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Fair Game

(Fair Game, 2010)

Dt.Start: 25. November 2010 Premiere: 20. Mai 2010 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Thriller
Länge: 108 min Land: USA
Darsteller: Naomi Watts (Valerie Plame), Sean Penn (Joe Wilson), Ty Burrell (Fred), Bruce McGill (Jim Pavitt), Brooke Smith (Diana), Michael Kelly (Jack), David Denman (Dave), Noah Emmerich (Bill)
Regie: Doug Liman
Drehbuch: Jez Butterworth, John-Henry Butterwworth


Inhalt

Der Diplomat Joe Wilson wird 2003 in den Niger geschickt, um vor Ort Beweise für eine Uran-Großlieferung an den Irak zu sammeln, die den Krieg gegen Saddam Hussein legitimieren würde. Seine Frau Valerie arbeitet als Undercoveragentin für die CIA und sucht ebenfalls nach Informationen über mögliche Atomprogramme im Irak. Obwohl keine Beweise zu finden sind, zieht Amerika in den Krieg. Während man beim CIA versucht, die Sache intern zu regeln, geht Wilson an die Presse und tritt damit eine Lawine los, die nicht nur ihn, sondern auch seine Frau und gesamte Familie zu überrollen droht.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Fair Game hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 60%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Ostertag
Fair Game hat eine Wertung von 60%
Fair Game wartet mit hochkarätigen Schauspielern und einer aktuellen Story nach einer wahren Begebenheit auf. Eigentlich eine tolle Voraussetzung für einen spannenden Thriller. Doch leider bleiben die Figuren zu wenig durchschaubar und die Konsequenzen zu undurchsichtig, als dass man sich wirklich davon fesseln lassen könnte. Zwar liefern Naomi Watts und Sean Penn eine gewohnt solide Leistung ab, doch scheinen die Ereignisse zu stark komprimiert und werden damit unübersichtlich, was die Kino-Freude deutlich trübt.

Bild aus Fair Game Die Terroranschläge vom 11. September und der anschließende Krieg, den Präsident Bush aufgrund des Verdachts von vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak führte, haben nicht nur das tägliche Leben sondern auch die Filmindustrie nachhaltig geprägt. Vor allem die Kampfeinsätze der amerikanischen Soldaten haben bereits einige Filme gefüllt. Mit Fair Game wird nun, basierend auf wahren Begebenheiten, ein anderer Blick, nämlich auf den Anfang des Krieges und dessen Rechtfertigung, behandelt.

Dass im Verlauf des Krieges keine derartigen Massenvernichtungswaffen gefunden werden konnten, ist aus heutiger Sicht bekannt. Fair Game eröffnet nun den Blick auf Menschen, die bereits zu Beginn der Kampfhandlungen wussten, dass dort nichts zu finden sein würde. Es handelt sich um die CIA Agentin Valerie Plame-Wilson und ihren Ehemann, den ehemaligen Botschafter, Joe Wilson.

Valerie war ihr Leben lang beim CIA und als Undercover-Agentin ihrem Land stets treu. Während zahlreicher Einsätze hat sie ein Netzwerk aus Agenten auf der ganzen Welt aufgebaut und führt auch selbst noch Aufträge aus. Dabei ist sie mittlerweile Mutter zweier Kinder und glücklich mit dem ehemaligen Botschafter Joe Wilson verheiratet. Auch dieser ist weit herumgekommen und hat somit gute Kontakte in diversen Krisenregionen. Bei den Sicherheitsbehörden der USA läuft mittlerweile alles auf Hochtouren. Es sollen Indizien dafür gefunden werden, dass der Irak Massenvernichtungswaffen baut, um einen Krieg gegen dieses Land zu rechtfertigen. Unter anderem die Republik Niger steht unter Verdacht, waffenfähiges Uran an den Irak geliefert zu haben. Da Wilson noch gute Kontakte zu der dortigen Regierung hat, wird er entsandt, um sich ein Bild der Lage zu machen. Sowohl sein Bericht, als auch weitere Informationen deuten darauf hin, dass die USA und vor allem Präsident Bush mit seiner Anschuldigung falsch liegen. Doch die Regierung möchte davon nichts wissen und erklärt den Krieg gegen Irak.

Während man beim CIA um Schadensbegrenzung bedacht ist, aber gleichzeitig unter enormem Druck von oben steht, geht Wilson mit seiner Anschuldigung, die Berichte seien gefälscht worden, an die Öffentlichkeit. Damit tritt er eine Lawine los, der schließlich seine Frau zum Opfer fällt. Sie wird als CIA Agentin enttarnt und fortan ist nichts mehr wie zuvor.

Die Geschichte, die in nicht einmal zwei Stunden Filmlaufzeit erzählt wird, ist äußerst komplex und erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Das ist man zwar von Polit-Thrillern gewohnt, trägt aber natürlich nicht zum Verständnis der gesamten Geschehnisse bei. Erschwerend kommt hinzu, dass viel Zeit mit Vorgeschichte vertan wird. Wir sehen Valerie bei Einsätzen, beim Einholen und interpretieren von Informationen, bei ihrer täglichen Routine. Außerdem sehen wir das Paar Wilson, wie es sich bei Abenden mit Freunden, bei denen politische Themen zur Sprache kommen, unwohl fühlt, da natürlich niemand weiß, was Valerie von Beruf ist. Natürlich benötigt man all diese Informationen, um sich ein Bild der Situation machen zu können, doch hätte auch der zweite Part, nämlich ab dem Zeitpunkt, an dem Joe Wilson den alles auslösenden Artikel in der New York Times veröffentlicht, etwas ausführlicher ausfallen dürfen. Zu wenig kann man in diesem Teil der Geschichte den Handlungen der Figuren noch folgen oder diese wirklich nachvollziehen. Man sieht und versteht zwar, was alles passiert, doch wie das alles zusammenhängt, bleibt weitestgehend verborgen.

Die Quintessenz des Ganzen wird zwar dennoch klar und man sieht einen spannenden Polit-Thriller, der vor Augen führt, wie gefährlich es sein kann, wenn man sich als kleiner Mensch gegen eine Regierung stellt. Doch gerade aufgrund der Aktualität und des wahren Hintergrunds, wären mehr Details hilfreich und interessant gewesen. Vielleicht ist es von Vorteil, wenn man die Geschichte bereits im Vorfeld in groben Zügen kennt.

Die Inszenierung der Geschichte ist aufgrund der sehr bewegten Kamera gewöhnungsbedürftig. Nicht nur in Momenten, in denen etwas passiert, sondern auch in ruhigen Aufnahmen, bei Gesprächen beispielsweise, bewegt sich die Kamera unentwegt. Das sorgt zwar für lebendige Bilder, kann aber auf Dauer störend werden.

Bei der Ausarbeitung des Films standen die echten Valerie und Joe Wilson dem gesamten Team zur Seite. Auf diese Weise konnten sich sowohl die Schauspieler eingehend mit ihren Charakteren beschäftigen, als auch die Sets möglichst originalgetreu nachgebaut werden. Sieht man sich Fotos der echten Personen an, so ist es fast schon erschreckend, wie ähnlich Sean Penn und Naomi Watts diesen im Film sehen. Wie in 21 Gramm, als die beiden gemeinsam vor der Kamera standen, harmonieren sie auch in Fair Game wieder sehr gut miteinander. Dass die Beiden gute Schauspieler sind, konnten sie bereits in zahlreichen Filmen beweisen. Leider gelingt es ihnen im vorliegenden Fall aber nicht hundertprozentig, ihr Innenleben für den Zuschauer absolut nachfühlbar zu gestalten. Dies liegt aber vermutlich eher an der beschränkten Zeit, die sie dafür zur Verfügung haben.

Alles in Allem ist Fair Game ein Zeitzeugnis, das leider viel Potential liegen lässt, aber dennoch über die gesamte Laufzeit unterhalten kann. Als lockerer Abendfilm ist er aufgrund seiner komplexen Story, die in viel zu wenig Zeit gequetscht wird, nicht zu empfehlen. Wer aber Polit-Thriller mag und sich vielleicht sogar mit dem Fall von Valerie Plame und Joe Wilson im Vorfeld beschäftigt hat, der kann solides Kino erwarten.



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