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True Grit

(True Grit, 2010)

Dt.Start: 24. Februar 2011 Premiere: 22. Dezember 2010 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama, Western
Länge: 110 min Land: USA
Darsteller: Hailee Steinfeld (Mattie Ross), Jeff Bridges (Marshal Reuben J. Cogburn), Matt Damon (La Boeuf), Josh Brolin (Tom Chaney), Barry Pepper (Ned Pepper), Domhnall Gleeson (Moon), Elizabeth Marvel (Mattie Ross erwachsen), Ed Corbin (Bear Grit), Leon Russom (Sheriff), Nicholas Sadler (Sullivan), Dakin Matthews (Colonel Stonehill), Paul Rae (Emmett Quincy), Joe Stevens (Anwalt Goudy), Mary Anzalone (Ft. Smith Traveling Lady / Memphis Lady), Bruce Green (Harold Parmalee)
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Drehbuch: Charles Portis, Joel Coen


Inhalt

Als ihr Vater ermordet wird, sinnt die 14-jährige Mattie Ross auf Rache. Sie heuert den versoffenen und abgehalfterten Marshall Reuben "Rooster" Cogburn an und reitet gemeinsam mit ihm und einem Begleiter namens La Boeuf dem Mörder hinterher. Doch das Territorium der Indianer, durch das sie reisen müssen, hält viele Gefahren für das Trio bereit. Jeder für sich muss Mut beweisen, wahren Mut.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

True Grit hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Kurzkritik
von Lutz Granert
Wertung von 68 für True Grit

Großartige Schauspieler, handwerkliche Perfektion (opulente Bilder, detailreiche Ausstattung) und eine spannende Inszenierung können nicht über die inhaltliche Fläue hinwegtäuschen, mit denen die Coen-Brüder ihren trotz allem soliden Genreausverkauf postmodern transzendieren. Ins Extreme überzeichnete Charaktere, abgehackte Finger, Duelle zu Pferd inszeniert wie in Ritterfilmen und der in Verbindung mit den Bildern zynische Schlusssong "Leaning on the Everlasting Arms": Dem Western True Grit stehen die Pferde nicht so gut wie dem mit Westernmotiven angereicherten Thriller No Country for Old Men. Dafür ist er mit seiner Inszenierung schlicht nicht zeitgemäß genug.

Kurzkritik
von Thomas Brendel
Wertung von 82 für True Grit

Auch mit dem neuesten Werk bleibt das Coen-Brüderpaar seiner Linie treu und überrascht das Kinopublikum wie schon so oft bereits mit der Auswahl des Stoffes. True Grit ist die Neuverfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder von Charles Portis, dessen Geschichte erstmals im Jahre 1969 von Henry Hathaway filmisch umgesetzt wurde. Die Coen-Adaption ist seinem Vorgänger, der hierzulande unter dem Titel Der Marshal in die Kinos kam und an den man sich heute eigentlich nur noch deshalb erinnert, weil er John Wayne einen Gnaden-Oscar als bester Hauptdarsteller, quasi stellvertretend für dessen gesamtes filmisches Schaffen, bescherte, in jeder Hinsicht überlegen und präsentiert sich als gelungener, moderner Western mit allem was dazu gehört. Herzstück des Films sind seine sorgfältig ausgearbeiteten und liebenswerten Figuren. Jeff Bridges überzeugt als brummiger Gesetzeshüter, Matt Damon gibt den selbstverliebten Texas Ranger. Highlight des Films ist jedoch zweifellos das couragierte Mädchen Matti, gespielt von der während der Dreharbeiten erst 13-jährigen Neuentdeckung Hailee Steinfeld, von der wir in Zukunft hoffentlich noch einiges mehr zu sehen bekommen werden.

Kurzkritik
von Lars Schnell
Wertung von 54 für True Grit

Überschätztes Machwerk eines Regie-Duos mit Hang zum Seltsamen. Im Vergleich mit anderen Genre-Vertretern wie Todeszug nach Yuma erscheint das Werk der Cohen Brüder wenig durchdacht und stellenweise zu unspektakulär. Dazu trägt in erster Linie der langatmige wenngleich lückenhafte Handlungsverlauf bei, der wirkliche Charaktertiefe missen lässt und diashowartig von einer Situation zur anderen hastet. Während eher zwangsweise immer wieder schräge Charaktere eingeführt werden um den Film deutlich als Cohen-Werk zu markieren, hinterlässt das allzu abrupt und notdürftig zusammengeschusterte Ende einen faden und unausgereiften Beigeschmack. Wer unbarmherzige Duelle oder große Dramatik erwartet ist hier eindeutig falsch. Zwar gibt es auch in True Grit einige Schießereien und tragische Momente, jedoch machen diese nur einen geringen Teil des ansonsten typisch dialoglastigen aber sehr humorvollen Cohen-Werks aus, wodurch der Film als Western einiges an Charakter verliert. Schade, dass selbst die Hauptfiguren bei einer Spielzeit von 110 Minuten gegen Ende seltsam unbekannt wirken.

Kritik

von Daniel Licha
True Grit hat eine Wertung von 74%
Leider weist True Grit die gleichen inhaltlichen Schwächen wie sein Original auf und ist zu amüsant geraten, um als Genrehighlight a la Erbarmungslos in die Filmgeschichte einzugehen. Dennoch ist der Film alleine aus optischen Gründen absolut sehenswert, da die Coens mit ihrer Inszenierung das Optimum an Atmosphäre heraus holen und sich zudem auf das hervorragend aufspielende Darstellerensemble verlassen können.

Bild aus True Grit 1970 gab es bei der Oscarverleihung eine riesige Überraschung: John Wayne bekam für seine doch eher bescheidene Leistung im True Grit-Original The Marshall einen Oscar für den besten Hauptdarsteller. Die für viele als Karriereoscar bezeichnete Auszeichnung konnte Bridges schon letztes Jahr mit einer ordentlichen aber nicht überragenden Leistung in Crazy Heart sein eigen nennen. Dieser tritt nun in die Fußstapfen Waynes und hat dieses Jahr die seltene Möglichkeit, als zweiter Darsteller für die gleiche Rolle eine Auszeichnung in Empfang nehmen zu können.

Mattie Ross ist nicht das übliche 14-jährige Mädchen sondern eine Frau der Tat: Nachdem ihr Vater von Tom Chaney ermordet wurde, sinnt diese auf Rache und heuert den abgehalfterten Marshall Rooster Cogburn an, der einen Ruf als saufender und nicht zuverlässiger Ordnungshüter inne hat. Es beginnt eine Spurensuche der etwas anderen Art, muss sich die junge Mattie nicht nur mit Cogburn rumschlagen, sondern auch mit einem gewissen La Boeuf, der ebenfalls Jagd auf Chaney macht ... jedoch aus ganz anderen Gründen.

Machte der Trailer noch den Eindruck, eine düstere Version des Stoffes vermitteln zu wollen, überraschen die Coens, indem sie sich inhaltlich fast sklavisch an das Vorbild halten. Die Geschichte behält über weite Strecken durchaus ihre Leichtigkeit und ihren Humor. So sind auch die Charaktere überzeichnet angelegt, sollen vor allen Dingen cool sein und dürfen einen One-Liner nach dem anderen an den Mann bringen. Für glaubwürdige Charakterentwicklungen bleibt leider zu wenig Zeit, so dass gerade die emotionalen Momente nur selten funktionieren. Eine etwas ausgewogenere Mischung hätte diesem Werk hier sicherlich gut getan.

Optisch gibt es jedoch keinen Grund zur Klage. Die Coens kreieren eine tolle Atmosphäre, wie man sie schon lange nicht mehr in einem Western gesehen hat. Von der Ausstattung über die Kostüme bis hin zur beeindruckenden Kameraführung: Hier wirkt jedes Bild wie gemalt und rechtfertigt alleine schon das Eintrittsgeld für den diesjährigen Eröffnungsfilm der Berlinale. Das Ganze wird von einem gängigen Score Carter Burwells unterstützt und kommt schon fast einem kleinen Fest für die Sinne gleich.

Stahl in The Marshall Kim Darby ihrem älteren Kollegen noch in jeder Szene die Show, ist das Aufeinandertreffen der Generationen in diesem Falle deutlich ausgeglichener. So gibt Jeff Bridges einen herrlich mürrischen Rooster Cogburn, der seine One-Liner dankbar nuschelnd an den Mann bringen darf. Warum Newcomerin Hailee Steinfeld als Nebendarstellerin für den Oscar nominiert worden ist, bleibt jedoch ein Rätsel, ist sie doch Herz und Seele des Filmes und kann mit einer beeindruckenden Leistung diesen fast schon im Alleingang tragen. Zudem darf Matt Damon einmal mehr beweisen, dass er zu den aktuell wohl unterschätztesten Darstellern in Hollywood zählt. Die Darbietungen der beiden Bösewichte, gespielt von Barry Pepper und Josh Brolin, gefallen, auch wenn ihnen nur sehr wenig Screentime zum Glänzen gegeben wird.

Dass das Coenremake sein Original um Längen schlägt, steht außer Frage, dennoch ist dem beliebtesten Brüderpaar der Academy insgesamt doch kein Genrehighlight gelungen. Die Geschichte selbst gibt einfach zu wenig her, um den Zuschauer über knapp zwei Stunden bei Laune zu halten. Dank der famosen Inszenierung und dem hervorragend aufgelegten Darstellerensemble ist das Ganze jedoch nicht nur für Westernfans interessant und sicherlich einen Blick wert.



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