Wer gerne hervorragend inszenierte Crimethriller aus Hong Kong mag, dürfte bei diesem Film auf der sicheren Seite sein. Dass dabei nicht nur Style over Substance herrscht, beweist die überzeugende Charakterzeichnung der Figuren, die nur in manchen Momenten etwas zu schnell voranschreitet. Auch wenn der Sprung zu den Genregrößen um Längen verpasst wird, bekommt der Zuschauer unterhaltsames und perfekt inszeniertes HK-Kino geboten.
Auch heute führt das großartige Meisterwerk Infernal Affairs in Deutschland noch immer ein Nischendasein, obwohl dessen Remake Departed: Unter Feinden den Oscar für den besten Film abgreifen konnte. Mit Abgehört - Trau niemals einem Cop kommt nun ein weiteres Werk von Alan Mak in die deutschen Videotheken und man darf gespannt sein, in welche Richtung das stetige Auf und Ab des Filmemachers führt, da Licht (die genannte Infernal Affairs)-Trilogie und Schatten (The Park 3D) bei ihm oft sehr nah beieinander liegen.
Mit Hilfe der modernsten technischen Hilfsmitteln wurde in Hong Kong eine neue Einheit geschaffen, die große Organisationen verwanzen und abhören soll, um so wirtschaftliche Absprachen zwischen den Unternehmen unterbinden zu können. Doch was, wenn sich nun die Polizeimitarbeiter selbst einen Vorteil am Aktienmarkt erschleichen können und was passiert erst, wenn die Börsenaufsichtsbehörde Wind von dieser Einheit bekommt?
Während man sich zu Beginn noch in einem üblichen Crimethriller wähnt, in dem es nur schwarz und weiß gibt, wird von Minute zu Minute immer klarer, dass bei der Charakterzeichnung alles andere als nur gut und böse herrscht. So driften auch die eigentlich guten Polizisten, wenn es die Möglichkeit erlaubt und die Situation es erfordert, auf die schiefe Bahn und sind den Kriminellen, die sie eigentlich fassen wollen, gar nicht so unähnlich. Dies gefällt, geht jedoch in manchen Punkten der Entscheidungsfindung fast ein wenig zu schnell, so dass sie in diesen Momenten wie kleine Naivlinge wirken. Das Ganze wird noch umrandet von einer durchaus spannenden Geschichte, die sich ganz anders entwickelt als es zuerst den Anschein hat.
Das Prunkstück des HK-Kinos ist bei schlechten Filmen meist noch die hervorragende Inszenierung, die einfach für Qualitätskino steht. Auch Alan Mak setzt bei seinem Film auf die üblichen Hochglanzbilder, gepaart mit einer stimmungsvollen Musik und hervorragenden Kameraeinstellungen. Dabei ist er sich auch nicht zu schade, ab und an gegen den Strich zu inszenieren, man denke nur an die ersten knapp 10 Minuten, in denen er den Zuschauer ohne einen einzigen Dialog an das Szenario heran führt.
Um das Ganze überzeugend abzurunden, hat man mit den drei Hauptdarstellern noch eine namhafte Darstellerriege zusammentrommeln können. Ching Wan Lau gefällt hierbei als zunächst noch etwas skeptischer, aber dann immer tiefer in die Sache verwickelter Chef am Besten. Louis Koo spielt einmal mehr seine Paraderolle des Mannes, der eher unbeholfen in eine ausweglose Situation gerät. Einzig Daniel Wu wirkt etwas zu glatt und steril in seiner Rolle und hängt den Leistungen seiner Schauspielkollegen deutlich hinterher.
Abgehört - Trau niemals einem Cop ist ein hervorragend fotografierter Film, der eine spannende Geschichte weitestgehend glaubwürdig an den Mann bringt. Dies wurde auch mit 6 Nominierungen für die Hong Kong Film Awards honoriert, bei denen er allerdings nur einen abräumen konnte. Wer auf spannende Crimethriller aus Hong Kong steht, kann ruhigen Gewissens einen Griff ins DVD-Regal wagen, auch wenn Maks Werk ein ganzes Stück hinter den großen Genrehighlights zurück bleibt.