Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, an dem wir uns auf den Weg in unser Lieblingskino machten, um Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung zu sehen. Was hatten wir für hohe Erwartungen an diesen Film und mit welcher Entäuschung sind wir damals wieder aus dem Kino gegangen. George Lucas schien die Macht abhanden gekommen zu sein, präsentierte er uns doch ein seelenloses, effektüberladenes und übertrieben kindgerechtes Machwerk, das sich selbst beim besten Willen nur äußerst schwer als erstes Kapitel der Star Wars-Saga akzeptieren ließ. Zu bescheuert waren die Versuche, die allgegenwärtige Macht wissenschaftlich erklären zu wollen, zu uncharismatisch war der kleine Jake Lloyd, der den jungen Anakin Skywalker verkörpern sollte, zu blaß blieben auch die anderen Figuren, die es nicht verstanden den Zuschauer mitzureißen und zu übertrieben wirkte der Einsatz von CGI-Effekten, die augenscheinlich einen Ersatz für die dünne Story darstellen sollten. Keine Frage, dem Film fehlte einfach dieses gewisse Etwas, das den Reiz der ursprünglichen Trilogie ausmachte. Die Entäuschung über das erste Prequel manifestierte sich bei vielen Menschen meines Umfelds in einem absoluten Desinteresse gegenüber dem zweiten Teil, auch ich schwor mir damals, der kommenden zweiten Episode keinerlei Beachtung zu schenken und gegebenenfalls auf die DVD-Veröffentlichung zu warten.
Letztendlich konnte ich aber doch nicht widerstehen und fand mich eine Woche vor dem Start von Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger erneut im Kinosaal ein, um das neue Werk von George Lucas zu begutachten. Diesmal war ich von vornherein auf die Möglichkeit gefaßt, eine weitere Entäuschung hinnehmen zu müssen, schraubte meine Erwartungen ganz weit herunter und hoffte, zumindest etwas stimmigeres als Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung geboten zu bekommen. Schließlich war es dann soweit, die Lichter gingen aus, der Vorhang öffnete sich, das 20th Century Fox Logo erschien auf der Leinwand, eine vertraute Fanfare ertönte in brachialem THX-Sound, ich nippte noch einmal an meiner Coke und machte mich bereit für ein Abenteuer in einer weit weit entfernten Galaxie. Was dann folgte, hätte ich nicht für möglich gehalten, der Film bot 142 Minuten knalligen Popcorn-Spaß, hatte alles was dem Vorgänger gefehlt hatte und ließ endlich wieder Star Wars-Feeling aufkommen. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Da hat man sich schon fast damit abgefunden, daß es George Lucas einfach nicht mehr drauf hat und es nur noch darauf abgesehen hat, seinen Fans ihr sauer verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen und dann bringt der Mann plötzlich einen Film in die Kinos, der den Vergleich zur alten Star Wars-Trilogie wirklich nicht scheuen muß.
Doch alles der Reihe nach, was hat Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger denn nun, was der ersten Episode gefehlt hat? Zunächst einmal liegt das Hauptaugenmerk des Films hier nicht mehr auf diesem kleinen nervigen Jungen, sondern auf einem hitzköpfigen jungen Mann, welcher von Hayden Christensen überraschend gut dargestellt wird. Christensen haucht der Figur des Anakin Leben ein, zeigt ihn als talentierten jungen Jedi, der mit den Bevormundungen durch seinen Lehrmeister, seinen Gefühlen zu Padmé Amidala und einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen hat. Anakin ist diesmal als ambivalente Figur angelegt, die zwar idealistisch, mutig und romantisch, aber auch überstürzt, arrogant und trotzköpfig handelt. Dies erforderte von Christensen sicherlich keine oscarverdächtige schauspielerische Leistung, verlangte jedoch die Darstellung einer weitaus komplexeren Figur, als es beispielsweise Luke Skywalker oder Han Solo waren und auch wenn der ein oder andere Dialog noch etwas holprig über Christensens Lippen kommt, gelingt es ihm im großen und ganzen doch zu überzeugen, besonders im Zusammenspiel mit seinen Co-Stars Ewan McGregor und Natalie Portman, die diesmal beide mehr schauspielerischen Freiraum bekamen, als noch in der ersten Episode. McGregors Obi-Wan ist selbstsicherer, zynischer und witziger geworden, während die von Portman gespielte Senatorin Amidala nun vermehrt in den Action-Szenen mitmischen darf und dabei auch noch rattenscharf aussieht.
Auch die anderen Figuren hinterlassen diesmal einen bleibenderen Eindruck, als es ihnen bzw. ihren Pendants in Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung vergönnt war. Da haben wir zum Beispiel den von Samuel L. Jackson gespielten Mace Windu, der im letzten Film nicht viel mehr gemacht hat, als ein paar altkluge Sprüche zum besten zu geben. Diesmal gibts Sam the Man in Action zu sehen und wenn ich Action sage, dann meine ich auch Action. Ich will nicht zu viel verraten, aber wenn Jackson zum erstenmal sein purpurfarbenes Lichtschwert (von dem er bereits bei der diesjährigen Oscar-Verleihung schwärmte) auspackt und den lässigsten One-Liner des ganzen Films zum besten gibt, ist man einen Moment lang versucht zu glauben, Quentin Tarantino hätte am Drehbuch mitgeschrieben. Und wo wir gerade bei lässig sind, was haben wir den guten alten Yoda unterschätzt. Wir kennen ihn alle als weisen Mentor und philosophischen Lehrmeister, doch wer hätte geahnt, was der alte Haudegen in seiner Zeit als aktiver Jedi-Ritter so alles drauf hatte. Der legendäre Showdown zwischen ihm und Count Dooku wird jedefalls in die Geschichte eingehen, soviel ist sicher. Dies führt mich auch schon zu einem weiteren interessanten Charakter: Count Dooku alias Darth Tyranus. Obwohl diese Figur nur wenige Auftritte hat, gelingt es Christopher Lee, Akzente zu setzen und einen weitaus bedrohlicheren und charismatischeren Bösewicht zu schaffen, als es Darth Maul im ersten Film war. Letzterer hatte außer einem coolen Äußeren und einer akrobatischen Kampftechnik nämlich nicht viel zu bieten, was sicherlich auch daran lag, daß er von George Lucas nicht unbedingt als geschwätziger Typ angelegt war.
Fast schon genial war die Idee, die wahrscheinlich beliebteste Figur des gesamten Star Wars-Universums, nämlich Boba Fett, als zentrales Element in die Geschehnisse der zweiten Episode zu integrieren. Damit tat Lucas den Fans in zweierlei Hinsicht etwas gutes, zum einen verhalf er Boba zu einem weiteren coolen Leinwand-Auftritt, auch wenn der Coolness-Part diesmal wohl eher von Bobas Vater Jango übernommen wurde, zum anderen verschuf er dem Kopfgeldjäger damit einen tragischen Background, wodurch dessen Handlungen in Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter von nun an in einem etwas anderen Licht erscheinen werden. Eine weitere kluge Entscheidung traf Lucas in Bezug auf Jar Jar Binks. Ob er sich den weltweiten Protesten seitens der Fans beugte oder die computeranimierte Nervensäge diesmal sowieso weniger zu Wort kommen lassen wollte, werden wir wohl nie erfahren. Ist im Grunde genommen aber auch egal, wichtig ist eigentlich nur, daß wir Jar Jars Anwesenheit in Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger nur noch in einigen wenigen Szenen ertragen müssen und darüber werden viele Zuschauer glücklich sein, mich eingeschlossen. Für den komödiantischen Part sind diesmal wieder unsere Lieblingsdroiden C-3PO und R2-D2 zuständig und auch wenn die Schusseligkeit des goldenen Blechmanns oftmals ein wenig deplaziert wirkt, erfüllt er seine Aufgabe als Comical Relief Charakter immer noch um Welten besser als der langohrige Space-Jamaikaner.
Doch nicht nur bei den Figuren hat man den Eindruck, George Lucas hätte diesen Film als kleine Wiedergutmachung gegenüber seinen Fans konzipiert. Auch die Handlung bietet alles was das Herz begehrt und enthält so manche Referenz an die Episoden IV - VI. Im Verlauf der 142 Minuten schlägt der Film ganz unterschiedliche Töne an, wechselt von rasanter Action, über humorvolle Zwischenspiele zu romantischen Szenen und läßt dabei nie den Gesamtkontext der Saga aus den Augen. Die Special Effects haben diesmal nicht nur reinen Schauwert, sondern erfüllen stets einen Zweck innerhalb des Geschehens, machen also nicht wie bei Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung den Eindruck essenzloser Effekhascherei. Wenn sich Obi-Wan und Anakin beispielsweise auf eine zehnminütige Verfolgungsjagd durch Coruscant begeben, ist man viel zu sehr von der Handlung mitgerissen, als daß man sich auf die Effekte konzentrieren würde. Das ganze macht sogar soviel Spaß, daß man dabei bereitwillig verdrängt, eine ähnliche Szenerie bereits in Das Fünfte Element gesehen zu haben. Dies trifft auch auf den Großteil der restlichen Szenen des Films zu, sie bereiten dem Zuschauer und vor allem dem Fan eine Menge Spaß. Während der Schlacht im Collosseum hätte ich am liebsten selbst zum Lichtschwert gegriffen und kräftig mitgemischt, ich denke das sagt einiges.
Bei all dem Lob sollte man vielleicht noch erwähnen, daß Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger auch einige Schwachstellen hat, Dinge die nicht so recht funktionieren oder überzeugen können. So hätte die Liebesgeschichte zwischen Anakin und Padmé zum Beispiel ein wenig leidenschaftlicher und feuriger geschrieben werden können. Auch der Tod von Anakins Mutter wäre einem als Zuschauer näher gegangen, wenn er nicht so naiv theatralisch inszeniert worden wäre. Nein, Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger ist sicherlich kein perfekter Film, er ist auch beileibe nicht der beste Film der Star Wars Saga (das ist meiner Meinung nach immer noch Das Imperium schlägt zurück). Allerdings braucht sich Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger qualitätsmäßig nicht hinter den Episoden IV - VI zu verstecken und das ist nach dem katastrophalen Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung weitaus mehr, als man erwarten konnte. Keine Frage, George Lucas hat mit dem zweiten Teil seiner Sci-Fi Saga wieder einiges gut gemacht. Nun bleibt nur zu hoffen, daß ihm der dritte und letzte Teil genauso gut gelingen wird. Möge die Macht mit ihm sein.