Bei Habermann sieht man deutlich die unglaublich schwierige Situation einer Verfilmung von realen Geschehnissen aus dem zweiten Weltkrieg. Auf der einen Seite soll das Publikum unterhalten werden, auf der anderen Seite sollen aber die Geschehnisse möglichst real, neutral und unkommentiert wiedergegeben werden. Während sich die Amerikaner dieser Themen bereits im großen Maßstab angenommen und mit Filmen wie Schindlers Liste oder Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat große und erfolgreiche Produktionen geschaffen haben, halten sich viele deutsche Produzenten eher zurück. Mit Habermann wird nun in einer deutsch-tschechischen Coproduktion eine nicht so bekannte Geschichte um einen Unternehmer aus dem Sudetenland verfilmt. Der Vergleich mit Schindlers Liste liegt damit auf der Hand und nicht nur deswegen strauchelt Habermann merklich.
Schindlers Liste hat im Jahr 1994 einen riesigen Erfolg gefeiert und zeigte deutlich, dass man mit der Geschichte des zweiten Weltkriegs und vor allem den stillen Helden dieser Zeit ein Publikum begeistern kann. Wichtig hierfür ist aber natürlich, dass man sich den Dramen sehr vorsichtig und einfühlsam nähert, um auf keinen Fall mit den Angehörigen, Überlebenden oder Hinterbliebenen anzuecken. Habermann präsentiert nun die eher unbekannte Geschichte eines deutschen Unternehmers im Sudetenland, der trotz der Besatzung durch die Nazis an den Tschechen als Mitarbeiter festhält und sich unpolitisch verhält.
August Habermann (Mark Waschke) führt in der vierten Generation die Mühle in einem kleinen Dorf im Sudetenland und versteht sich prächtig mit den Tschechen, Deutschen und auch Juden. Als er die hübsche Tschechin Jana ehelicht, weiß er noch nicht, dass diese Halbjüdin ist. Doch schon kurze Zeit später, als die Nazis das Sudetenland wieder "heim ins Reich" holen, wird das ein Thema. Obwohl sich August äußerst unpolitisch und clever verhält, gerät er mit dem Sturmbannführer Koslowski (gespielt von Ben Becker) immer häufiger aneinander, denn nicht nur die fast ausschließlich tschechischen Mühlenarbeiter sind dem Nazi ein Dorn im Auge. Als Augusts Bruder Hans sich dann auch noch zur Wehrmacht meldet, gerät einiges aus den Fugen.
Habermann schwächelt vor allem in der ersten Hälfte des Films, denn anfänglich scheinen die Szenen aneinandergefügt, ohne dass sich jemand ernsthaft Gedanken um die Wirkung dessen gemacht zu haben scheint. Charaktere werden dem Zuschauer lieblos vorgeworfen und es fällt enorm schwer, sich ernsthaft mit dem Film und Thema auseinanderzusetzen. Erst in der Mitte des Filmes wird klar, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird und was die eigentlichen Kernthemen sein sollen. Hier wäre etwas weniger drum herum am Anfang sehr hilfreich gewesen und hätte den Zuschauer deutlich früher gefesselt.
Bei den Schauspielern sticht vor allem Ben Becker in seiner Rolle als skrupelloser und intriganter Sturmbannführer hervor. Er dominiert nahezu jede Szene und holt das absolute Maximum aus seinem schwer spielbaren Charakter heraus. Leider sorgt diese herausragende Leistung dafür, dass alle anderen Darsteller ein wenig blass bleiben. Im negativsten Sinne hervorzuheben ist noch Wilson Gonzalez Ochsenknecht, der nur dadurch auffällt, dass er jede Szene - egal ob mit Text oder ohne - fast schon ins Lächerliche zieht. Warum man ihn für diese Rolle gecastet hat, bleibt ein Mysterium. Er sollte doch lieber bei Die wilden Kerle bleiben, da fällt sein Unvermögen deutlich weniger auf.
Insgesamt hinterlässt Habermann einen faden Beigeschmack. Während die letzte halbe Stunde durchaus sehenswert ist und für viel Diskussionsstoff sorgt, ist der gesamte Aufbau der Geschichte komplett misslungen. Die Dialoge sind flach und Charaktere werden äußerst mangelhaft eingeführt und dem Zuschauer nahegebracht. Erst wenn eigentlich schon alles vorbei ist, versteht der Zuschauer was vor sich geht und wie Zusammenhänge zu bewerten sind. Es scheint, als hätte der Drehbuchautor sich zur sehr im zu Grunde liegenden Roman "Habermanns Mühle" verfangen und damit den Blick für das Wesentliche leider verloren.
So bleibt ein durchschnittliches Drama, welches eine eigentlich interessante und spannende Geschichte schlecht erzählt und erst am Ende wirklich überzeugen kann. Schade, dass dieses Thema damit verheizt wurde.