Jake Scott ist anders als sein Papa Ridley Scott (Robin Hood) und sein Onkel Tony Scott (Unstoppable - Außer Kontrolle). Der vor allem für seine Musikvideos bekannte Junior scheint eher an ruhigeren Tönen interessiert zu sein. Seine Geschichte über ein Ehepaar, das sich durch den Verlust der Tochter voneinander entfremdet hat und erst durch die unfreiwillige Mithilfe einer jugendlichen Stripperin wieder zusammenfindet, krankt allerdings etwas an unglaubwürdigen Figuren und Darstellern.
Es ist ein tristes Leben, das Lois Riley (Melissa Leo, die 2011 verdientermaßen den Oscar für The Fighter bekam) führt. Seit dem Tod ihrer Teenager-Tochter hat sie das Haus nicht mehr verlassen, sitzt apathisch in einem selbstgewählten Gefängnis. Ihr Mann Doug (James Gandolfini, Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3) verarbeitet den Verlust des Kindes und der Bindung zu seiner Frau auf offensivere Weise: zum Beispiel durch eine Affäre. Als er bei einem Kongress in New Orleans der jungen Stripperin und Gelegenheitsprostituierten Mallory (Kirsten Stewart, Into the Wild) begegnet, entwickelt er eine väterliche Zuneigung zu dem rebellischen Teenager. Er beschließt in der Stadt zu bleiben und teilt das seiner fassungslosen Frau via Telefon mit. Mit einem Schlag ist Lois aus ihrer Lethargie gerissen.
Verrucht und heruntergekommen ist das Leben in New Orleans, jener Stadt, die im August 2005 so schwer von Hurrikan Katrina getroffen wurde. Vergnügungssüchtige Geschäftsleute treffen in den einschlägigen Vierteln auf leichte Mädchen. Mallory, die eigentlich anders heißt, ihre frühere Existenz aber ad acta gelegt hat, ist eines dieser Mädchen, Doug aber nicht einer dieser Kerle. Eher zufällig ist er, äußerlich ein Bär von einem Mann, innerlich aber von einem erneuten Schicksalsschlag getroffen, in Mallorys Club gelandet und fühlt sich von den Obszönitäten der 16-Jährigen abgestoßen. Nachdem die erste Unterredung im Desaster endet, ergibt sich kurz darauf eine zweite Chance. Langsam baut Doug eine Art Vertrauen zu Mallory auf - und wird schließlich ihr Schutzpatron.
Für ihre Entscheidung, die Rolle anzunehmen und sich derart freizügig zu geben, hat Kirsten Stewart viel Anerkennung erhalten. Im Vergleich zu ihrer prüden Bella aus der Twilight-Reihe hat sie sich um 180 Grad gedreht. Die Assoziation erweist sich jedoch als Problem, man nimmt Stewart die heruntergekommene Sexbombe nicht ab. In manchen Szenen von Willkommen bei den Rileys hat man den Eindruck, sie versuche verzweifelt einen Imagewandel zu vollziehen, um nicht auf ewig auf Bella-Rollen abonniert zu sein. Dann übertreibt sie es mit ihrer Darstellung, was sie im Übrigen gar nicht nötig hat. In weniger beachteten Filmen wie Adventureland und The Runaways hat Stewart ihre Vielschichtigkeit sehr wohl schon bewiesen.
Seltsam reibungslos verläuft auch der Wandel von Lois, die ihre jahrelang gepflegte Soziophobie ohne nachhaltige Mühen ablegen kann, um ihrem Mann nach New Orleans zu folgen. Immerhin: Melissa Leo spielt ihre Figur ganz wunderbar und rechtfertigt im Nachhinein das Vertrauen, das Scott ihr entgegenbrachte. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass Leo in den Augen des Regisseurs seit langem als Idealbesetzung galt, durch ihren geringen Bekanntheitsgrad die Rolle aber zunächst nicht bekam - willkommen bei den Zwängen eines Independent-Filmers. Erst als ihr Ersatz - wer das war, ist nicht bekannt - kurzfristig ausfiel und Leo inzwischen für Frozen River eine Oscar-Nominierung ergattert hatte, war sie zurück im Spiel. Ihre Auszeichnung für The Fighter lässt die Rechnung erst recht aufgehen und verhilft dem Film zu noch mehr Aufmerksamkeit. Das freilich ändert nichts daran, dass der uneingeschränkte Star des Dramas James "Tony Soprano" Gandolfini ist. "Ich wollte unbedingt zur Abwechslung einmal jemanden spielen, der niemanden umbringt", hat der Hauptdarsteller gesagt, der durch seine feinfühlige Spielweise Willkommen bei den Rileys eindeutig seinen Stempel aufdrückt.
Insgesamt aber ist es bezeichnend, dass sich am Ende vieles in Wohlgefallen auflöst. Der Film kratzt an einer Oberfläche, viele Konflikte bleiben unausgefochten. Die Geschichte hat zwar Atmosphäre, sie ist gelungen inszeniert, aber sie gibt letztlich zu wenig her.