Romantik-Comedy aus Frankreich verheißt meist Unterhaltung auf ordentlichem Niveau. Der neueste Clou aus dem Nachbarland handelt von Alex, der sein Geld als Hochzeitscrasher verdient. Er wird von sich sorgenden Eltern engagiert, die der Meinung sind, dass das Töchterlein im Begriff ist, einen großen Fehler zu begehen. Diesen soll Alex ausbügeln, indem er den Schwiegersohn in spe aus dem Rennen befördert. So auch bei Juliette, allerdings ist diese eigentlich sehr glücklich mit ihrem Liebsten und Alex kurz davor mehr aus Eigennutz, denn aus beruflichen Gründen zu handeln. Spaßig, frech-frivol, turbulent und romantisch, ein durchaus vergnüglicher Film.
Ist man das zuweilen stereotype Einerlei der Produktionen aus den amerikanischen Filmschmieden leid, kann oft ein französischer Film die Laune verbessern. Das Rad erfinden diese zwar nicht neu, doch gelingt es ihnen immer wieder oft verwurstete Themen mit Charme, süffisanter Ironie und dieser besonderen Leichtigkeit, die den Franzosen zu eigen ist, aufs Neue zu Inszenieren, dass man mitgerissen wird. In letzter Zeit schleicht sich allerdings auch in diese Produktionen ein gewisser (verhängnisvoller) Hang zur Amerikanisierung ein. Dieser mag die Show zuweilen knalliger machen, beraubt sie aber wiederum zum Teil dessen, was das französische Kino immer als etwas Außergewöhnliches kennzeichnete. Ein gutes Beispiel dafür war beispielsweise die Geschlechter-Rollentausch-Komödie Auf der anderen Seite des Bettes.
Die aktuelle französische Produktion, die ihren Weg in die deutschen Kinos findet, scheint gleichfalls diesem Trend zu folgen. Der Auftragslover präsentiert sich als eine Art Anti-Hitch-Movie. Während Will Smith in jenem Streifen versuchte, Trotteln zu der Frau ihrer Träume zu verhelfen, bringt Romain Duris Frauen dazu, sich von ihrem männlichen Fehlgriff zu trennen - und das mit vollem Körpereinsatz. Anders aber als bei Hitch steht ihm ein Team zur Verfügung, um seine Stelldicheins generalstabsmäßig zu planen und durchzuführen. Die Erfolgsbilanz liegt bei beeindruckenden 100 Prozent.
Er ist smart, er sieht gut aus, er ist ein professioneller Mietkiller; ein "Killer", der die Liebe "mordet". Alex (Romain Duris) betreibt gemeinsam mit seiner Schwester Mélanie (Julie Ferrier) und deren Mann Marc (Francois Damiens) eine merkwürdige Firma. Besorgte Eltern wenden sich vertrauensvoll an ihn, wenn sie mit der Wahl ihrer Töchter in Punkto zukünftiger Ehegatte nicht zufrieden sind. Alex soll dann die bevorstehende Hochzeit zum Platzen bringen, indem er sich in die Herzen der Damen mogelt und ihnen die Lust auf den Zukünftigen vergällt. Der neueste Auftrag kommt vom Blumengroßhändler Van der Beck (Jaques Frantz). Der möchte sein Töchterchen Juliette (Vanessa Paradis) und ihren Liebsten auf jeden Fall auseinanderbringen.
Diesmal scheint der Deal aber dubios. Schließlich besitzt das Auftragslover-Team so etwas wie einen Ehrenkodex. Es werden beispielsweise keine Paare auseinander gebracht, nur weil den Eltern der ethnische oder religiöse Hintergrund des Bräutigams nicht passt. Und vor allem werden keine Liebenden entzweit, bei denen die Chemie eindeutig stimmt. Das scheint bei Juliette und ihrem Liebsten der Fall zu sein; da Alex aber einigen Herrschaften eine erhebliche Summe Geld schuldet und die überhaupt keinen Spaß verstehen, nimmt er den Auftrag schlussendlich an. Dazu fährt er von Paris an die Côte d'Azur, um Juliettes Hochzeit zu vereiteln. Womit er aber nicht rechnete ist, was für eine Wirkung Juliette auf ihn haben wird.
Es ist schon eine Weile her, dass man Vanessa Paradis, die Dauerliierte von Hollywood-Star Johnny Depp, hierzulande auf der großen Leinwand bewundern durfte. Den älteren Semestern wird die zierliche Französin noch als Sängerin in Erinnerung sein; als sie beispielsweise in den 1980ern mit dem Song Joe le taxi ihre Fans verzauberte. Ihr bekanntester Film ist vermutlich Der Hexenclub von Bayonne, in dem sie an der Seite von Frankreichs Top-Star Jean Reno und der Grande Dame des französischen Kinos Jeanne Moreau zu sehen war.
Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag und Der Auftragslover sicherlich sich des Vorwurfs, es auf die amerikanische Art machen zu wollen, nicht völlig erwehren kann: Vanessa Paradis zeigt sich, anders als bei den Hollywood-Produktionen, in denen solche Rollen gerne von den ewigen Liebchen wie Jennifer Aniston und Co. übernommen werden, von einer menschlichen Qualität, die ihrem Charakter gleich eine Eigenständigkeit beschert. Vergleichbares lässt sich aber von weitgehend allen Darstellern sagen, die ihre Figuren mit Charme und Esprit beseelen und ihnen damit - natürlich im Rahmen einer RomCom - Authentizität verleihen.
Ausgesprochen wichtig bei solch einer fetzigen Inszenierung, dass die Chemie zwischen den Protagonisten funktioniert; das ist in Der Auftragslover sicherlich der Fall. Zudem sorgen das hohe Tempo, die Komik, die zuweilen hart an der Schamesgrenze schrammt, ebenso wie die romantischen Einlagen, für locker-leichte Sorglos- und Rundum-Unterhaltung. Hinzu kommt, dass die vielen kleinen Sidekicks, beispielsweise Richtung James Bond oder die eindeutige Dirty Dancing-Hommage schnell etwas kultflairartiges produzieren. Hitverdächtig sind auf jeden Fall die Nympho-Einlagen der Sextollen Sophie (Héléna Noguerra), einer Freundin Juliettes; gerade die Herren im Publikum sollten hier auf ihre Kosten kommen. Zweifellos beschreitet Der Auftragslover den riskanten Spagat zwischen kultverdächtigem frech-frivolem französischen Kino und mainstreamiger Breitenbespaßung; das allerdings mit sehr ordentlichen Leistungsnoten, so dass der Gang ins Kino durchaus gerechtfertigt sein könnte.