Tierdokus gab es in den letzten Jahren viele. Nachdem die Zuschauer in hinreißenden Bildern und einer romantischen Geschichte Die Reise der Pinguine nachverfolgen durften und sich Unsere Erde von ihrer (noch) wunderschönen Seite gezeigt hat, möchte Reinhard Radke nun mit Serengeti einen tieferen Einblick in den Jahreszyklus dieses besonderen Fleckchens Erde gönnen. Dabei präsentiert er teils beeindruckende aber auch teils redundante Aufnahmen, die sich zu einer zwar nett gemeinten aber nicht ganz konsequent umgesetzten Geschichte zusammensetzen.
Alles Leben folgt einem immer währenden Zyklus. Lebewesen werden geboren und sterben, so wird das immer weitergehen. Genauso wäre es auch mit Kreisläufen, die sich auf höheren Ebenen abspielen, wie beispielsweise die größte Tierwanderung der Welt, die jährlich tausende von Gnus, Zebras und Antilopen in der Serengeti mitmachen. Die Suche nach Futter und vor allem Wasser würde auf ewig weitergehen, würden nicht wir Menschen immer wieder massiv in die Natur eingreifen. Noch wandern die riesigen Tierherden von den fruchtbaren Vulkanlandschaften über versickernde Wasserlöcher zu neu blühenden Landschaften. Eine Reise, die sowohl neues Leben hervorbringt und erhält, als auch einige Leben fordert. Vielleicht geht es ewig so weiter, aber nur, wenn die Menschheit den Tieren weiterhin die Möglichkeit dazu gibt.
Einen mahnenden Unterton findet man eigentlich in fast jedem Tier- und Naturfilm der letzten Jahre. Zu Recht, da man nur durch Aufklärung die Menschen darauf aufmerksam machen kann, dass wir uns ändern müssen, um solch beeindruckende Kreisläufe und damit die intakte Natur nicht völlig zu zerstören. Dabei kann man es aber auch übertreiben. Sobald wunderschöne Naturaufnahmen plakativ für irgendwelche Zwecke missbraucht werden und man sich im Kinosessel so fühlt, als würde fortwährend ein Oberlehrer mit ausgestrecktem Zeigefinger vor der Leinwand stehen, kann das ganze leicht ins Negative umschwenken. Umso angenehmer, dass Reinhard Radke bei seiner Dokumentation über die Serengeti nur wenige Worte in diese Richtung schickt, um sich anschließend allein auf die Natur und ihre ganz eigenen Gesetze zu konzentrieren.
So folgen wir sowohl Räubern als auch Beutetieren, die sich im täglichen Kampf ums Überleben immer wieder begegnen. Die Räuber, die auf den Zug der Gnus, Zebras und Antilopen angewiesen sind, da sie ansonsten in ihren Revieren und Lebensräumen verhungern müssten. Die Beute, die von der Not nach Wasser und blühenden Landschaften einen langen und beschwerlichen Weg antritt. Dabei wird die Beziehung zwischen diesen beiden Gruppen nicht unnötig dramatisiert. Wo in anderen Filmen nicht selten auf die Tränendrüse gedrückt wird, da man unwillkürlich Mitleid mit den Tieren empfindet, bleibt hier alles eher in einem neutralen und damit natürlichen Rahmen. Zwar werden durchaus Jagdszenen gezeigt, allerdings hat man teilweise das Gefühl, als würde die Szene "früh genug" enden und die grausame Realität der Wildnis damit ein wenig lindern. Dieses Vorgehen riecht zwar an manch einer Stelle ein bisschen zu stark nach Weichspüler und erweckt den Eindruck, als ob stetig ein Stück fehlen würde. Allerdings ist es wiederum deutlich angenehmer anzusehen als beispielsweise Das Geheimnis der Flamingos, bei dem man einem kleinen Küken minutenlang beim aussichtslosen Todeskampf zusehen musste, nur um sich zu fragen, worin darin der Gewinn liegt. Das macht Serengeti deutlich kinderfreundlicher, aber natürlich auch weniger realitätsnah.
Sehr viel wichtiger als die Handlung, die eigentlich nur irgendwie sinnvoll einem roten Faden folgen sollte, sind bei Tierfilmen die Aufnahmen und die optische Herangehensweise. Hierbei muss sich Serengeti nicht vor seinen Vorgängern verstecken. Allein die Luftaufnahmen der riesigen Tierherden sind beeindruckend und wunderschön anzusehen. Lediglich die Tatsache, dass man sich zu häufig mit der Slow-Motion-Taste gespielt hat, fällt negativ ins Gewicht. Dadurch entstehen zwar Bilder, die schön anzusehen sind, aber jeglicher Aussage entbehren. So bekommt man in wunderschöner Nahaufnahme und Slow-Motion mehrmals ein Nilpferd zu sehen, das majestätisch aus dem Wasser auftaucht. In der groben Handlung spielen diese Tiere aber überhaupt keine Rolle. Das gefällt beim ersten Mal aufgrund der Optik gut, langweilt aber spätestens nach dem zweiten Auftauchen aufgrund fehlender Information.
In der Überlieferung von Informationen ist man bei Serengeti den gleichen Weg gegangen, wie ihn Unsere Erde bereits beschritten hat. Aus dem Off erklärt ein Sprecher dem Zuschauer, was auf der Leinwand vor sich geht und gibt hin und wieder noch weiterführende Informationen oder klärt offene Fragen. Dabei wird keine märchenhafte Geschichte erzählt, wie es bei Die Reise der Pinguine der Fall gewesen ist. Leider passieren im Kommentar kleinere Fehler, die bei aufmerksamer Betrachtung negativ auffallen.
Nach starken Vertretern des Tierfilmgenres wie Unsere Erde, Unsere Ozeane und Die Reise der Pinguine hat es jeder weitere Film natürlich schwer. Aufgrund einiger Mängel reicht Serengeti nicht an die erwähnten Werke heran, verdient sich allerdings durchaus seine Daseinsberechtigung. Vor allem auf der großen Leinwand kann man die schönen Bilder genießen und bekommt nebenbei noch ein paar Informationen über die größte Tierwanderung der Welt.