Nicht erst seit Slumdog Millionär ist Danny Boyle vielen Kinozuschauern ein Begriff. Denn mit Sunshine, The Beach oder Trainspotting - Neue Helden stand er schon immer für außergewöhnliche Bilder und einen besonderen Blick auf verschiedenste Facetten einer Geschichte. Diesmal hat er sich einer Story angenommen, die in wenigen Sätzen erklärt werden könnte und dennoch macht Boyle etwas Besonderes daraus. 127 Hours sind rund 90 Minuten toller Bilder und einer unglaublichen, weil wahren, Geschichte!
Aron Ralston - gespielt von James Franco - geht gerne in die Canyons, um dort die Faszination Natur am eigenen Leib zu erleben. Fast immer ist er dabei allein, denn Aron ist ein Einzelgänger, der eine enorme Routine im Umgang mit den Felsen und seinem Kletter-Equipment entwickelt hat und sich sicher fühlt. An diesem einen Tag aber trifft er eine einzige Fehlentscheidung und bleibt mit der Hand zwischen einem riesigen Felsbrocken und der Canyonwand stecken. Seine anfänglichen Versuche, den Felsen zu bewegen, scheitern und so muss er 127 Stunden ums Überleben kämpfen.
Danny Boyle macht von Anfang an klar, was er hier verfilmt: Eine wahre Geschichte! Genau das ist es, was den Zuschauer die kommenden 90 Minuten so stark bewegt. Ein Mensch, der sehr gekonnt im Umgang mit der Natur und deren Unwegsamkeit ist, kommt durch Leichtsinn in eine missliche Lage und kämpft ums Überleben. In aussichtsloser Situation sehen wir Rückblenden und Erinnerungen, wir sehen viele subjektive Kameraeinstellungen, die uns Kinozuschauer die Situation miterleben lassen sollen.
Hieraus bezieht 127 Hours seine Faszination. Die unglaubliche psychische Belastung und die Entscheidungen, vor denen man in einem solchen Moment steht, das ist es, was Danny Boyle einem in eindrucksvoller Art und Weise näher bringt. Dass er dabei seinen Blick für fantastische Einstellungen und Bilder nicht verliert, scheint selbstverständlich und so werden Sonnenauf- und -untergänge zelebriert wie selten zuvor.
Obwohl die Geschichte von Ralston ein gesamtes Buch füllt (Im Canyon von Aron Ralston), auf dem auch der Film basiert, könnte man mit wenigen Sätzen alles erzählen. Die Herausforderung hierbei ist für einen Film also der Spannungsbogen, den es über mehr als 90 Minuten aufrecht zu erhalten gilt. 127 Hours bezieht seine Kraft aus den einzelnen kleinen Entscheidungen, die Aron treffen muss, um weiterleben zu können. Teils mit enormen Zeitsprüngen, sehen wir Aron, wie er mit der Digi-Kamera eine Art "Abschiedsfilm" aufspricht und erhalten so Einblick in die Gedanken in einer solchen Situation.
Danny Boyle hat mit James Franco eine sehr gute Wahl getroffen, denn vom Bekanntheitsgrad genau richtig und in dieser Situation auf sehr kleinem Raum zeigt Franco, dass er sehr viele Emotionen durch Mimik, Gestik und Ausdruck transportieren kann. Im Großen und Ganzen wäre der Film also perfekt, wenn da nicht die teils etwas zu "einfachen" Rückblenden wären, die den Charakter Aron ein wenig flach präsentieren. Hier hätte man sich eventuell noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Aber letztlich ist das Jammern auf allerhöchstem Niveau, denn Boyle hat wieder abgeliefert!