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Independent-Regisseur Richard Linklater stellte letztes Jahr gleich zwei Filme auf dem Sundance Film Festival vor, zum einen das Drama Tape mit Ethan Hawke, Uma Thurman und Robert Sean Leonard in den Haupt- und nebenbei bemerkt auch einzigen Rollen, zum anderen einen recht ungewöhnlichen Animations-Film namens Waking Life. Ungewöhnlich deshalb weil Waking Life zunächst mit realen Schauspielern an realen Schauplätzen gedreht und erst nachträglich mit Hilfe einer speziell entwickelten Software von verschiedenen Künstlern "angemalt" wurde. 25 Tage lang war der Regisseur von Filmjuwelen wie SubUrbia und Before Sunrise mit einer kleinen Crew und ein paar Videokameras unterwegs in New York, Austin und San Antonio und filmte zahlreiche Dialog-Szenen, in denen er ganz verschiedene Menschen zu Wort kommen ließ. Neben echten Schauspielern, von denen einige bereits zuvor mit Linklater arbeiteten, darunter Wiley Wiggins, Nicky Katt, Ethan Hawke und Julie Delpy, standen auch Freunde, Familienangehörige und Bekannte Linklaters sowie der restlichen Film-Crew und auch völlig fremde, unbekannte Menschen für Waking Life vor der Kamera. Während der neunmonatigen Postproduktion wurde das dabei entstandene Filmmaterial dann von einem Team, bestehend aus etwas mehr als 30 Künstlern, zu einem einzigartigen Zeichentrickfilm umfunktioniert, wobei jeder einzelne seinen ganz persönlichen Stil miteinbringen durfte.
Herausgekommen ist äußerst origineller Film, der vorallem durch seine inovative Machart gefällt und überzeugt. Die häufig wechselnden Zeichenstile geben Waking Life einen ungewöhnlichen Look, der fast den Eindruck erweckt, als handle es sich hier um ein lebendig gewordenes surrealistisches Gemälde. Zeitweise hat man als Zuschauer das Gefühl, als befände man sich in einem Traum und ganz plötzlich erscheint einem dann wieder alles ungewohnt real. Dadurch versetzt uns Linklater in einen Zustand, in dem es uns gar nicht mehr wichtig erscheint, bei den auf der Leinwand dargebotene Dingen zwischen Realität und Fiktion differenzieren zu können, sondern in dem wir uns schlicht und ergreifend den verschiedenen Überlegungen und Gedankenkonstrukten widmen, mit denen uns die Menschen in diesem Film konfrontieren. Gemeinsam mit Wiley Wiggins begeben wir uns auf eine Reise durch die Geistesgeschichte des 20.Jahrhunderts und machen uns auf die Suche nach dem Sinn unseres Daseins. Ob wir dabei nun träumen oder wachen, ob wir es mit unbewußten Erinnerungen oder echten Personen zu tun haben, spielt im Grunde genommen keinen Rolle, denn letztendlich handelt es sich hierbei sowieso um eine Reise durch die Welt der Gedanken, Linklaters Gedanken und sofern wir es zulassen auch eine Reise durch unser eigenen Gedanken.
Dies verlangt dem Zuschauer allerdings auch durchgehende Konzentration und eine gehörige Aufnahmekapazität ab, denn Linklaters Film wechselt die Themen schneller als Liz Taylor ihre Ehemänner. Zudem bildet das Gezeichnete oftmals eine bildliche Darstellung oder gar Ergänzung des Gesprochenen und so gibt es auch auf dieser Ebene eine ganze Menge zu entdecken. Da der Film so unglaublich viele Ansichten zu den verschiedensten Themen präsentiert und jedem einzelnen Gespräch dabei nur wenige Minuten vergönnt sind, bekommt man als Zuschauer nicht die Möglichkeit, sich auf die einzelnen Gedankenspiele richtig einzulassen. Denn kaum steckt man in einer philosophischen Betrachtungsweise über den Ursprung und die Bedeutung von Träumen, wird man auch schon wieder herausgerissen und in ein Gespräch über die Evolution des Lebens auf unserem Planeten verwickelt. Da man zudem nicht nur ständig mit neuen Gesprächsthemen, sondern auch mit immer neuen Personen konfrontiert wird, bekommt Waking Life auf Dauer leider einen recht ermüdenden Charakter, ein Schicksal daß sich der Film mit Linklaters Spielfilm-Debüt Slacker teilt, denn auch der wurde trotz seines originellen Grundkonzepts schnell langweilig. Überlegungen und Gedankengänge werden eben erst dann wirklich interessant oder gar zu Lebensweisheiten, wenn sie von richtigen Figuren und in einem gewissen Kontext ausgesprochen werden. |