Ron Howard hat mit Dickste Freunde ein schwächeres Drama abgeliefert, bei dem die Story in Teilen etwas unrund läuft und schwer darunter zu leiden hat, dass sie als Komödie angepriesen wird. Die klassische Hauptzielgruppe der Kinogeher bis 25 wird mit der behandelten Thematik kaum bedient. Ein Film, den man sich getrost im Fernsehen ansehen kann, ohne vorher was verpasst zu haben.
Schon seit dem College kennen sich Ronny (Vince Vaughn) und Nick (Kevin James). Beide betreiben gemeinsam die Firma B&V Engine Design. Nick ist das wissenschaftliche Gehirn, Ronny das Verkaufsgenie, das die Vertragspartner um den kleinen Finger wickelt. Gemeinsam arbeiten sie daran, für Elektroautos ein Tool zu entwickeln, damit sie wie PS-Boliden klingen, welches sie dann an einen großen Autohersteller wie Dodge verkaufen. Alles scheint perfekt, Nick ist glücklich mit Geneva (Winona Ryder) verheiratet, Ronny, der seine Spielsucht endlich im Griff hat, plant einen Heiratsantrag für seine Freundin Beth (Jennifer Connelly).
Doch alles kommt anders, als gedacht. Der Deal mit Dodge klappt zwar, doch nur mit ziemlichem Zeitdruck. Während Nick seine Tage und Nächte in die Entwicklung steckt, geht Ronny einer viel heikleren Sache nach. Er hat Geneva zufällig dabei beobachtet, wie diese leidenschaftlich einen anderen Mann (Channing Tatum) küsste. Nun steht Ronny vor der schweren Frage, wie er weiter vorgehen soll. Er entscheidet sich dafür, erst einmal Nachforschungen anzustellen und Beweise zu sammeln. Leider manövriert er sich damit von einem Fettnapf in den nächsten und verursacht ein ziemliches Chaos.
Es ist zwar ein filmisch gerne genommenes Stilmittel, dass eine Person gerne mal nicht zu Wort kommt und das, was ihr auf dem Herzen liegt, nicht loswerden kann, aber leider auch ziemlich unrealistisch. Über solche Details kann man hinwegsehen, wenn eine als Komödie beworbene Geschichte tatsächlich lustig ist. Der LpM-Index (=Lacher pro Minute) ist aber leider mehr als niedrig. Wer eine echte Ron Howard-Komödie alter Machart erwartet, muss jetzt erst einmal tief durchatmen. Wer sich einen gelungenen Ron Howard Film á la Frost/Nixon erhofft, sollte am besten immer noch die Luft anhalten. Vorsichtig formuliert ist Dickste Freunde nur in Ansätzen komisch. Die Geschichte läuft zu unrund und mutet mitunter an wie Puzzleteile, die nicht 100% zusammenpassen.
Eine derartige Verfehlung liegt nicht zu selten an falschen Erwartungen im Vorfeld. Davon hat Dickste Freunde gleich ein paar zu bieten. Da wäre einmal der Originaltitel The Dilemma, der dieser Story inhaltlich viel näher kommt, als der deutsche Titel - aber das ist ja in der Welt der nicht nachvollziehbaren Titel-Spielereien keine Überraschung mehr. Außerdem wurden durch die eher unpassende deutsche Vermarktung als Komödie Erwartungen geschürt, die definitiv nicht gehalten werden können. Wenn nach dem Film ausschließlich ernsthafte Diskussionen darüber entstehen, wie man selbst in der Situation von Ronny gehandelt hätte, spricht das nicht gerade für den spaßigen Part des Films. Nüchtern betrachtet, hat Dickste Freunde also nicht die Gefühle erzeugt, die man erwartet, wenn man sich eine "Komödie" ansieht.
Ob die Geschichte an sich geeignet gewählt ist, bleibt ebenfalls zu bezweifeln. Komödien mit Kevin James richten sich zumindest naturgemäß auch an ein junges Publikum. Aufgrund der Thematik ist bei Dickste Freunde davon auszugehen, dass sich vermehrt die älteren Zuschauer mit der im Film thematisierten Situation identifizieren können. Das jüngere Publikum wird vermutlich eher die Schultern zucken, da derartige Probleme generationsgemäß sowieso erst mal über Facebook gepostet und damit pseudo-gelöst werden.
Das Cast weißt zwar interessante Namen auf, große, oder zumindest mitreißende schauspielerische Leistungen sucht man bei Dickste Freunde jedoch vergebens. Kevin James zeigt seine tänzerischen "Stärken", die man schon aus Hitch - Der Date Doktor kennt und wer aufgrund der Kombi James - Vaughn humoristische Höhenflüge erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Queen Latifahs Rolle geht inhaltlich in die Richtung "Fremdschämen" und ist eher peinlich/deplatziert, als lustig. Eine Repräsentantin von Dodge, die knapp unter Vorstands-/Entscheiderebene angesiedelt ist und Geschäftspartner schon mal fragt, ob sie den Film Deep Throat kennen, dürfte ihren Job kaum lange haben.
Dickste Freunde schrammt damit als Komödie knapp an der Themaverfehlung entlang. Um als Drama durchzugehen, ist der Film nicht packend genug. Ein Titel also, den man sich getrost auf DVD oder im Fernsehen ansehen kann, ohne vorher was verpasst zu haben.