Hund, Katze, Maus, Pinguin oder Elefant? Diesmal ist es Sammy, die kleine Meeresschildkröte, die in einem Animationsabenteuer den Gefahren der weiten, weiten Welt trotzen darf. Auf ihrer Reise durch die Weltmeere begleitet sie ihr rustikaler Schildkrötenbuddy Ray. Das Leben einer Schildkröte dauert aber viele Jahrzehnte und Freunde können kommen und auch wieder gehen. Sammy träumt aber von der großen Liebe, die ewig währt. Sympathischer kleiner Film, der gegen Ende etwas im Kitsch ersäuft, aber insgesamt genug Pluspunkte sammelt, dass man ihm, besonders mit Blick auf die Zielgruppe, nicht böse sein kann.
Ziemlich genau ein Jahr nachdem mit der märchenhaft verträumten Tier-Doku Tortuga - Die unglaubliche Reise der Meeresschildkröte die jahrzehntelange Reise der sogenannten unechten Karettschildkröte beleuchtet wurde, gelangt ein sympathisches Animationsabenteuer in die Kinos, das thematisch im Grunde denselben Tenor hat und auch in puncto Kitsch und Tiervermenschlichung dem realen Vorbild locker das Wasser reichen kann.
Kaum hatte sich Sammy mühsam aus dem Ei gepellt, da wurde ihm auch schon beinahe eine brutale Möwenattacke zum Verhängnis. Das Schicksal meinte es aber an diesem schönen Tag nicht nur mit ihm besonders gut: So gelang es ihm, nicht nur sich aus dem gierigen Schnabel der Möwe zu befreien, er rettete darüber hinaus der am selben Tag geschlüpften Shelly das Leben. Wenn das mal nicht nach Karma riecht. Prompt war es um Sammy geschehen und auch Shelly wäre am liebsten die nächsten fünfzig oder einhundert Jahre zusammen mit ihm flossenhaltend durch die Ozeane geschwommen. Sammy und Shelly sind schließlich Meeresschildkröten und gehören genau dorthin.
Das Schicksal und die eintreffende Flut trennten aber beide wieder und jeder musste seine Reise durchs unendliche Blau alleine fortsetzen. Sammy hatte dabei noch Glück im Unglück: Ein Stück eines morschen Anlegestegs, das wie ein altes Floß durchs Wasser trieb, wurde für ihn der ideale Liegeplatz, um sich von der Strömung durch die Weltmeere treiben zu lassen. Obendrein war es dort um einiges sicherer als im Wasser; eine Menge großer Gefahren in Form gieriger Raubfische lauern schließlich unter der Oberfläche auf einen Winzling wie ihn. Es dauerte nicht lange und Ray, eine andere Meeresschildkröte, die auch am selben Tag geschlüpft war und stets großen Appetit auf Quallen hat, gesellte sich zu Sammy. In den nächsten Jahren sollten die beiden unzertrennlich und zu den besten Freunden werden - aber Sammy hatte überdies den Traum, eines Tages Shelly wieder zu begegnen, nicht aufgegeben.
Im Disney-look-a-like Gewand präsentiert sich die Geschichte von Sammy, der kleinen mutigen Meeresschildkröte, die auf ihrer Reise durch die See allerlei Abenteuer überstehen muss. Sowohl Bild als auch die musikalische Unterlegung erinnern tatsächlich sehr an den Stil des Trickfilmgiganten aus Übersee. Allerdings bleibt man bei Sammys Abenteuer, trotz nerviger, weil ewig Plappermäuliger Vermenschlichung, wenigstens von singenden Tieren verschont. Dafür war der Sprung auf die dritte Dimension wohl wieder unvermeidlich, der diesmal zudem allzu penetrant vorexerziert wird: alle paar Minuten ragen halb sinnlos irgendwelche Dinge ein ums andere Mal aus der Leinwand und man darf mit stetiger Pupillengymnastik versuchen, immer wieder aufs Neue Fokus und Tiefenschärfe zufinden.
Abgesehen von diesen technischen Irritationen präsentiert sich Sammys Abenteuer als weitestgehend gewaltfreie familien- wie kindgerechte Geschichte. Trotz einer ordentlichen Portion Weichspüler und des nicht zu leugnenden Kitsches, vergaß man aber nicht, dem Streifen zumindest einen soften pädagogischen Anstrich zu verleihen, was dem Film eindeutig zugutegehalten werden muss. Im Schnelldurchlauf, quasi parallel zu Sammys Reise, erlebt das Publikum die Folgen des rücksichtslosen, menschlichen Handelns und der Kurzsicht mit der die Ressourcen dieses Planeten verbraucht werden. Zwar erwächst aus der Darstellung von Klimawandel, Ölpest & Co. noch lange kein moralischer Imperativ, denn schließlich ist der Streifen nicht als Erziehungsstunde gedacht, auch wenn er sich mit dem beiläufigen Appell grundsätzlich eher an die Jüngsten richtet; ein Quäntchen an Anregung in Zukunft aber achtsamer mit der Natur umzugehen, sollten die Kids dennoch in der Lage sein, aus dem Film mitzunehmen.
Sammys Abenteuer ist summa summarum ein charmanter kleiner Animationsfilm, der mit Liebe zum Detail konzipiert wurde, eine ordentliche Portion Humor enthält (auch wenn die Gags überwiegend nicht für Erwachsene optimiert sind) und positive Werte im Stile eines Buddy-Movies mit leichtem Öko-Touch vermittelt. Auch wenn der Gang ins Kino nicht unbedingt zwingend erscheint, sollte es allemal zu einem netten Nachmittag mit und für die Kleinen reichen.