Vor über 60 Jahren schrieb Erich Kästner das Buch Die Konferenz der Tiere, von dessen Geschichte sich einige Filmschaffende haben "inspirieren lassen". Inwiefern die Inspiration darauf ausgelegt war, dass sich der tote Autor in seinem Grab umdreht - es ist ungewiss. Sicher hingegen ist jedoch, dass die Macher sich mit der Kombination aus Umweltschutz, Klimaerwärmung und Teilen Kästners Geschichte sich selbst und dem Kinopublikum definitiv keinen Gefallen getan haben. Denn man möchte zu eigentlich jedem Zeitpunkt den Kinosaal schreiend verlassen und die blasphemischen Aussagen über die Menschheit gegen die Macher selbst richten!
Kommen wir zuerst zum Positiven des Streifens: Die Animationstechnik ist in Deutschland angekommen und überzeugt mit sauberen und gut gemachten Animationen, die sich vor großen Hollywoodproduktionen nicht zu verstecken brauchen. So genug gelobt, denn jetzt kommen wir zum Hauptteil dieser Kritik: der Kritik!
Was sich die Drehbuchautoren allein in den ersten zehn Minuten des Films erlauben, ist eigentlich eine bodenlose Frechheit und hoffentlich schämt sich jeder Einzelne dafür (mir ist vollkommen bewusst, dass das leider nur ein einsamer Wunsch bleibt) in Grund und Boden. Da wird das berühmte Bild des einsam auf einer Eisscholle treibenden Eisbären zusammen mit einem über 700 Jahre alten Schildkrötenpärchen, das vor einer Ölpest flieht und vielen weiteren "Vorzeigeproblemen" der heutigen Umwelt gezeigt. Natürlich alles ausgelöst von fahrlässigen Menschen, wie besoffenen Schiffsbesatzungen oder den Autofahrern mit ihren luftverpestenden Jeeps.
Warum man sich der billigsten und einfachsten, sowie gleichweg dümmsten Vorurteile und Gründe für die Umweltprobleme der heutigen Zeit bedient, ist unklar. Fakt ist, dass man allein mit den ersten zehn Minuten jeden ernsthaft über Klimaschutz nachdenkenden Menschen aus dem Kinosaal treibt. Denn anstatt die Probleme aufzuzeigen und näher zu beleuchten, winkt man mit dem großen bösen (und teils schwachsinnigen) Oberlehrerfinger und lässt ordentlich Frust aufkommen.
Dass die Aufklärung über Klimawandel nicht unbedingt Teil eines animierten Kinderfilms sein muss, ist selbstverständlich. Wenn man sich jedoch den Schuh anzieht, dann sollte man auch ein wenig darüber nachdenken, was man aussagen will und nicht einfach nur eine hohle Aneinanderreihung von Problemen und deren teils falschen Ursachen präsentieren.
Sieht man über diese Komplettausfälle hinweg, zeigt sich einem eine leere in sich nicht funktionierende Story, die sich bezüglich der Figuren bei verschiedensten Filmen bedient und dabei wenig überzeugt und langweilt. Dass der Humor dann auch noch zu kurz kommt bzw. sich unter TV-Soap-Niveau einpendelt, ist dann nur noch ein weiteres Puzzlestück im bunten Potpourri an Dingen, die man falsch machen kann.
Konferenz der Tiere erwähnt im Abspann, dass die Geschichte inspiriert von Erich Kästner ist und begeht damit eigentlich Rufschädigung. Was aus der schönen Nachkriegsgeschichte für Kinder geworden ist, kann man mit gutem Gewissen als "schlechteste Umsetzung eines deutschen Kinderbuchs" bezeichnen. Transportiert in unsere heutige Welt mit scheinbar wenig Gespür für die eigentliche Botschaft wirkt alles lückenhaft und wenig durchdacht. Schade um die Geschichte, schade um die Chance, schade um die Zeit, die Kinozuschauer mit diesem Film vergeuden!