In einer Welt, in der Amokläufe leider keine Seltenheit mehr sind, nimmt sich Dr. Uwe Boll mit Rampage - Rache ist unbarmherzig erneut dem Thema an und inszeniert ein ungemütliches und äußerst blutiges Werk. Als Kritik an den Moralvorstellungen der Gesellschaft angelegt, wird der Zuschauer vor allem mit sehr kaltblütigen Szenen konfrontiert, welche dazu vollkommen emotionslos serviert werden. Glücklicherweise bedient sich der Regisseur dabei keinerlei Klischees, weswegen dies nun bereits zum wiederholten Mal einen gelungenen Film von Uwe Boll darstellt.
Mit Rampage - Rache ist unbarmherzig liefert Dr. Uwe Boll (Postal, Siegburg) nach Amoklauf und Heart of America seinen dritten Film zum Thema Amoklauf ab. Anders als in den vorherigen Filmen lässt er es hier ziemlich schnell krachen und konzentriert sich vor allem auf die Tat und deren Umsetzung an sich, was beim Zuschauer wiederum für reichlich Unbehagen sorgen kann.
Die Welt ist überbevölkert. Die Ressourcen werden immer knapper. Damit ein paar gut leben können, müssen viele sterben. So in etwa klingen Bill Williamsons (Brendan Fletcher - Freddy Vs. Jason, Heart of America) Begründungen für sein bald folgendes Massaker, wenn er sich mit seiner Handycam aufnimmt. Sein Freund und Verschwörungstheoretiker Evan Drince (Shaun Sipos - Final Destination 2, Siegburg) hat ihm unbewusst bei den Vorbereitungen geholfen, und wird ihm auch später noch sehr nützlich sein. Seine fürsorglichen Eltern, welche ihn langsam auf eigenen Beinen stehen sehen wollen, ahnen nichts von seinem Vorhaben und können offenbar nicht als Ursache angesehen werden. Und so zieht er sich seinen selbst entwickelten und kugelsicheren Kampfanzug aus Kevlar an, bewaffnet sich bis unter die Zähne und macht sich auf den Weg, seine ganz eigene Form der Bevölkerungs-Reduktion zu betreiben.
Ob nun dieser Film am Ende sozialkritisch ist oder nicht, liegt einerseits im Auge des Betrachters und andererseits daran, welche Version dieses Filmes eben dieser Betrachter gesehen hat. Denn hierzulande ist eine entschärfte Version mit einem alternativen Ende erschienen, welche alles soeben Gesehene in eine Richtung verändert, welche kaum mehr der Intention von Uwe Boll entsprechen dürfte. Doch auch in der ursprünglichen Version werden die Hintergründe der Tat ein wenig zu oberflächlich abgehandelt, indem diverse Sätze zu oft einfach wiederholt werden, statt eben diesen mehr Substanz zu verleihen. Dazu ist die Inszenierung ansonsten dermaßen explizit, dass man hin und wieder schon einen leichten Selbstzweck vorwerfen könnte. Andererseits sind es aber genau diese extrem blutigen und intensiven Bilder, welche gewolltes Unwohlsein auslösen können und in einem sehr gelungenen Kontrast zu den ruhigen Momenten stehen. Egal, ob Bill gerade die Besucher eines Beauty-Salons regelrecht über den Haufen ballert, oder ob er eine Bank überfällt, um danach vor den Augen der verängstigten, überlebenden Zeugen das Geld zu verbrennen: Man kann zu jederzeit mehr als eine oberflächliche Ebene erkennen, wodurch Uwe Boll der Welt mit Rampage - Rache ist unbarmherzig abermals einen Spiegel vor die sensationsgierige Nase hält.
Der ganze Film kann jedoch nur funktionieren, wenn ein fähiger Darsteller diesen trägt. Uwe Boll hat mit Brendan Fletcher eindeutig die richtige Wahl getroffen, denn auch in den Momenten, in welchen das Drehbuch nicht einhundertprozentig überzeugt, holt dieser gleichermaßen sympathisch wie gefährlich wirkende junge Mann das Eisen wieder aus dem Feuer. In keiner Sekunde wirkt er deplatziert oder auch nur annähernd überfordert, was Rampage - Rache ist unbarmherzig schlussendlich überhaupt erst zu einem sehenswerten Film macht.
Doch auch auf der technischen Seite gibt es kaum etwas zu bemängeln und Dr. Uwe Boll beweist abermals, dass er kann... und zwar um Einiges mehr, als ihm viele oftmals zutrauen wollen. Einzig die Kamera hätte in den ruhigen Momenten selbst noch etwas ruhiger bleiben können, doch die Musik, die Ausstattung und die Effekte sind im B-Movie-Bereich allesamt als sehr gelungen zu bezeichnen.
Rampage - Rache ist unbarmherzig ist ein Film, den man am besten mit der Kneifzange anpackt, denn man kann ihn - wenn man will - durchaus einfach als Gewalt verherrlichendes Stück Film abtun und somit als überflüssig und sogar gefährlich verurteilen. Wer aber mit dem Thema umgehen kann, wird die kritischen Punkte erkennen und diese auch selbst deuten können. Und egal zu welcher Gruppe man nun selbst gehört: Dieser Film wird so oder so für Gesprächsstoff sorgen können.