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Am Anfang war das Licht

(Am Anfang war das Licht, 2010)

Dt.Start: 28. Oktober 2010 Premiere: 12. Februar 2010 (Festival, Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 95 min Land: Österreich
Darsteller: n/a
Regie: P.A. Straubinger
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Ist es möglich, ohne jegliche Form von üblicher Nahrung zu leben? Reicht das Licht aus, uns zu speisen? In der westlichen Welt wird die so genannte "Lichtnahrung" überwiegend als esoterischer Unsinn abgetan, doch gibt es immer wieder Berichte von Menschen, die allein durch die Kraft des Lichtes überleben. Der Film setzt sich dabei nicht nur mit einer Seite auseinander, sondern begibt sich auf der Suche nach der Wahrheit quer über den Erdball, um verschiedensten Menschen, ob Wissenschaftler oder Geistliche, Hausfrauen oder Lebenskünstler, zu begegnen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Am Anfang war das Licht hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 37%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Am Anfang war das Licht hat eine Wertung von 37%
Fast jeder hat schon einmal eine Diät oder eine Fastenkur hinter sich gebracht. Fastenzeiten sind überdies in fast allen Kulturen fester Bestandteil religiöser Praxis; auch hier bei uns, im christlichen Abendland. Nur ist es in unserer Gesellschaft nahezu in Vergessenheit geraten. Doch wie weit kann man ein Fasten treiben, wie lange verträgt und erträgt der menschliche Körper diese Entbehrung? Am Anfang war das Licht geht sogar noch weiter und sucht zu beweisen, dass Menschen sogar jahrelang ohne zu essen und zu trinken überleben können. Spannend inszeniert ist das allemal, doch offensichtlich mit der Tendenz versehen, Meinungen beeinflussen zu wollen.

Bild aus Am Anfang war das Licht Ist es einem Menschen möglich, monate- oder jahrelang ganz ohne Nahrung und sogar ohne zu trinken auszukommen? Kann ein Mensch das vollbringen? Unser Körper kann (abhängig von seinen Reserven) tatsächlich wochenlang ohne Nahrung auskommen. Doch mehr als ein paar Tage ohne Flüssigkeit und man steht schnell an der Schwelle zum Tod. Filmemacher P. A. Straubinger macht sich in Am Anfang war das Licht auf, ein Phänomen zu ergründen, das in unserer westlichen Welt fast unbekannt ist und das darüber hinaus jeder Rationalist als Humbug oder Scharlatanerie abtun würde. Es geht um Menschen, die behaupten, sehr lange Zeiträume ohne jegliche Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme auskommen zu können; manch einer sogar jahrzehntelang, wie Prahlad Jani, ein über 80 Jahre alter indischer Yogi, der sich seit seinem siebten Lebensjahr ausschließlich von Prana, sogenannter "Lichtnahrung", ernährt haben will.

Als Wesen, die sich von Licht ernähren, sind der Biologie nur die Pflanzen bekannt. Sie wandeln Licht um und treiben damit ihre essentiellen Lebensprozesse an. Unabdingbar dafür ist das Chlorophyll, welches ihre Zellen füllt und die Pflanzen grün färbt. Beim tierischen Leben ist dieses Phänomen aber nicht bekannt. Die gesamte Fauna, welche seit Anbeginn des Lebens auf diesem Planeten existiert, überlebt dadurch, dass sie organisches Substrat in sich aufnimmt und für ihre Lebensprozesse als Energielieferanten nutzt. Mit anderen Worten: Alle Tiere, wie auch der Mensch, essen andere Kreaturen oder Teile von ihnen, um zu überleben.

Die Protagonisten in dieser Doku, zu denen neben den Anhängern der Lichtnahrung auch Wissenschaftler gehören, stellen die These auf, dass die Aufnahme von Nahrung, im Endeffekt nichts anderes als die Aufnahme der in der Nahrung gespeicherten Lichtenergie darstellt. Und es wäre möglich, zu lernen, wie man diese unmittelbar für sich nutzbar macht, so dass man in der Lage ist, ganz ohne Essen und Trinken auskommen zu können. Den Behauptungen folgen Beweise: Im Jahre 2003 verbrachte Prahlad Jani zehn Tage unter medizinischer Beobachtung und ständiger Videoüberwachung in einer Privatklinik in Indien. Eine Crew von Fachärzten begleitete das Experiment und wertete die Daten aus. In diesen zehn Tagen nahm der Yogi keine Nahrung oder Flüssigkeit auf. Darüber hinaus schied er auch nichts aus. Urin welches sich in seiner Blase bildete, wurde von seinem Körper wieder resorbiert. Das eigentlich bemerkenswerte aber, dass sein Gewicht trotz allem stabil blieb.

Weitere Phänomene solcherart macht Straubinger in seinem Film ausfindig, der im Grunde zweigeteilt ist: Zuerst wird die medizinische Unwahrscheinlichkeit dargelegt, dass so etwas überhaupt möglich sein kann; es wird sogar ein Versuch begleitet, in dem ein Proband versucht, ein 21-tägiges "Initiationsprogramm" auf dem Weg zum Lichtnahrungs-Adepten zu absolvieren. Während dieses Zeitraums darf er weder essen noch trinken. Der Versuch wird nach vier Tagen abgebrochen. Ein oder zwei Tage mehr und die Gesundheit des Probanden wäre gefährdet gewesen. Anschließend beginnt der Regisseur aber Fakten zusammenzutragen, die genau das Gegenteil belegen sollen. Und tatsächlich entsteht allmählich ein Beweisgebäude, das schlussendlich nur eine Deutung zuzulassen scheint: Dass ein Phänomen außerhalb unserer wissenschaftlichen Vorstellungswelt existiert, das alles ad absurdum führt, was die moderne Medizin zu wissen vermeint.

Am Anfang war das Licht ist eine überaus clever, lebendig und spannend inszenierte Doku, die jenseits der wissenschaftlich erfahrbaren Realität zu führen versucht. Die Fakten scheinen für sich zu sprechen, die Zweifler beginnen im Verlauf der Nachforschungen langsam umzukippen, Beweise häufen sich und sogar Wissenschaftler treten als Testimonials auf. Im Netz dieses Gespinstes zappelt der verwirrte Zuschauer hilflos. Nicht einmal vor der Quantenphysik wird halt gemacht, um dem Film noch einen (zusätzlichen) wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Kosmische Energien, Photonische Information, Morphogenetische Felder; "highly sophisticated" wird das Oberstübchen bombardiert. Und alles zu dem Zweck, das Unmögliche als vorstellbar abzubilden.

Holt man tief Luft und nähert sich diesem Gemenge aus medizinischen Fakten, Halbwahrheiten, zweifelhaften Hypothesen, Auslassungen und New-Age-Welterklärungen aber rein sachlich, lässt sich am Beweisgebäude durchaus rütteln: Es beginnt mit der Grundaussage, Pflanzen würden sich von Licht ernähren. Das ist schlichtweg falsch. Zunächst ist ein elementarer Bestandteil der Photosynthesereaktion das Wasser. Ohne Aufnahme von Wasser wäre also auch Pflanzen keine Photosynthese und damit kein Überleben möglich. Desweiteren liefert die Lichtreaktion im Chlorophyll zunächst nur die nötige Energie, um in weiteren Stoffwechselzyklen schließlich Zucker und andere wichtige Stoffe zu bilden. Hierfür ist allerdings deutlich mehr nötig, als "lediglich" pures Sonnenlicht.

Versuche, in denen Yogis zehn Tage fasten sind überdies nur mäßig aussagekräftig. Jeder Sportler weiß zudem, dass der menschliche Körper, wenn er Flüssigkeit verliert und diese nicht ersetzen kann, nur noch wenig Urin produziert. Auch verlieren Menschen, die fasten, relativ wenig Gewicht, da während der Zeit die körperliche Aktivität reduziert wird und der Körper in einen Sparmodus schaltet. Selbst die Wissenschaftler, die auftreten, geben zuweilen sehr zweifelhafte Statements ab: Behauptungen, wir würden von der aufgenommenen Nahrung lediglich die "energetisch gespeicherte Information" verwerten und beispielsweise den Zucker wieder ausscheiden, sind einfach nicht richtig. Jedem, der sich schon mal mit Diäten plagte, ist bekannt, dass zu viel Zucker vom Körper in Fett umgewandelt wird und wo das landet, ist wohl ebenfalls gut bekannt.

Selbstverständlich ist die Wissenschaft nicht der Weisheit letzter Schluss und es mögen noch viele Phänomene existieren, die ihrer Entschlüsselung harren. Auch in Am Anfang war das Licht werden zuweilen Fragen aufgeworfen, die nicht unmittelbar zu beantworten sind. Bei dieser final eher einseitig ausgerichteten Doku scheint es aber nicht einfach, bloße Behauptung von realem Fakt zu trennen. Glaubwürdig erscheint durchaus die Annahme, dass fastenerfahrene Menschen durchaus lange ohne Nahrung auskommen können. Es fällt aber ungemein schwer, zu glauben, dass Menschen wochen- oder monatelang ohne Flüssigkeitsaufnahme auskommen können oder sich vorzustellen, dass ein Kind zu einem Mann heranwuchs und dabei jahrelang keine Nahrung zu sich nahm. Wenn das möglich wäre, gäbe es keinen Hunger mehr in der Welt. Trotz eines hohen Unterhaltungswertes wird hier also versucht, dem Zuschauer einen mehr als gewichtigen Bären aufzubinden.



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