Der ehemalige Wrestler Dwayne Johnson macht als ultimativer Rächer optisch auf jeden Fall schon mal eine gute Figur. In Walking Tall - Auf eigene Faust durfte er überdies bereits beweisen, dass er Bösewichte tüchtig aufmischen kann. In Faster geht es allerdings noch eine Nummer härter zu. Als Ex-Knacki Driver sucht er nach den Mördern seines Bruders, um sie zu richten und wird dabei selber gnadenlos verfolgt. Nett angedacht ist das alles schon und die Atmosphäre schafft es zuweilen sogar ein wenig mitzureißen. Leider wurde aber die spannende Grundgeschichte einem zu zerfahrenen Plot geopfert.
Dieser Mann ist ein Geist..., sprach der zwei Meter große samoanische Schläger, nahm seine Beine in die Hand und sah zu, dass er Land gewann. Ein Bedürfnis, das viele verspürten, wenn sie den Weg von Driver (Dwayne Johnson) kreuzten. Der saß nach einem Banküberfall zehn Jahren im Gefängnis. Als Fahrer für seinen Bruder und einen weiteren Räuber gelang es ihm damals, die Polizei abzuhängen, kaum aber in ihrem Versteck, tauchten ein paar Ganoven auf und überwältigen sie. Jemand musste sie verraten haben. Das Überfallkommando hatte es auf ihre Beute abgesehen und ging dabei über Leichen. Nachdem sie das Geld hatten, töteten sie alle, einschließlich Driver, dem sie in den Kopf schossen. In ihm weigerte sich aber etwas zu sterben. Jetzt hat er eine Metallplatte im Schädel, eine Mordswut im Bauch und befindet sich auf seinem ultimativen Revenge-Trip.
Der Plot mag etwas an die Vergeltungsnummer der Braut aus Kill Bill - Volume 1 erinnern, doch von einem kongenialen Genremix mit Hommage- wie Persiflagezügen im Tarantino-Stil ist Faster weit entfernt. Viel interessanter ist allerdings, dass sich dem Zuschauer neben dem Rachefeldzug des Protagonisten ein Dreikampf bietet: Außer einem schmierigen wie drogensüchtigen Cop, gespielt von Billy Bob Thornton, ist noch ein extrem eleganter Killer (Oliver Jackson-Cohen), der glatt als 007 hätte Karriere machen können, mit von der Partie. Das wirkt wiederum zuweilen überladen und viele Handlungsstränge baumeln zudem bis zum Ende lose im Raum, ohne dass sie sinnig verknüpft oder gar zu Ende geführt werden.
Ein eindeutiges Plus hat Faster zumindest in seiner Atmosphäre, die irgendwo zwischen Western, Neo-Noir-Thriller und Roadhouse-B-Movie angesiedelt ist und von einem stimmungsvollen Score begleitet wird. Leider entschloss man sich aber, der eigentlich klaren Rachestruktur des Films, samt den Widersachern des Hauptcharakters, noch einige weinerliche Melodramelemente hinzuzufügen, die der Handlung vielerorts eine Menge an Dynamik und Tempo rauben.
Dwayne Johnson auf gnadenloser Vergeltungstour, das scheint soweit vernünftig besetzt. Wer den Beinamen The Rock trägt, dem traut man schließlich zu, die Bude in bester Charles-Bronson-Manier zu rocken. Man erlag aber hier der Versuchung, dem Film eine gewisse Pseudotiefe durch schauspielerische Akzente verleihen zu wollen. Das mag vielleicht noch beim Part von Billy Bob Thornton funktionieren (hätte man ihn ordentlich ausgebaut), jemand wie Johnson sollte aber besser bei dem bleiben, was er auch beherrscht. Allerdings schaut man ihn sich immer noch lieber in solch einem Film an, als im zartrosa Ballett-Tutu in Zahnfee auf Bewährung.
Faster nimmt offensichtliche Anleihen bei No Country for Old Men; allein schon die Bildästhetik und die Rolle von Billy Bob Thornton, die sehr an Tommy Lee Jones erinnert, sprechen Bände. Die erzählerische Dichte des Coen-Films erreicht dieser Streifen allerdings nie. Überdies wirkt so manch ein Element störend, überflüssig, zuweilen sogar ein wenig lachhaft. Wäre beispielsweise die Storyline des gefallenen Cops nicht für die Auflösung bedeutend, hätte man sie komplett weglassen können. Einer wesentlich knackigeren Inszenierung wäre dies vermutlich sogar zugutegekommen. Insgesamt wirkt Faster somit dramaturgisch etwas flach - trotz ordentlicher Actionsequenzen - und zuweilen nicht konsequent genug. Wer es wirklich kompromisslos mag, schaut sich demnach lieber 96 Hours an. Für den Auftakt zu einem DVD-Abend aber kann man sich Faster als Silberscheibe im Home-Cinema durchaus gönnen.