Don't Be Afraid of the Dark macht seinem Namen alle Ehre, denn Angst ist nach einem mehrheitlich gelungenen Einstieg so ziemlich das Letzte, was man bei Ansicht dieses Filmes verspürt. Dabei hätte die Geschichte durchaus Potenzial, welches aber durch dilettantische Logikfehler im Keim erstickt wird. Die Darsteller mühen sich dazu mit einem unausgegorenen Drehbuch herum, und so freut man sich, dass zumindest die Inszenierung und Effekte den Zuschauer ein wenig entschädigen können.
Wenn Guillermo del Toro (Pans Labyrinth) mit einem Film in Verbindung gebracht wird, so weckt dies gewisse Erwartungen. Beim vorliegenden Don't Be Afraid of the Dark hat er aber nicht Regie geführt, sondern zusammen mit Matthew Robbins (Mimic) das Drehbuch verfasst (und er wird außerdem groß mit "Guillermo del Toro präsentiert..." auf dem Poster erwähnt). Regie führte Troy Nixey, und man durfte neugierig sein, wie das Resultat wohl aussehen würde.
Die kleine Sally (Bailee Madison) wird mit einer fadenscheinigen Begründung von ihrer Mutter zu ihrem Vater (Guy Pearce) abgeschoben. Sally erfährt dies erst nach der Ankunft bei ihrem Vater, welcher inzwischen eine neue Beziehung mit Kim (Katie Holmes) führt. In ihrer neuen Heimat - einem großen, alten Anwesen - angekommen, stellt Sally bald fest, dass sie nicht alleine sind...
Man kann gar nicht mehr zur Handlung schreiben, ohne sie komplett vorwegzunehmen. Es bleibt beim Abspulen bekannter Muster, welche mit ebenfalls bekannten Elementen ausgestattet werden, um somit schon oft gesehene Wendungen zumindest lapidar zu begründen. Natürlich muss es um ein Kind aus zerrütteter Ehe gehen, denn sonst könnte der Vater ja sogar mal auf seine Tochter hören. Und es gehört ja ebenfalls zum guten Ton, dass man in Filmen immer Dinge untersuchen muss, die einem schon aus der Ferne Angst einjagen. Die Geschichte um die titelgebende Sache, welche man im Dunkeln fürchten muss, wäre dabei eigentlich nicht uninteressant (und dabei sogar noch einigermaßen frisch, wenn auch nicht neu: so etwas in der Art kam auch - welch Zufall - in Hellboy II vor), wenn man denn diese auch erzählt bekommen würde. Was für einen konstruierten Nonsens man hier stattdessen geboten bekommt, ist schon beinahe als Frechheit zu bezeichnen. Da wird jemand mit Stichwerkzeugen umgebracht, und niemand scheint sich fragen zu wollen, was denn da nun genau passiert ist. Schließlich passiert es ja jeden Tag, dass jemand in eine Wanne voller Scheren oder Ähnliches fällt. Und auch an die eigenen Regeln wird sich nicht gehalten, indem gegen Ende des Filmes das Thema "Licht oder doch kein Licht" keine allzu große Rolle mehr zu spielen scheint. Über irgendwelche tiefer gehenden Gedanken hat sich ohnehin niemand den Kopf zerbrochen, und so bleibt die ganze Angelegenheit nicht nur beinahe durchgehend unlogisch, sondern auch flach, wie Recycling-Toilettenpapier.
Sehr interessant ist die Tatsache, dass der noch unerfahrene Regisseur Troy Nixey es geschafft hat, dieses von Guillermo del Toro und Matthew Robbins (Mimic) zusammengekleisterte Drehbuch recht ansprechend zu bebildern. Allerdings ist aber auch hier immer wieder del Toros Handschrift zu erkennen, und man darf sich sicherlich fragen, wie viel Einfluss er wohl auch auf diesen Bereich ausgeübt hat. Nichtsdestotrotz ist die Inszenierung dem Inhalt haushoch überlegen, wobei vor allem Ausstattung, Kamera und Effekte keinerlei Anlass zur Kritik geben. Nur der Einsatz der Musik ist in ein paar Momenten übertrieben, und man spürt förmlich, wie ein Erschrecken des Zuschauers künstlich erzwungen werden soll.
Guy Pearce (Memento, Prometheus) und Katie Holmes (Batman Begins, Jack und Jill) mühen sich offensichtlich mit dem Drehbuch ab, können ihren unausgegorenen Rollen aber überraschend viel Leben einhauchen, was durchaus Anerkennung verdient. Weniger Glück hat in dieser Beziehung Bailee Madison (Brücke nach Terabithia, Meine erfundene Frau), welche wohl oft einfach selbst nicht mehr wusste, ob ihr Charakter nun Angst oder Neugierde verspüren soll.
Wer bei einem Monster-Grusel-Film keine allzu großen Ansprüche an Logik und Story stellt, der darf gerne einen Blick auf Don't Be Afraid of the Dark werfen. Man sollte dabei aber die Erwartungen nach unten schrauben und sich einfach nur berieseln lassen. Immerhin lernt man hier, dass man verängstigte Kinder am besten alleine im Garten oder Kinderzimmer deponiert...