Mit einem Grindhouse-Genrestück hätte man Nicolas Cage vor ein paar Jahren nicht unbedingt in Verbindung gebracht. Inzwischen hat Cage aber bereits so viele unterschiedliche Rollen gespielt, dass man mitunter gar nicht mehr sicher sein kann, mit was er demnächst seine Aufwartung macht. Diesmal ist er in bester Mad Max-Manier einer Sekte durchgeknallter Satanisten auf der Spur, die seine Enkelin opfern wollen, damit ihr Fürst auf die Erde gelangt. Ultratrashiges, makaberes Schaustück, das bedingungslos für die großen Jungs gemacht wurde und sich seines sinnentleerten Daseins nicht schämt.
Nach welchen Kriterien Nicolas Cage seine Rollen aussucht, kann zuweilen mehr als irritieren. Der für Leaving Las Vegas Oscar-prämierte Hollywood-Schauspieler fischt auch schon mal in manch einer trüben Untiefe: Filme wie Con Air oder Ghost Rider gehören sicherlich nicht zu den Vorzeigewerken seiner Vita. Auch bei Drive Angry wähnte man sich bereits nach der Eingangssequenz sicher, dass er diesmal vollends ins kinematographische Fettnäpfchen langte. Im trashigsten Mad Max-Style fertigt er blutig ein paar Typen ab. Das Einzige, was man aus der Szene erfährt, ist, dass er auf der Suche nach einem Baby ist, das entführt wurde und offensichtlich in Lebensgefahr schwebt (da in den Händen von irgendwelchen Spinnern).
Damit ist die Story im Wesentlichen bereits umrissen. Ausgesprochen wichtig ist bei dieser Grindhouse-artigen Show die Handlung ohnehin nicht. Es reicht wenn man sich merkt, dass John Milton (Nicolas Cage) hinter einem satanischen Sektenguru namens Jonah King (Billy Burke) her ist. Der hat Miltons Tochter ermordet und ihr Baby an sich genommen. Beim nächsten Vollmond will er dieses Opfern, um Luzifer auf die Erde zu holen. Milton setzt indes Himmel und Hölle in Bewegung, um dies zu verhindern. An seiner Seite findet sich als schlagkräftiger Barbie-look-a-like Eyecatcher die Ex-Kellnerin Piper (Amber Heart) wieder, die Milton erst nur ihr Auto leiht und ihn anschließend während seines Feldzug und bis zum Show Down begleitet.
Freunde tarantinoesker Inszenierungen können sich freuen: Es gibt jede Menge automobile Kult-PS aus den 60er und 70ern zu bestaunen, viel Action, ordentlich Blut, nackte Haut und einen gnadenlosen Protagonisten, der selbst Charles Bronson in seinen besten Revenge-Tagen vor Neid erblassen lassen hätte. Dazu kommen Oneliner und Dialoge, die meschuggener nicht sein könnten, eine gewisse Selbstironie und Distanz zum eigenen Werk aber unterstellt, tragen diese - nebst rabenschwarzer Einlagen - ihr Quäntchen zum Gelingen dieser makaberen Vorstellung bei. Kultverdächtig ist auf jeden Fall der (wiederholte) Auftritt von William Fichtner als Killer mit übersinnlichen Fähigkeiten, der sich selbst "der Buchhalter" nennt.
Nun macht das alles aus der neuesten Produktion von Regisseur Patrick Lussier und Autor Todd Farmer, die schon bei My Bloody Valentine 3-D zusammen arbeiteten, keinen wirklich herausragenden Film. Im Rahmen dessen, was er aber möchte, schwarzhumorig die großen Jungs (nahezu sinnbefreit) tüchtig bespaßen, konnte Drive Angry im Vergleich zur ersten Zusammenarbeit des genannten Duos zulegen. Natürlich darf aber solch bizarres Genrestück niemandem vorgesetzt werden, der nun so gar nichts mit bösen Action-Horror-Spektakeln anzufangen weiß - da hilft dann auch der Verweis nichts mehr, dass dies mit einem ordentlichen Augenzwinkern zu verstehen ist.
Was aber am meisten für Irritation sorgen kann, ist die Tatsache, dass Drive Angry zuweilen wie ein unfreiwilliges Prequel zu Ghost Rider wirkt. Zwar verwandelt sich Cage zu keiner Zeit in ein Skelett mit flammendem Totenschädel - wirklich gewundert hätte es zwischendurch aber keinen. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass man sich im Nachhinein viel mehr von Drive Angry im Ghost Rider gewünscht hätte. Vielleicht klappt das zumindest in der Fortsetzung mit dem Flammenkopf.