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Nostalgie des Lichts

(Nostalgia de la luz, 2010)

Dt.Start: 23. Dezember 2010 Premiere: 14. Mai 2010 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 90 min Land: Frankreich, Chile
Darsteller: n/a
Regie: Patricio Guzman
Drehbuch: Patricio Guzman


Inhalt

Victoria und Violeta wandern in der staubigen Atacama Wüste in Chile herum. Sie suchen ihre Männer, die zur Zeit von Augusto Pinochete verschleppt wurden und sich wahrscheinlich in Massengräbern in der Wüste befinden. Zugleich beherbergt die Atacama eine Ansammlung astronomischer Observatorien. Hier suchen Wissenschaftler nach den jüngsten Lichtern im All. Auch in der Hauptstadt Santiago ist man auf der Suche nach etwas, nämlich Reichtum und wirtschaftlichen Erfolg.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Nostalgie des Lichts hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 57%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Nostalgie des Lichts hat eine Wertung von 57%
Wann war es zuletzt, dass man zum Nachthimmel blickte und die unbegreifliche Zahl ferner Welten hinter den Leuchtpunkten erahnte? In Wahrheit sind es Sonnen, manche davon wie unsere, Planeten tragend, die vielleicht der Erde gleichen und ihrerseits Leben beherbergen. In der Atacama-Wüste in Chile blicken modernste Spiegelteleskope ins All und fahnden nach dem Unbekannten. Zeitgleich suchen dort die Angehörigen der Opfer des Pinochet-Regimes nach Spuren über den Verbleib ihrer Liebsten. Der Film stellt eine parabelartige Reise im Großen wie im Kleinen dar, irrlichtert aber selbst spürbar und weist einiges an Längen auf.

Bild aus Nostalgie des Lichts In den Weiten der Atacama-Wüste, im chilenischen Hochland, befinden sich sechs der weltgrößten Spiegelteleskope im Einsatz. In großer Höhe, fernab menschlicher Zivilisation, ist die Luft so dünn, dass selbst das Licht schwach leuchtender Sterne noch durch die Atmosphäre dringt und nachts der Himmel so klar, wie sonst an nur noch wenigen Orten auf der Welt. Anderswo strahlt die beinahe taghelle Beleuchtung der Großstädte derart stark in den nächtlichen Himmel, dass sie beinahe das Licht der Sterne auslöscht. Doch an diesem fast mystischen Ort in der Atacama-Wüste sind die Bedingungen für die Erforschung des Weltraums einzigartig. Alles Licht gelangt durch die dünne Lufthülle nahezu ungehindert zu den Spiegelteleskopen, die zusammengeschaltet und auf einen Punkt fokussiert, Milliarden von Lichtjahren weit ins All zu schauen vermögen.

Die unergründlichen Weiten des Alls bieten nicht nur unerschöpflichen Stoff für Science-Fiction-Autoren und Scifi-Filme, sie sind auch für wissenschaftliche Dokumentationen ein echter Evergreen. Obwohl in Nostalgie des Lichts das Geschehen in den gigantischen Beobachtungsstationen und am Firmament eine wesentliche Rolle spielt, ist der Film beileibe keine wissenschaftliche Doku, nicht einmal eine populäre Auseinandersetzung mit den Himmelssphären. In der Doku dreht sich alles um verschiedene Suchen, die miteinander auf eine komplexe Weise verwoben zu sein scheinen. In der Übertragung von der großen Himmelssuche auf eine tragische irdischen wird dabei versucht, einen transzendenten Ansatz für eine Reflexion im Ganzen zu schaffen.

Die Vergangenheit Chiles im letzten halben Jahrhundert spielt diesbezüglich eine ebenso wichtige Rolle, wie der aktuelle Zeitgeist einer aufstrebenden Nation, die einige dunkle Kapitel aus ihrer Geschichte lieber streichen würde. Während die Astronomen auf den Hochplateaus der Atacama das All mit seinen unzähligen Sternen und Galaxien erforschen, suchen nicht weit davon entfernt Familien nach den Überbleibseln ihrer Angehörigen. Menschen, die in der Zeit des Pinochet-Regimes (1973 - 1990) einfach "verschwanden". Und in der Hauptstadt Santiago sucht zeitgleich die aktuelle Regierung Chiles nach einem Weg, der den sozialen und ökonomischen Fortbestand der Nation in der Zukunft sichern soll, vergisst dabei aber völlig, sich mit dem Erbe der grausamen Vergangenheit des Landes auseinanderzusetzen.

Essayistisch, wie ein Streiflicht berührt die Dokumentation Patrizio Guzmans verschiedene Ebenen und versucht mit den Texten, doch vor allem in einer sinnlichen Bildersprache der Wüstenlandschaften und natürlich insbesondere des Himmels dem Film einen poetischen Touch zu verleihen. Zwischen diesen Elementen zeichnet sich aber nur äußerst unscharf eine klare erzählerische Absicht ab. Hinzu kommt, dass die Übertragung des Werdens und Vergehens in den Weiten des Alls auf die Situation der Angehörigen der Verschwundenen nicht wirklich sinnig erscheint. Es hat zu viel von: Wir sind letzten Endes alle nur Sternenstaub. Das mag zwar durchaus richtig sein, inwiefern sich damit aber eine zu irgendwas dienliche Analogie zwischen diesen beiden Ebenen herstellen lässt, will nicht einleuchten. Insgesamt stellt sich final das Gefühl ein, überaus geduldig diversen Gedankenspaziergängen gefolgt zu sein, ohne aber einen nennenswerten Informationsgewinn mitnehmen zu können. Weder Fisch noch Fleisch ist es schlussendlich nicht wirklich leicht aus Nostalgie des Lichts wirklich "schlau" zu werden. Und die Doku empfiehlt sich somit keinesfalls für jene, die es gerne sachlich und gut strukturiert mögen.



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