient, setzt er eine Titelverteidigung gegen selbigen Gegner an, ist dabei klar überlegen, verliert dennoch nach Punkten. Gleichzeitig hat er jedoch auch mit dem Naziregime zu kämpfen, ist sein Manager doch Jude und seine Frau die bekannte deutsch-tschechische Schauspielerin Anny Ondra.
Wer einige Filme von Boll kennt, wird zunächst überrascht sein, mit welcher Ehrfurcht er dabei zur Sache ging. Gleichzeitig will er aber auch viel zu viel aus dem Leben Schmelings beleuchten und verhebt sich dabei durchaus. So sind einige Lebensabschnitte sehr präsent, wie Schmelings Probleme mit dem Naziregime, während hingegen sein Leben danach etwas hektisch in knapp 20 Minuten abgehandelt wurde. Zudem muss sich Drehbuchautor Tim Berdt für einige wirklich peinliche Dialoge verantworten, bei denen man sich die Frage stellt, ob es wirklich notwendig ist, auszusprechen was der jeweilige Charakter nun gleich tun wird (Ich geh dann mal auf Toilette!). Dass man aus Dramaturgiegründen teilweise ins Fiktionale abdriften musste, ist zwar durchaus verständlich, aber in einigen Dingen, wie beispielsweise dem emotionalen Höhepunkt des Filmes, doch etwas ärgerlich.
Zu Beginn überrascht Boll den Zuschauer mit einem durchaus gut inszenierten Kriegsszenario, das sich vor Hollywood nicht zu verstecken braucht. Das Ganze sieht gut aus, ist musikalisch mit dem notwendigen Pathos versehen und erinnert bisweilen an das deutlich sichtbare Vorbild Der schmale Grat. Auch die Inszenierung der Boxszenen ist gelungen und eine der Stärken des Filmes. Hierbei erweist sich die Tatsache als Trumpf, dass man auf Schauspieler verzichtet hat und echte Boxer in den Ring geschickt wurden, um glaubwürdige Kämpfe zu kreieren. Schön auch die gelungenen Überblendungen von alten Bildern in die Moderne oder der Moment, in dem der romantisierte Schmeling gleichzeitig mit Müll beworfen wird. Etwas ärgerlich jedoch, dass man die ohnehin schon wenigen englischen Szenen einmal mehr komplett synchronisieren musste, anstatt diese im Original mit Untertiteln zu zeigen.
Was sich bei den Kämpfen noch als Trumpf erwies, stellt sich jedoch in nahezu allen anderen Momenten als absolute Katastrophe heraus! Gemeint ist natürlich die schauspielerische Leistung des ehemaligen Profiboxers Henry Maske, der in jeder Szene zur Belustigung des Publikums beiträgt. Nahezu jeder Satz dürfte von den Zuschauern mit einem Lachen quittiert werden. Hierfür sorgen seine unangebrachten Pausen, die er alle paar Worte macht, und die dabei herrlich künstlich eingeschobene gedankliche Pause. Bisweilen ist das so mies, dass selbst ein einfaches Danke zum Lacher mutiert und man sich fragt, ob Maske Nachhilfeunterricht bei Joey Tribbiani aus Friends genommen hat, denn viel Unterschied ist zwischen diesen beiden nicht zu sehen. Auf das Niveau lassen sich auch der eigentlich erfahrene Christian Kahrmann, sowie der Regisseur Rolf Peter Kahl herab, der in einer Szene zudem noch so dermaßen unbeholfen in die Kamera blickt und für weiteres Amüsement beim Zuschauer sorgen kann. Für gewollte Lacher sorgen die kurzen Auftritte von Uwe Boll und Manfred Wolke. Einen guten Job hingegen machten Susanne Wuest, die Schmelings Love Interest durchaus glaubwürdig wiedergab, sowie Arved Birnbaum, der als einziger Darsteller das Niveau einer hochwertigen und anspruchsvollen deutschen Produktion erreicht.
Der nach dem hundsmiserablen Trailer befürchtete Super-Gau ist nicht eingetreten: Zu sehr sind die Bemühungen Bolls zu erkennen, eine gelungene Biografie über den deutschen Boxweltmeister zu kreieren. Dummerweise scheitert das Gelingen des Filmes dieses Mal weniger an ihm, sondern an dem eher schwachen Drehbuch und dem hundsmiserablen Hauptdarsteller Henry Maske, der zwar durchaus für Unterhaltung beim Zuschauer sorgen kann, allerdings leider nur auf die unfreiwillige Art und Weise.