Gigantische Kreaturen üben im Film immer einen besonderen Charme aus. Ob T-Rex, Riesenkrake oder Monsterspinne, erst der Big Screen verleiht den imaginären Wesen ein Format, das dem Zuschauer die realen Dimensionen ein Stückweit näher zu bringen vermag. Es ist vermutlich das gleiche naive Staunen, mit dem auch Kinder sich von solchen Wesen beeindrucken lassen. Monsters bedient sich zwar am Rande auch solcher Elemente, rückt aber die Reise eines Paars durch eine surreale Zone in den Mittelpunkt. Trotz des Versuches, daraus ein stimmungsvolles Ganzes zu gestalten, versandet die Geschichte aber irgendwo zwischen ihren vielfältigen Ansätzen.
Giant-Monstermovies haben eine lange Tradition. Angefangen bei Klassikern der Stummfilmära wie Die verlorene Welt aus dem Jahre 1925 oder dem Meisterwerk schlechthin: King Kong und die weiße Frau von 1933, hinüber zu bahnbrechenden B-Movies wie Jack Arnolds Tarantula von 1955, bis hin zum japanischen Ur-Monster Godzilla in seinen diversen Verfilmungen, durch die Jahrzehnte hinweg. Allen diesen Monsterfilmen ist gemeinsam, dass die auftretenden Kreaturen immer irdischen Ursprungs sind. Entweder sie überlebten Jahrmillionen in isolierten Ökosystemen, oder sie entstanden durch Mutation und misslungene Experimente, die an ihren normalgroßen Verwandten durchgeführt wurden.
Vor einigen Jahren tauchten zwei Filme auf, welche versuchten mit der klassischen Sicht auf die Herkunft der Monster zu spielen. Die Adaption des Stephen-King-Romans Der Nebel vermischte den Monsterfilm mit dem Paranormalen. Die Wesen, die dort entfesselt wurden, stammten aus einer alternativen Dimension, in die ein missglücktes wissenschaftliches Experiment einen Durchgang öffnete. Und Cloverfield verlagerte nicht nur die Erzählperspektive in die totale Subjektive der Hauptfiguren, sondern wartete mit einer Godzilla-look-alike Kreatur auf, die aus den tiefen des Raums zu uns gelangt war.
Monsters nimmt diese Idee auf, allerdings befinden sich die außerirdischen Wesen nicht freiwillig auf unserem Planeten. Die Menschheit war es, welche die fremden Organismen einschleppte. Eine Sonde, welche die NASA zum Jupitermond Europa sandte, zerbrach auf dem Rückweg über Mexiko. Wenig später tauchen die ersten Kreaturen auf: krakenähnliche, tentakelbewährte Geschöpfe, die sich auf stelzenartigen Beinen insektengleich fortbewegen und eine Größe von 100 Metern erreichen. Fortan befindet sich die Menschheit im Kriegszustand. Der mittelamerikanische Dschungel, in dem sich die Kreaturen breitgemacht haben, wird zur infizierten Zone erklärt. Die USA errichten an der Grenze zu dieser eine gigantische Mauer, ein Bollwerk gewaltiger noch als die große chinesische Mauer - und hoffen, damit die turmhohen Aliens draußen halten zu können.
In einer Welt, in der die Apokalypse aufgeschoben, aber nicht zwangsläufig aufgehalten wurde, begegnen sich die attraktive Sam (Whitney Able) und Andrew (Scoot McNairy). Sam ist die Tochter eines reichen Verlegers, Andrew arbeitet für diesen als Fotograf. Der Bitte seines Chefs folgend, begleitet er Sam von Mexiko zurück in die USA. Als sie die letzte Fähre verpassen, bleibt ihnen nur noch der Weg durch die infizierte Zone, allerdings ist dieser Trip nicht nur ungemein gefährlich, sondern auch sehr teuer. Um eine bewaffnete Eskorte bezahlen zu können, die sie heil durch dieses Gebiet führt, verkauft Sam daraufhin ihren diamantenbesetzten Verlobungsring. Zunächst verläuft die leicht surreal anmutende Reise zu Wasser und zu Land, quer durch den Urwald weitgehend planmäßig. Eines Nachts taucht aber wie aus dem Nichts eines der außerirdischen Wesen auf und attackiert die Gruppe unvermittelt.
Monsters erinnert durch das Motiv des isolierten Areals, in dem sich die Aliens aufhalten, ganz leicht an District 9. Und wie dort offen die Apartheid angeprangert wurde, vermeint man in Monsters in der Mauer an der Grenze Mexikos eine Anspielung auf die aktuelle Einwanderungspolitik der USA erkennen zu können. Tatsächlich steckt aber kein gesellschaftlich tieferer Sinn in dem Streifen. Strenggenommen ist der Film, anders als es der Titel verspricht, nicht einmal wirklich ein Monsterfilm. Vielmehr entpuppt sich das Ganze als Mischung aus Romanze, Roadmovie und Magical Journey - bestenfalls garniert mit einigen Monstereffekten.
In seinem Low-Budget-Erstlingswerk versucht Regisseur Gareth Edwards eine kafkaeske Atmosphäre zu gestalten, inmitten dieser sich ein Mann und eine Frau begegnen und verlieben. Die Kreaturen sind Randerscheinungen, aber immer präsent. Sei es durch die unheimlichen Geräusche, welche durchs Dickicht des Urwalds dringen, Schiffe, die halbhoch auf Bergflanken liegen und dabei aussehen, als hätte sie ein mythologischer Riese dorthin geschleudert oder durch die Nachrichten, die im TV (immer wieder im Hintergrund eingesetzt) von Kämpfen der Armee gegen die titanengleichen Geschöpfe berichten.
Es mag inszenatorisch geschickt und erzählerisch Dicht anmuten, summa summarum gereicht es aber zu nicht mehr, als dem Bestreben verschiedene Stilmittel stimmungsvoll miteinander verschmelzen zu lassen. Der Versuch aus all diesem etwas hypnotisch in seinen Bann Ziehendes zu kreieren, scheitert aber bereits am endlos langen Prolog. Zwischen angestrengtem Warten und gespannter Erwartung muss man viel zu lange verharren, bis die Geschichte überhaupt ins Rollen kommt, und selbst dann verläuft die Reise mit angezogener Handbremse. Der Spannungsbogen wird zudem immer wieder dadurch strapaziert, dass ein ums andere Mal die Erwartung an eine Steigerung geweckt wird, diese aber ausbleibt. Und die Romanze reißt es definitiv auch nicht raus.
Es mag vielleicht dem geringen Budget geschuldet sein, anderseits hätte es kaum mehr gekostet, die unheimliche Geräuschkulisse weiter auszureizen, um die fühlbare Präsenz einer unsichtbaren Bedrohung greifbarer zu gestalten; ein paar nächtliche Schemen im Dunkeln öfter auftauchen und nahe an den Protagonisten vorbeiziehen zu lassen, hätte die Prozessoren der CGI-Rechner ebenfalls nicht gleich zum Schmelzen gebracht; und schlussendlich mehr Monstermythologie wie Informationen über die Geschehnisse im Vorfeld, die so überaus beiläufig eingestreut werden, hätten dem Film spürbar gut getan. In Monsters fokussiert sich aber nahezu alles auf eine magische Reise, die leider nur selten magisch anmutet und eine Romanze, deren zartes Aufkeimen sich in der Visualität der bizarren Geschöpfe spiegeln soll, doch nicht wirklich zu berühren vermag. Schade um die Idee und das Potenzial. Vielleicht erbarmt sich aber ein Produzent und nimmt sich der Story nochmals an.