Mit zwei eher unbekannten Gesichtern verfilmt Philipp Stölzl das Leben Goethes zu der Zeit, als Die Leiden des jungen Werthers entstanden. Dabei wollte er keinen eingestaubten und schwerfälligen Kostümfilm inszenieren, sondern die Geschichte eines bedeutenden Mannes in authentischer Kulisse und mit einer gewissen Lockerheit. Das ist ihm und seinem Team auch wirklich gut gelungen. Goethe! präsentiert sich als amüsante Liebesgeschichte mit geschichtlichem Hintergrund, wobei dieser fast schon zu schwach ausgeprägt ist.
Johann ist 23 Jahre alt, hat gerade eben seine Doktorprüfung versaut und wird von seinem Vater daher bestraft. Dabei möchte er doch viel lieber das Leben genießen, schreiben und mit seinen Freunden trinken bis zur Besinnungslosigkeit. Doch schon bald lernt er in seinem Exil ein reizendes Mädchen namens Lotte kennen, das ihn sofort in seinen Bann zieht. Auch die junge Schöne ist von dem stattlichen Mann angetan. Also trifft man sich, bäckt gemeinsam Brot und verbringt Zeit. Dies führt schließlich zu leidenschaftlicher Liebe und Glückseligkeit auf beiden Seiten. Doch leider ist die holde Meid bereits anderweitig vorgesehen. Sie soll den Chef des jungen Johann ehelichen, damit dieser ihrer Familie aus der finanziellen Not hilft. Als Johann dies erfährt, ist er natürlich mehr als bestürzt, er denkt sogar über Selbstmord nach. Glücklicherweise kann er sich seinen Kummer von der Seele schreiben und entkommt damit dem Drang des Freitods.
An sich könnte sich diese Geschichte so oder in ähnlicher Form zu jeder Zeit an jedem Ort und mit belieben Personen abspielen. In diesem Fall befinden wir uns aber im 18. Jahrhundert und der junge Mann trägt den Nachnamen Goethe, der nicht nur in Deutschland sehr wohl bekannt ist. Philipp Stölzl, der neben der Inszenierung auch die Geschichte des Films entwickelte, nahm sich die Tatsache, dass das Buch Die Leiden des jungen Werthers autobiographische Züge aufweist, zum Anlass, eine Geschichte über den jungen Goethe zu erzählen, bevor er zu dem großen Dichter und Wissenschaftler wurde, als den wir ihn heute noch in Erinnerung haben.
Die Geschichte, die Stölzl und seine Co-Autoren sich erdacht haben, ist durchaus unterhaltsam und witzig, wenn auch nichts Besonderes. Dass es sich um den großen Goethe handelt, der da liebestrunken durch die verdreckten Gassen taumelt, merkt man nur an wenigen Stellen. Es hätte auch irgendein beliebiger Mann sein können, der sich für Dichtung und Literatur interessiert. Doch genau diesen Goethe wollten die Autoren auch zeigen. Laut eigener Angabe sollte nicht der vielseitig interessierte und in jedem Bereich genial agierende Goethe gezeigt werden, der aus diesem unsicheren und rebellischen jungen Mann geworden ist. Das lockert die Geschichte zwar auf und macht sie auch Kinogängern, die normalerweise um Kostüm- und Historienfilme einen großen Bogen machen, zugänglich, beraubt die Geschichte aber auch in gewisser Weise ihrer besonderen Note.
Die Besetzung der Hauptrollen mit eher unbekannten Gesichtern stellt sich als sehr gute Entscheidung heraus. Sowohl Alexander Fehling (13 Semester) als auch Miriam Stein hauchen ihren Figuren Leben ein und machen sie unglaublich sympathisch und nachvollziehbar. Vor allem die dramatischen Szenen, allen voran der Moment, als Lotte den Heiratsantrag von Kettner bekommt und annimmt oder die Szene, in der Johann von diesem Bund erfährt, sind sehr emotional dargestellt und übertragen ihre Dramatik über die Leinwand hinaus.
Alles in Allem ist Goethe! eine nette romantische Komödie geworden, die ihren historischen Hintergrund fast schon zu sehr verbirgt und damit leider am Ende doch nur mittelmäßig abschneidet. Der Ansatz, den Film für junges Publikum zugänglich zu machen, ist durchaus gelungen, könnte aber daran scheitern, dass die Zielpersonen doch vor der Kostümfilmoptik zurückschrecken und sich lieber eine "echte" RomCom ansehen.