Der frischgebackene Oscar-Gewinner Denzel Washington schlüpfte für das Drama John Q - Verzweifelte Wut in die Rolle eines armen Fabrikarbeiters, der sich vom System betrogen fühlt und deshalb zu extremen Maßnahmen greift. Eigentlich müsste man anzunehmen, das Drehbuch wurde ihm auf den Leib geschrieben, denn die Figur des John Quincy Archibald ist die typische Denzel-Rolle. Doch weit gefehlt, das Script von James Kearns entstand bereits 1993 im Zuge der Krise im US-Gesundheitswesens. Produzent Mark Burg erwarb bereits in diesem Jahr die Rechte an der Geschichte, doch es dauerte bis zum Jahre 2000 bis die Produktion endlich anlaufen konnte. Als Regisseur wurde Nick Cassavetes verpflichtet, dem das Thema des Films übrigens besonders nahe geht, da seine Tochter ebenfalls an einem Herzfehler leidet.
Wer auf Grund des oben genannten Motivation für das Drehbuch von John Q - Verzweifelte Wut eine ernsthafte Diskussion der Problematik erwartet, ist völlig auf dem Holzweg. Der Film vermeidet es tunlichst in irgendwelche Grauzonen einzutauchen und steckt die Grenzen zwischen Gut und Böse peinlichst genau ab. Der Gute ist in diesem Fall selbstverständlich John Q, ein finanziell angeschlagener Arbeiter, der jeden Cent dreimal umdrehen muss. Nachdem sich herausstellt, dass sein Sohn an einem Herzfehler leidet und seine Versicherung nicht für die Operation aufkommt, besetzt er die Notaufnahme des Krankenhauses, um die lebensnotwendige Transplantation zu erzwingen. Ob diese Maßnahme gut und gerechtfertigt ist, interessiert den Film herzlich wenig. Die Bösen sind die gefühllosen und geldgierigen Versicherungen und Ärzte sowie die unnachgiebige Polizei.
Leider ist die stupide schwarz-weiß Malerei nicht das einzige Problem des Films, denn das Drehbuch und die Inszenierung sind teilweise wirklich unter aller Kanone. Schon die Zusammenstellung der Charaktere zeugt von Anti-Kreativität und lässt sich am besten als 0815-Geiseldrama Cast beschreiben. Betrachten wir zunächst die Auswahl der Geiseln: ein Schwarzer mit losem Mundwerk, ein junger und idealistischer Arzt, eine tollpatischer Polizist, ein freundinverprügelnder Aufmüpfiger mit verprügelter Freundin und eine schwangere Frau samt Ehemann. Auch die Polizei ist mit Standardcharakteren ausstaffiert. Hier sind der besonnene Verhandlungsführer Grimes, der eine friedliche und unblutige Lösung des Problems anstrebt und der hochdekorierte Polizeipräsident, der den guten alten John Q am liebsten über den Haufen ballern will, zu nennen.
Hand in Hand mit der verkorksten Charakterwahl gehen die hundsmiserablen Dialoge und die unerträglichen Oneliner. Man denke hier beispielsweise an den Satz: "I am not gonna burry my son! My son is gonna burry me!", den nichtmal ein Denzel Washington überzeugend auf die Leinwand zaubern konnte. Wie schon den vorigen Zitat angedeutet, wird um John Q ein Heldenmythos inszeniert, der seine Aufopferung für seinen Sohn und seine Verzweiflung komplett in den Hintergrund drängt. Durch dieses ganze heldenhafte Brimborium verliert der Film fast jegliche Glaubwürdigkeit und driftet ins ungewollt Lächerliche ab. Auch die Schauspieler haben unser Mitleid verdient, denn sie spielen fast ausnahmslos gegen ihre hölzern und eindimensional angelegten Charaktere an und versuchen noch das Beste aus ihrer Situation zu machen. Es ist mir generell ein Rätsel warum sich verdiente Schauspieler wie James Woods, Ray Liotta oder Robert Duvall für so ein Drehbuch entscheiden konnten.
Denzel Washington führt uns mit John Q - Verzweifelte Wut vor Augen, dass er doch nicht über die Gabe verfügt, alles zu Gold zu machen was er anpackt. Das Drehbuch und die Inszenierung sind einfach zu schlecht, als dass Denzel die Kastanien noch aus dem Feuer holen könnte. Ich persönlich hatte mir von John Q - Verzweifelte Wut eine Art Gegen jede Regel Effekt versprochen. Doch anstatt dieses guten und positiven Gefühls im Bauch, musste ich nach dem Film mit dem undankbaren Gefühl der Enttäuschung vorlieb nehmen. Aber Schwamm drüber, jeder kann sich mal einen Ausrutscher leisten. Ich freu uns trotzdem auf den nächsten Film mit Denzel...