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Im Grunde ist das irische Drama On the Edge eine klassische Coming of Age Story, die sich aber die Freiheit nimmt, das Thema etwas anders anzugehen. Im Zentrum des Films stehen drei junge Menschen, die auf Grund tragischer Ereignisse in ihrer Vergangenheit, den Drang haben nicht mehr zu Leben bzw. zu Sterben. Diese drei Jugendlichen sind zusammen in einer Anstalt untergebracht und versuchen mit ihrem Betreuer in Gruppensitzungen ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Der Protagonist Jonathan wird von dem irischen Talent Cillian Murphy verkörpert und stößt als letzter zu der Therapiegruppe hinzu. Er war nach dem Tod seines Vater samt dessen Urne mit einem Auto über die Klippen gerast und überlebte diesen Suizidversuch nur um haaresbreite. Zunächst fühlt er sich in der Gruppe fehl am Platze und rebelliert gegen seine Mitpatienten und den Betreuer. Doch im Laufe seines Aufenthaltes beginnt auch er sich zu öffnen und sich sein Problem einzugestehen.
Zusammen mit Jonathan werden Toby und Rachel von Dr. Figure in der Gruppe therapiert. Toby, der sich für den Tod seines Bruders verantwortlich sieht, freundet sich schnell mit dem rebellischen Jonathan an und unternimmt mit ihm einige heimliche Ausflüge in die anliegende Ortschaft. Das junge Mädchen Rachel hat den Tod ihrer Mutter nicht verkraftet und nimmt eine Schlüsselposition zwischen den beiden Jungen ein. Sie lebt emotional sehr zurückgezogen und traut zunächst niemanden über den Weg. Man muss sich ihr Vertrauen und ihre Loyalität hart erarbeiten, um an sie heranzukommen. Der Psychiater Dr. Figure wird von dem bekannten irischen Schauspieler Stephen Rea verkörpert. Er ist sich der Probleme seiner drei Patienten stets bewusst, versucht aber trotzdem den Jungendlichen ein normales Leben zu ermöglichen.
Regisseur und Drehbuchautor John Carney inszenierte mit On the Edge einen vielschichtigen und äußerst bodenständigen Film, der sich sowohl der schlichten Problematik des Erwachsenwerdens und dem Problem Suizid widmet. Dabei geht er sowohl humorvoll als auch ernst und teilweise sogar etwas philosophisch zu Werke. Beispielsweise setzt es sich, zumindest im Ansatz, mit dem philosophisch oft diskutierten Unterschied zwischen den beiden Phrasen "nicht mehr leben wollen" und "sterben wollen" auseinander. Das Funktionieren des Films verdanken wir hauptsächlich den vier Hauptfiguren, zwischen denen die Chemie merklich stimmt. Vor allem die undurchsichtigen und emotional bewegten Verhältnisse zwischen den drei Jungendlichen werden von den Schauspielern überzeugend auf die Leinwand gebracht. Beispielsweise das Verhältnis zwischen Jonathan und Rachel scheint zunächst nur sexuell motiviert, doch im Laufe des Films stellt sich heraus, dass Rachel nur Jonathans Loyalität und Liebe austesten wollte.
Glücklicherweise präsentiert sich On the Edge als "Psychiatrie-Film" ohne sich am Thema Irrenhaus auszuweiden und alle Clichees zu erfüllen. Man denke an dieser Stelle beispielsweise an James Mangolds Drama Durchgeknallt, die vielen offensichtlichen Irren, die Zwangsjacken und die weißkittligen Aufseher zurück. Diese Irrenhaus-Version wird man in On the Edge nicht antreffen. Regisseur John Carney gelang es mit seinem Drama eindrucksvoll die Themen Erwachsenwerden, Selbstmord und Liebe unter einen Hut zubringen und zu einem stimmigen Gesamtkonzept zusammenzufügen. Weiterhin gelang es ihm die Story weitestgehend unvorhersehbar zu gestalten und zwischendurch mit einigen überraschenden Handlungselementen aufzuwarten. Obwohl der Film ein sehr depressives Thema behandelt, wird man am Ende nicht mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit aus dem Kino entlassen, sondern bekommt vielmehr eine Prise Optimismus mit auf den Weg. |