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Die Mothman Prophezeihungen - Tödliche Visionen ist wieder einer der Mystery-Thriller, die aufgrund der Erfolge von The Sixth Sense oder den Akte X - Der Film beim produzierenden Studio die Dollarnoten in den Augen aufleuchten lässt. Mark Pellingtons Werk unterscheidet sich von den oben genannten insofern, dass es sich hier um einen Film "based on a true story", nämlich dem gleichnamigen Bericht über die Erscheinungen von mottenähnlichen Engeln des Autors John A. Keel, handelt. Für die Hauptrollen wurden Frauen-Schwarm Richard Gere und Laura Linney, bekannt aus Die Truman Show, auserkoren.
Mark Pellington, der mit seinem Regiedebüt Arlington Road auf sich aufmerksam machte, übernahm das Regiezepter. Bei jenem Debütfilm, in dem der Titelheld eine Verschwörung aufzudecken versucht, letztendlich aber unfreiwillig zum Mittäter wird, konnte Pellington einige Innovationen sammeln; und eine gewisse inszenatorische Ähnlichkeit der Filme ist auch nicht von der Hand zu weisen. In beiden Filmen gibt es unverhoffte Wendungen, sodass der Zuschauer seine gehegten Vermutungen getrost über Bord werfen kann. Eben diese Wendungen, die subtil vorgenommene Inszenierung und ein Richard Gere, der eine überzeugend gute Figur abgibt, verhelfen Die Mothman Prophezeihungen - Tödliche Visionen in meinen Augen zu seiner Stellung als überraschender Geheimtipp.
Richard Geres Alter Ego im Film kommt mit seiner Frau als Fahrerin, für die der Unfall tödlich enden wird, von der Straße ab, weil sie wegen einer äußerst unheimlichen Erscheinung erschrickt. Auf dem Totenbett zeichnet sie Bilder von dieser Erscheinung. Zwei Jahre später - Klein befindet sich, da er Reporter ist, auf der Reise zu einem Spitzenpolitiker - gelangt er unter äußerst seltsamen Umständen in das weit vom eigentlichen Reiseziel entfernte Point Pleasent, weil sein eigentlich "kerngesundes" Auto streikt. Auf der Suche nach Hilfe - es ist mitten in der Nacht - gelangt er zum verängstigten Gordon Smallwood (recht ausdruckslos: Will Patton), wo er auch erfährt, wo er denn gelandet ist. Er kann sich nicht erklären, wie er dorthin gekommen ist, da Point Pleasent für die Dauer der Fahrt viel zu weit entfernt liegt. Gordon jedenfalls leidet an Vorstellungen von geflügelten Nachtfaltern mit leuchtend roten Augen, wie Kleins Frau sie vorher skizziert hatte. Es kommt zu mehreren mysteriösen Visionen von diesen Gestalten...
Genreuntypisch ist, dass diese Nachtfalter nicht wirklich Gut oder Böse zugeteilt werden können, da ihre Rolle als vermeintliche Unheilsboten bis zum Schluss eigentlich unklar bleibt. Außerdem schreiten die Mottenmänner nicht selbst zur Tat, sondern die Handlungen findet in den Köpfen der Protagonisten und in den Gedanken des Zuschauers statt, denn eigentlich passiert nicht wirklich viel; ein paar (schreckliche) Visionen dieser Wesen, Albträume und unheimliche Anrufe... Pellington versteht es aber Spannung zu erzeugen, indem er beispielsweise rote(!) Leuchtschriften und Lichter, die eben in einem zivilisierten Stück Land dieser Erde vorkommen, und die an die unheimlichen Augen der unheimlichen Motten erinnern, plötzlich in einer Einstellung auftauchen lässt, oder sie am Ende mit in die nächste Einstellung hinüber nimmt. Zusammen mit der überaus ertragreichen Symbiose aus Fred Murphys behänder Kamera und Brian Berdans unvorhersehbarem Schnitt werden Dinge, wie Blicke in den Spiegel zu schreckhaften Erlebnissen für Zuschauer und Protagonisten. Man hat das Gefühl, dass etwas passiert, man weiß aber nie wann und was.
Gere, der Reporter, und Linney, der weibliche Sheriff, liefern beide gute Leistungen ab. Wenn man den Vergleich zu den Akte X - Der Film sucht, stellt man fest, dass hier auch das gleiche Verhältnis von Mann und Frau zum Übernatürlichen existiert. Gere ist insofern der Fox Mulder, dass er sich den paranormalen Dingen annimmt und sie näher untersucht, wohingegen Linney Scully entspricht, wenn sie irdische Erklärungen für das ganze sucht. So scheint auch Klein den Verstand zu verlieren, während Parker zunächst besser klarkommt.
Das alles ergibt einen spannenden Mystery-Thriller, der zwar aufgrund seiner hanebüchenen Story hinter der Genre-Spitze hinterher hinkt, aber durch seine geschickte Inszenierung wirklich gut zu unterhalten weiß. Von Mark Pellington mag in Zukunft durchaus auch wirklich Großes kommen! |