Ähnlich wie schon in Disturbia gestaltet D.J. Caruso diesen, als "Mystery-Thriller" deklarierten, Streifen anfänglich schwach. Gegen Ende aber kommt dann Produzent Michael Bay deutlicher zum Vorschein und das Ruder wird in Richtung Action herum gerissen. Dummerweise muss man als Zuschauer auch die ersten 90 Minuten ertragen und kann nicht erst zum großen und durchaus sehenswerten Finale den Saal betreten.
Alex Pettyfer - vom Marketing als Newcomer des Jahres bezeichnet - spielt den Jugendlichen John, der gemeinsam mit acht anderen Außerirdischen als Kind auf die Erde kam, um das Überleben ihrer Rasse zu sichern. Jeder wird begleitet durch einen Krieger, der seinen Schützling vor den Mogadorianern - die Feinde die den Heimatplaneten Lorien zerstörten - verstecken und im Angriffsfall beschützen soll. Nachdem bereits drei der Lorianer getötet wurden, ist nun John als Nummer Vier an der Reihe und sein Bewacher Henri (Timothy Olyphant) muss alle Register ziehen, um das Überleben zu sichern.
Bisher sind die Beiden immer geflüchtet und haben sich woanders versteckt, doch um das Chaos komplett zu machen, kommt diesmal die Liebe in Form von Sarah (Dianna Agron) ins Spiel und John weigert sich, weiterhin davon zu laufen. Glücklicherweise entwickelt er aber Kräfte, die ihm im Kampf helfen können, wenn er sie zu kontrollieren lernt. Und so beginnt eine große Schlacht, in die sich eine Lorianerin (Teresa Palmer) einmischt.
Ich bin Nummer Vier könnte man als Patchwork aus Twilight, Blade und Jumper mit einem Schuss Buffy - The Vampire Slayer bezeichnen. Tatsächlich bietet der Streifen von D.J. Caruso ein bisschen was von allem und kann sich dabei aber leider nicht entscheiden, ob er nun ernsthafter Thriller oder lieber Teenie-Romanze sein will. Dies erklärt dann auch die enormen Schwächen in den ersten 90 Minuten des Filmes.
Von den mauen Dialogen ganz zu schweigen bewegt sich die Geschichte kein Stück voran. Hintergründe über die Zerstörung des Planeten Lorian bleiben die Drehbuchautoren ebenso schuldig wie echte Tiefe bei den Charakteren. Alles wirkt austauschbar - ob Außerirdischer, Magier oder gar Vampir; letztlich käme wohl immer das gleiche Ergebnis heraus. Sehr schade, dass man hier nicht mehr Wert auf Einzigartigkeit und Besonderheiten gelegt hat! Möglichkeiten hätte es genügend gegeben, aber man wollte wohl für viele Zielgruppen offen sein und ist deswegen so aalglatt wie nur möglich.
In der ersten Hälfte des Filmes scheint nur die Liebe zwischen Sarah und John wichtig zu sein und man fühlt sich fast an Filme wie High School Musical erinnert. Dazu passt aber natürlich die Thriller-Komponente noch viel weniger als der Mystery-Part. Interessant wird das Ganze erst, als die, bis zu diesem Zeitpunkt fast unbeachteten, Mogadorianer stärker in den Fokus gerückt werden und die Action mehr und mehr in Fahrt kommt.
Hier kommt dann auch endlich Nummer Sechs (Teresa Palmer) ins Spiel, die vor allem beim männlichen Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Optisch äußerst ansprechend (in mehrfacher Hinsicht) beginnt jetzt endlich der Part, in dem die Handschrift Michael Bays zu erkennen ist: Es ist laut, Dinge explodieren, es wird zerstört und es gibt hübsche Frauen! Das große Finale, welches - Transformers lässt grüßen - über fast 20 Minuten ein Spektakel der Extraklasse mit perfektem Schnitt und gutem Timing auf die Leinwand zaubert, entschädigt dann tatsächlich für fast alle Schwächen.
Inwiefern man damit leben kann, dass ein Film nicht mal über die Hälfte der Laufzeit wirklich überzeugen kann, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin Nummer Vier wird es im Kino aber sicherlich schwer haben, denn eine klare Zielgruppe ist nicht aus zu machen. Für Actionfans ist es zu wenig Action, für Mystery-Fans ist es zu wenig Mystery und für Spannungsfanatiker fehlt der Thrill. Es bleiben also nur Teenies, die sich an der Liebesgeschichte erfreuen können und ansonsten ein bisschen was von allem haben wollen. Im heimischen DVD- oder BluRay-Player kann man dann wenigstens zum großen Finale springen und sich an den optischen Köstlichkeiten (inklusive Teresa Palmer) ohne das nervige und viel zu lange Vorspiel ergötzen.