Einmal mehr lässt Luc Besson seinen Lieblingsschauspieler Jean Reno vor der Kamera agieren. Dabei bekommt der Zuschauer einen soliden Rachethriller geboten, der neben seinen beiden hervorragend agierenden Hauptdarstellern auch eine herrlich kompromisslose Atmosphäre zu bieten hat. Auch einige Längen können nicht verhindern, dass die Reno/Besson Kombo am Ende wieder für kurzweilige Unterhaltung sorgen kann.
Auch wenn es viele Filme der Luc Besson Actionschmiede gar nicht mehr in die deutschen Kinos schaffen, haben sie eines gemeinsam: Sie können den Zuschauer fast immer kurzweilig unterhalten. 22 Bullets jedoch bleibt das Schicksal einer Direct to DVD erspart und wird zumindest limitiert in den deutschen Kinos gestartet. Grund dafür dürfte sicherlich die namehafte Besetzung mit Jean Reno und dem in Deutschland immer bekannter werdenden Kad Merad in den Hauptrollen sein. Inszeniert wurde das Ganze von dem französischen Darsteller Richard Berry, der schon in dem soliden Horrorthriller Black Box sein Talent unter Beweis stellen konnte.
Charly Mattei hat sich eigentlich schon lange aus dem Mafiageschäft zurückgezogen, um in Ruhe und Frieden mit seiner geliebten Familie einen schönen Lebensabend zu verbringen. Doch das traute Glück wird jäh gestört, als er von den titelgebenden 22 Kugeln niedergestreckt wird. Wie durch ein Wunder überlebt er den Anschlag und so muss sich Mattei, der fortan den Spitznahmen Der Unverwundbare (im übrigen auch der französische Originaltitel des Filmes) trägt, eingestehen, dass man nie endgültig aus den Kreisen der Mafia entfliehen kann. Um seine Familie und sich zukünftig zu schützen, startet er einen gnadenlosen Rachefeldzug.
Freunde bis in den Tod scheint das Motto dieses Filmes zu lauten und diesem geht 22 Bullets von der ersten bis zur letzten Minute nach. Dabei ist es erfrischend, dass auf eine genaue Charakterisierung zwischen gut und böse verzichtet wurde und sich die Charaktere nur in Nuancen in Sachen Moral und Familiengefühl unterscheiden. Dabei geht es hart und kompromisslos zur Sache, so dass entgegen der filmischen Konventionen noch nicht mal vor Tieren halt gemacht wird. Zugegeben sind dabei einige Gangsterfiguren etwas arg überzeichnet und etwas unpassend sind auch die humoristischen Momente, beispielsweise wenn die Charaktere über das aktuelle Fußballgeschehen diskutieren. Dies ist zwar durchaus amüsant, will aber nicht so wirklich zum restlichen Bild des Werkes passen und streckt den ohnehin schon mit einigen Längen kämpfenden Film ungemein.
Der ansonsten eher vor der Kamera agierende Richard Berry setzt im Gegensatz zu den üblichen von Besson produzierten Filmen eher auf Ruhe und Atmosphäre. Dies funktioniert, hat einen schönen altmodischen Flair ohne dabei jedoch auf nette kleine Spielereien, wie einige überaus gelungene Schnittfolgen, exemplarisch genannt das vehemente Öffnen der Türen, zu verzichten. Auch im Actionbereich zeigt er sich von seiner besten Seite. Die Verfolgungsjagden sind gut in Szene gesetzt und werden von der ansonsten eher blassen Musik des deutschen Exports Klaus Badelt hervorragend untermalt.
Den großen Coup hat man sicherlich bei der Besetzung der beiden Hauptdarsteller gemacht. Während Jean Reno zu den bekanntesten französischen Darstellern der Welt zählt, geniest auch der Kömödiendarsteller Kad Merad, der dem deutschen Publikum durch seine Hauptrollen in Willkommen bei den Sch'tis und Der kleine Nick bekannt sein dürfte, einen immer größer werdenden Bekanntheitsgrad. Reno gibt dabei den Racheengel gewohnt souverän und hat mit seiner coolen Art keinerlei Probleme, trotz seiner Gangstervergangenheit und seiner Taten, die Sympathien des Zuschauers auf seine Seite zu ziehen. Kongenial unterstützt wird er dabei, wie bereits erwähnt, von Merad, der nun das erste Mal abseits seiner Comedyformate zu sehen ist und mit einer Herzenslust den vor nichts zurückschreckenden kaltblütigen Killer mit einer enormen Spielfreude mimt.
Nach der hervorragenden Eröffnungsszene bekommt der Zuschauer einen soliden Thriller mit zwei gut aufgelegten Hauptdarstellern geboten. Trotz einiger Längen gefällt der von Minute zu Minute stärker werdende Thriller, dank seiner Kaltblütigkeit und der Tatsache, dass auf eine strikte Trennung von gut und böse verzichtet wurde, immer mehr. Zwar ist 22 Bullets am Ende weit von den großen Highlights des Genres entfernt, dürfte Freunde der Werke von Besson und Reno aber durchaus unterhalten.