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Totally Fucked Up

(Totally Fucked Up, 1993)

Dt.Start: 14. September 1995 Premiere: 16. September 1993 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 78 min Land: USA
Darsteller: James Duval (Andy), Roko Belic (Tommy), Susan Behshid (Michele), Jenee Gill (Patricia), Gilbert Luna (Steven), Lance May (Deric), Alan Boyce (Ian), Craig Gilmore (Brendan), Nicole Dillenberg (Dominatrix), Johanna Went (Excalibur Lady), Michael Costanza (Everett), Babyland (Club Band), Joyce Brouwers (Deric's Mom)
Regie: Gregg Araki
Drehbuch: Gregg Araki


Inhalt

Homosexueller Teenager in Los Angeles und dazu noch in den 90er Jahren zu sein, ist nicht leicht. Die schwulen und lesbischen Heranwachsenden wurden von ihren Eltern rausgeschmissen und sie haben alle weder Geld noch einen Job. Dazu sehen sie sich immer wieder den schwulen- und lesbenfeindlichen Äußerungen ihrer Mitbürger ausgesetzt. Dabei haben sie mit den üblichen Teenagerproblemen, bereits genug eigene Sorgen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Totally Fucked Up hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 58%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Lutz Granert
Totally Fucked Up hat eine Wertung von 58%
War Gregg Arakis viel beachtetes Road-Movie The Living End noch eine intensive Auseinandersetzung mit einer homophoben Gesellschaft, büßt Nachfolger Totally Fucked Up durch einen innovativen, aber leider nur wenig homogenen Stilmix, sowie nur lose miteinander verknüpften Episoden und Phrasen viel von seinem gesellschaftskritischen Potenzial ein.

Bild aus Totally Fucked Up Ein Blick ins Englisch-Wörterbuch: "fucked up", Adjektiv, [vulgär], "beschissen; (voll) im Arsch". In Arakis Film ist dies die Beschreibung des Lebens einer jungen Generation von Homosexuellen, die tagtäglich konfrontiert ist mit - so wird in einer "In-Liste" verlesen - Sexismus, Homophobie und spirituellem Blödsinn. Schon der Einstieg in Totally Fucked Up ist ein pessimistischer: Ein Zeitungsartikel über die aktuelle Statistik von Suiziden. 30% von ihnen sind homosexuell, weil sie von der Gesellschaft unterdrückt werden.

Dabei sind die Jugendlichen dieser Generation ihren heterosexuellen Altersgenossen ähnlich: Sie sind auf der Suche nach Glück, nach der großen Liebe und Geborgenheit, werden aber allzu oft enttäuscht. Dieser Cocktail ist in Verbindung mit der Perspektivlosigkeit dieser Generation X in einer entfremdeten Gesellschaft, die vermeintlich christlichen Moralvorstellungen nachhängt aber ihrem Niedergang nicht entrinnen kann, tödlich, so viel sei vorweg gegriffen. Doch was hat man bei einem Film, der den Auftakt zu der sogenannten "Teenage Apocalypse Trilogy" von Gregg Araki bildet, auch erwartet?

Araki greift nach The Living End wieder die zunehmende Durchdringung des Lebensalltags durch die Medien auf. Doch waren es dort vorrangig inhaltliche wie motivische Elemente (eine Hauptfigur übte den Beruf des Filmkritikers aus, an Wänden sind Filmposter zu finden), so bedient sich Araki in Totally Fucked Up in kurzen Interviewschnipseln der Ästhetik des flimmernden, grobkörnigen Homevideos. Protagonist Steven (Gilbert Luna) dreht diesen Film über seine Clique - der Film im Film - um zu zeigen, wie die Dinge wirklich sind. Um schwules und lesbisches Leben zu dokumentieren, Wirklichkeiten, welche Fernsehen und Kino als von den Ressentiments des Mainstreams ergriffene Medien nicht realistisch abbilden können. Dies war auch ein Anliegen der Kinobewegung des New Queer Cinema, welcher Totally Fucked Up durch seinen offensiven Umgang mit homosexueller Identität gemeinhin zugerechnet wird.

Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann, Co-Produzent und Cutter Araki schafft abseits dieser immer wiederkehrenden Ausflüge in die Camcorder-Ästhetik, um medial Vermitteltes und Wirkliches zu trennen, jedoch auch wieder symbolisch aufgeladene Bilder. Da sitzt die homosexuelle Clique aufgereiht nebeneinander, die Kamera in leichter Untersicht. Neben ihnen ein Schild mit der Aufschrift "End" und freakige Gestalten laufen vorüber, als die Rede von einer Selbstmordwelle in Europa ist. Werden sie den Untergang der Welt erleben? Man fühlt sich erinnert an Nowhere, den Abschluss der "Teenage Apocalypse Trilogy", wo eine Alieninvasion vom Untergang der Welt kündet.

In 15 ungeordneten Fragmenten erzählt Araki mit Totally Fucked Up seine Studie um die Befindlichkeiten und Lebenssituation von vier alleinstehenden Schwulen und einem lesbischen Pärchen, das sich nach einem Kind sehnt. Jedes Fragment - und dabei schießt Araki das ein oder andere Mal übers Ziel hinaus - überschrieben mit mehr oder minder prätentiösen Titeln wie "the alienation generation" oder "can this world really be as sad as it seems?", konfrontiert den Zuschauer mit einem fast schon stupiden Durchexerzieren der Probleme und des Denkens dieser jungen Generation von Homosexuellen. Folglich bleibt es inhaltlich aufgrund einer losen Narration um kleine, willkürlich herausgepickte Lebensepisoden, aber leer. Darunter leiden auch die einzelnen Charaktere, vom melancholisch-tiefgründigen Andy (James Duval, Donnie Darko) einmal abgesehen, deren Schicksale mangels Eindringlichkeit kalt lassen. Das Drama, welches in The Living End mit der Zuspitzung auf zwei Figuren noch so gut funktionierte, bleibt in Totally Fucked Up konturlos und ebenso wie Andys letzter Monolog am Ende nicht zuletzt aufgrund der pseudo-avantgardistischen Inszenierung in deprimierenden Phrasen und Konstatierungen um gesellschaftliche Missstände stecken.



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Dt. Start: nicht bekannt
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Dt. Start: 08. Jan 1998
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