Trotz solider Regiearbeit, meist gelungenem Spiel der Darsteller und interessanter Grundidee, bleibt die kanadisch/deutsche Koproduktion The Final Storm im unteren Durchschnitt hängen. Schuld daran ist allerdings nicht unbedingt Uwe Boll selbst, sondern das unausgegorene Drehbuch, welches die miteinander verbundenen Elemente nicht unter einem gemeinsamen Hut unterbringen kann. Das Interesse des Zuschauers bleibt so während der relativ kurzen Laufzeit zwar bestehen, doch am Ende weiß man dennoch nicht so recht, was man mit dieser Geschichte anfangen soll.
Am Anfang stand eine interessante Idee: Einen Thriller um eine Familie (welche nach einem Sturm einem mysteriösen Fremden mit zwielichtigen Absichten Unterschlupf gewährt) drehen und das Ganze vor den Hintergrund des bevorstehenden Weltuntergangs setzen. Alleine die Tatsache, dass die Protagonisten aufgrund der Abgeschiedenheit ihrer Farm (sowie dem Ausfall von Telefon- und Fernsehnetz) nicht ahnen, was auf der ganzen Welt vor sich geht, sollte eigentlich eine solide Basis für innovative Ideen und Twists innerhalb der Handlung sorgen können. Stattdessen konzentrierte sich Drehbuchautor Tim McGregor (UKM: The Ultimate Killing Machine) jedoch leider hauptsächlich auf den Thriller-Aspekt und lässt dabei die Weltuntergangsthematik beinahe komplett links liegen. So hat man lediglich ein paar vereinzelte Szenen, in welchen ein wenig Endzeitstimmung aufkommt (vor allem dann, wenn jemand in die nahe gelegene Stadt fährt), und der Rest wird auf brachiale Weise in plumpen Dialogen verbraten. Einzig die letzten Bilder überzeugen in dieser Hinsicht wiederum, aber eines nach dem anderen...
Nach einem heftigen Sturm, welcher von schweren Regenfällen begleitet wurde, entdeckt der Familienvater Tom Grady (Steve Bacic) den zusammengebrochenen Silas Hendershot (Luke Perry) vor seiner Haustür. Als dieser am nächsten Morgen wieder auf die Beine kommt, scheint er an Amnesie zu leiden und ist dermaßen verwirrt, dass er die Farm der Gradys für sein Zuhause hält. Da alle Nachbarn aus Angst vor den heftigen Unwettern ihre Farmen inzwischen verlassen haben, nimmt die Familie den Fremden trotz Toms Skepsis bei sich auf. Gillian Grady (Lauren Holly) bemüht sich in der Folge eine perfekte Gastgeberin zu sein, bis Silas mehr und mehr damit anfängt, sich in familiäre Angelegenheiten einzumischen. Immer öfter kommt es zu eigenartigen Situationen, und der gottesfürchtige Silas geht sogar so weit, dass er kurzerhand die Erziehung des dreizehn-jährigen Graham Grady (Cole Heppell) übernimmt, als wäre es das natürlichste der Welt. Dass gleichzeitig die Welt vor dem Untergang steht, bemerken die Gradys nicht, doch der ein dunkles Geheimnis verbergende Silas scheint mehr zu wissen, als er bereit ist zu sagen.
Die wohl größte Überraschung in The Final Storm ist wohl die Performance von Luke Perry (Beverly Hills, 90210, Supernova - Wenn die Sonne explodiert): Er gibt den undurchsichtigen Fremden, der irgendwo zwischen "sympathisch" und "psychopathisch" hin und her pendelt, sehr überzeugend, und es macht Spaß ihm dabei zuzusehen! Auch Lauren Holly (Dumm und Dümmer, Crank 2: High Voltage) füllt ihre Rolle gut aus (ohne dass dafür eine Glanzleistung von Nöten wäre), nur Steve Bacic (Rache ist Sexy, Der Glücksbringer) kann seiner Figur leider nicht die notwendige Tiefe verleihen und sieht deswegen neben seinem männlichen Gegenpart meist eher blass aus.
Die wohl größte Enttäuschung ist - wie gesagt - das Drehbuch, und wie dieses die im Grunde sehr gute Grundidee zu Grabe trägt. Statt dass man den anfänglichen Sturm nutzt, um die Untergangstimmung zu unterstreichen, werden mysteriöse Geschehnisse und Gegebenheiten in der Folge nur noch oberflächlich behandelt und mit plumpen, religiösen Anspielungen unter den Teppich gekehrt. Hier hat man eindeutig viel Potential verschenkt, denn auch wenn die Geschichte grundsätzlich ihren Zweck erfüllt, so bietet lediglich das Ende dem Zuschauer etwas Neues. Alles Andere versinkt leider in belangloser Vorhersehbarkeit.
The Final Storm gehört sicherlich nicht zu den Filmen, die man gesehen haben muss. Dank größtenteils guten bis sehr guten darstellerischen Leistungen können Interessierte aber trotzdem einen Blick riskieren und dabei mindestens Luke Perrys Performance bestaunen. Die Regie von Dr. Uwe Boll (Siegburg, Rampage - Rache ist unbarmherzig) ist sehr solide und bietet, abgesehen von einer überflüssigen Sexszene, keinen Grund zur Beanstandung. Leider kann aber auch seine Arbeit erst mit den allerletzten Bildern kurzfristig überraschen und kommt sonst - sicherlich auch wegen des eher kleinen Budgets - kaum über gutes B-Movie-Niveau hinaus. Ein Film, der zwar nicht vollkommen schlecht ist, aber zurecht direkt auf DVD veröffentlicht wurde.