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Four Lions

(Four Lions, 2010)

Dt.Start: 21. April 2011 Premiere: 23. Januar 2010 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 16 Genre: Komödie, Drama
Länge: 100 min Land: UK
Darsteller: Riz Ahmed (Omar), Kayvan Novak (Waj), Nigel Lindsay (Barry), Arsher Ali (Hassan), Adeel Akhtar (Faisal), Benedict Cumberbatch (Ed), Preeya Kalidas (Sophia), Julia Davis (Alice)
Regie: Christopher Morris
Drehbuch: Jesse Armstrong, Sam Bain, Christopher Morris


Inhalt

Vier Junge im englischen Sheffield lebende Muslime entscheiden sich, Selbstmordattentäter zu werden. Zwei Mitglieder der Gruppe, Omar und Waj, begeben sich in ein Terrorlager nach Pakistan. Die anderen Beiden sind der zum Islam konvertierte Barry und Hassan, welcher versucht, Krähen zu Bombenkurieren zu trainieren. Gemeinsam wollen sie sich als Suizidbomber beim London Marathon in die Luft jagen. Leichter gesagt als getan, wenn man erstens keinen Sprengstoff und zweitens keine Ahnung hat.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Four Lions hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 58%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 63 für Four Lions

IT-Crowd-Star Chris Morris nimmt in dieser unglaublich schwarzen Komödie kein Blatt vor dem Mund und zeigt die Ausbildung in einem Terroristencamp und welche Folgen es haben kann, wenn ein paar Trottel gepaart mit fanatischen Einstellungen einen Anschlag planen. Das Ganze ist politisch herrlich inkorrekt, und hat viele tolle Ideen, wie beispielsweise das normale Familenleben des Hauptcharakters, zu bieten. Dummerweise driftet der Film in manchen Momenten zu sehr auf die Blödelschiene ab und variiert zum Großteil eigentlich immer wieder den gleichen Gag auf verschiedene Art und Weise. Das kann in manchen Momenten durchaus für Langeweile sorgen, was aber zumindest durch das furiose Finale wieder einigermaßen entschädigt werden kann. Teilweise ein bitterböser und witziger Film, dessen Gags durchaus vorhersehbar sind, aber mit Ausnahme der genannten Blödeleien weitestgehend zünden.

Kurzkritik
von Lutz Granert
Wertung von 65 für Four Lions

Fünf intellektuell fragwürdige Moslems planen in Großbritannien ihren Dschihad. Die grundsätzliche Frage, die Four Lions stellt und welche die CSU ein Verbot der Islamsatire fordern ließ, ist, ob man darüber lachen darf. Der Film zeigt respektlos, wie die Gruppe immer wieder in arge ideologische Bedrängnis gerät, ihr Unterfangen religiös zu rechtfertigen und zeigt die Unsinnigkeit des Märtyrertums im "heiligen Krieg", wenn nur Schafe mit in den Tod gerissen werden. Zuweilen zu klamaukig und in auf Dauer nervigen Wackelbildern einer Handkamera eingefangen, vermag Four Lions nur bedingt, das innewohnende komödiantische Potenzial auszuschöpfen.

Kurzkritik
von Florian Tritsch
Wertung von 62 für Four Lions

Mit seiner Terrorismus-Komödie macht Drehbuchautor und Regisseur Chris Morris von der Herangehensweise alles richtig. Sein Werk scheitert nicht wie viele andere Filme dieser Art an der Angst, politisch inkorrekt zu sein - nein, seine Geschichte ist herrlich respektlos. Doch leider will das Drehbuch trotz einiger Momente nicht wirklich funktionieren. Dies liegt zum einen daran, dass der Film stellenweise zu albern ist, damit die ernsten Szenen einen wirklich berühren, gleichzeitig aber zu ernst und traurig ist, um als reine Komödie zu funktionieren.
So landet Four Lions trotz hervorragender Darsteller und einiger genialer Momente am Ende doch nur im Mittelmaß.

Kritik

von Florian Lieb
Four Lions hat eine Wertung von 43%
Kaum eine Woche vergeht, ohne dass es zu Selbstmordattentaten von muslimischen Fundamentalisten kommt. Die Opfer sind dabei nicht selten auch Muslime selbst, wie zuletzt im pakistanischen Quetta. Währenddessen werden in der Schweiz Minarette verboten und in New York gegen einen Moscheebau zwei Straßen von Ground Zero demonstriert. Eine wachsende Islamophobie macht sich breit, während Comedians wie Jeff Dunham die Angst vor Terrorismus durch Sketche mit Achmed, dem toten Terroristen, aufzulockern versuchen. Mit Four Lions wagte sich nun das britische Enfant terrible Chris Morris an das Thema - und scheitert grandios.

Bild aus Four Lions Erzählt wird von Omar, einem Pakistani aus der britischen Stadt Sheffield. Er ist glücklich verheiratet mit seiner schönen Frau Sophia, fürsorglicher Familienvater und bestens eingegliedert in die Gesellschaft. Omar hat ein nettes Haus, eine moderate Inneneinrichtung und einen Job als Sicherheitsmann der Sheffielder U-Bahn. Im Vergleich zu seinem Bruder kann Sophias Stellung in Omars Leben fraglos als emanzipiert gesehen werden, auch wenn sie ihrem Glauben insofern folgt, da sie für ihre Arbeit im Krankenhaus ein Kopftuch trägt. Eine gelungene Integration sollte man meinen, wäre da nicht der Aspekt, dass Omar sich selbst und einige Kuffar, also Ungläubige, in die Luft jagen will. Mit vollster Unterstützung von Kind und Kegel - lediglich der strenggläubige Bruder sieht im militärischen Jihad gegen die Kuffar keine Lösung.

Und hier beginnt schon das Desaster, welches sich in Four Lions breit macht. Das Problem der Selbstmordattentate und des militärischen Jihads wird nicht als solches angesehen und aufgearbeitet, sondern es dient Morris lediglich als Prämisse, um sich über eine Gruppe von Selbstmordattentätern lustig zu machen. Weder Omar noch seine Mitstreiter Waj, Barry, Hassan und Faisal erhalten auch nur den Ansatz einer Motivation für ihr Tun. Die einzige Legitimierung ihrer Tat scheint ihre Religion zu sein. Welche Veranlassung ein bestens integrierter Muslim wie Omar in eine christliche Gesellschaft wie die Britische für den Jihad zu haben scheint, bleibt außen vor. Auch die Unterstützung von Frau und Kind, die dem Ereignis entgegenfiebern wie sonst was. Figuren wie Waj, Faisal und Hassan erhalten nicht einmal ein derartiges Profil - sie sind einfach zu dumm, um es (oder irgendwas) besser zu wissen.

Es findet also keine Auseinandersetzung mit dem militärischen Jihad und den Selbstmordattentaten statt, keine Aufarbeitung, kein Blick in die Psyche der Täter, wie sie Hany Abu-Assad vor sechs Jahren in seinem gelungenen Film Paradise Now geliefert hat. Alles was bleibt, sind fünf mehr oder weniger dümmliche Muslime, die Hühner nicht von Hasen unterscheiden, Bazookas richtig herum abfeuern oder selbst Krähen kompetent in die Luft jagen können. Die Integration von Hassan in die Gruppe scheint unausweichlich - nicht weil er vom Hass auf den westlichen Kapitalismus beseelt ist, sondern weil er Muslim ist. Four Lions fehlt in gänzlicher Hinsicht ein reflektierendes Element, eine Katharsis für wenigstens eine der fünf Figuren. Die Chance auf die Dekonstruktion des Irrsinns des militärischen Jihads lässt Morris ein ums andere Mal verstreichen. Selbst als Waj plötzlich Zweifel hegt, werden diese so schnell vertrieben, wie sie implantiert wurden. Bloß nicht drüber nachdenken, lieber schnell eine Zote hinterher schieben.

Der verstärkten Islamophobie und den Selbstmordattentaten im Namen des Jihad spielt Morris' Film dabei blendend in die Karten. Anstatt zu konfrontieren, analysieren und demaskieren, beschränkt sich der Film darauf zu blamieren. Indem man jedoch den Schulschläger auf dem Pausenhof vor versammelter Schülerschaft bloßstellt und als dumm karikiert, wird man das Verhalten des Schulschlägers nicht ändern. Eher noch auf dem Weg nach Hause eine aufs Maul kriegen. Dabei wären Ansätze vorhanden gewesen, Widersprüche im Wahn zahlreicher Fundamentalisten aufzudecken - auch auf satirische Weise, wie Morris es pflegt. Dunham hat solche Ansätze gezeigt, auch Trey Parker und Matt Stone in ihren South Park-Folgen. Stattdessen verliert sich Morris in seinem Kuddelmuddel aus eingeflochtenen Beleidigungen in Urdu und einem nie abebbenden Stakkato der "brother" und "bro" Anreden zwischen den Protagonisten.

Morris' fehlgeleitete Herangehensweise an die Thematik bricht Four Lions dabei letztlich das Genick, wobei nicht abgestritten werden soll, dass der Film über positive Aspekte verfügt. Angefangen mit dem Ensemble, das überaus gelungen zusammengestellt ist und das Beste aus seinen eindimensionalen Karikaturen macht. Besonders Kayvan Novak sticht hier als Waj heraus, der bisweilen glaubt, verwirrt zu sein, sich aber erst sicher ist, wenn er ein Handyfoto von sich selbst geschossen hat. Hinzu kommen eine Handvoll Szenen, die in der Tat lustig - beziehungsweise das einzig Lustige - sind, wenn zum Beispiel Omar es sich mit den anderen verscherzt und diese ihn anschließend auch in ihrer Chatplattform im Internet in Papageientaucherform meiden. Es sind Szenen, die unabhängig vom Film gesehen werden und auch Bestandteil einer gewöhnlichen Steve-Coogan-Komödie sein könnten. Rare Momente in einem fehlgeleiteten Film.



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