Drei Jahre, drei Filme. Ein Takt, der an Machwerke wie Twilight oder Transformers erinnert. Dabei waren die Vorstadtkrokodile mit einem gelungenen Remake gestartet. Den Machern war wohl aber schon zu Beginn klar, dass die Darsteller ihnen nur so wegaltern würden, also wurde auf Teufel komm raus, ein Film nach dem anderen gedreht. Und was oft befürchtet wird, bewahrheitet sich mal wieder. Baute Teil zwei schon etwas ab, hat das dritte Sequel vollends seinen Charme auf dem Weg zum Ziel verloren.
Kaum drei Jahre ist es her, da feierten die Vorstadtkrokodile nicht nur ihr Spielfilm-Comeback, ihnen gelang auch gleich der erfolgreiche Sprung vom TV auf den Big-Screen. Dass die Kult-Jugendgang der 1970er Jahre aus der Arbeiterschicht mit dem Lokalkolorit des Ruhrpotts einen solchen Erfolg feiern konnte, lag nicht zuletzt an der hervorragenden Buchvorlage von Max von der Grün. Ein gelungenes Casting, um die einzelnen Charaktere der Bande adäquat zu besetzen, rundete das Ganze ab.
Die etwas hastig zusammen gezimmerte Fortsetzung, Vorstadtkrokodile 2, viel im direkten Vergleich schon etwas ab. Zu deutlich merkte man dem Film an, dass die Macher nicht mehr aus den Vollen hatten schöpfen können. Überdies hatte man es in puncto technischer Spielereien auch etwas übertrieben, so dass der Film wie eine Mischung aus Mission: Impossible-light und Die Goonies anmutete. Der dritte Teil, der nun in die Kinos kommt, versucht eine "erwachsenere Geschichte" zu erzählen. Die Protagonisten, die inzwischen deutlich an kindlichen Charakteristika eingebüßt haben und zu waschechten Teenagern herangewachsen sind, würden in einem zu naiven Klamauk auch kaum mehr überzeugen.
Bei der Besetzung ist im Prinzip alles beim Alten geblieben: Nick Romeo Reimann gibt wieder den Hannes, den Chef der Krokos, Fabian Halbig ist der im Rollstuhl sitzende Kai, Manuel Steitz spielt Olli, Leonie Tepe ist Maria, Hannes Freundin, David Hürten ist Frank, Robin Walter spielt Peter und Javidan Imani natürlich Jorgo, den vorlauten Griechen. Nora Tschirner ist als Hannes Mutter ebenfalls wieder mit von der Partie, wie auch Axel Stein, der den Kleinganoven Kevin mimt, den die Krokodile ins Gefängnis brachten. Ein bedeutender Wechsel fand allerdings hinter der Kamera statt: Drehbuchautor und Regisseur von Teil eins und zwei, Christian Ditter, ist derzeit mit dem Dreh von Wickie auf großer Fahrt 3D, der Fortsetzung des Bully-Erfolgshits Wickie und die Starken Männer derart beschäftigt, dass auf dem Regiestuhl Wolfgang Groos (Hangtime - Kein leichtes Spiel) Platz nehmen durfte. Damit nimmt auch die Geschichte um die Vorstadtkrokodile andere Züge an.
Es ist Sommer, Hannes, der Chef der Vorstadtkrokodile hat Geburtstag. Seine Freundin Maria würde am liebsten den Tag ganz romantisch mit ihm alleine am See verbringen. Mit der Schwelgerei ist es allerdings vorbei als die komplette Truppe auftaucht. Sie haben ein ganz besonderes Geschenk für Hannes: einen Gutschein für eine Kart-Rennbahn. Als die Krokos dort ankommen, ist die Bahn leider geschlossen. Ohne die Konsequenzen zu durchdenken, verschaffen sich die Krokos widerrechtlich Zugang zu den Karts und fahren damit ein gefährliches Rennen in einem Parkhaus. Es kommt wie es kommen muss: Frank, verliert bei einem Überholmanöver die Kontrolle und überschlägt sich. Wenig später bricht er bewusstlos zusammen. Im Krankenhaus wird festgestellt, dass er innere Verletzungen davon getragen hat. Seine Leber ist sogar derart geschädigt, dass er eine Teil-Transplantation braucht, um zu überleben. Der einzige kompatible Spender ist sein Bruder Jacob, den die Krokodile einst ins Gefängnis brachten. Ehrensache, dass sie ihrem Freund zur Seite stehen. Irgendwie müssen sie Franks Bruder schnellstmöglich aus dem Gefängnis bekommen, damit dieser einen Teil seiner Leber spenden kann. Auf dem "Dienstweg" dauert dies aber viel zu lange, also muss ein alternativer Plan her. Und wenn der einen Gefängnisausbruch vorsieht, dann muss das wohl so sein.
Man fragt sich angesichts eines solchen Geistes oder besser gesagt, Ungeistes, was für einer Vision diese Vorstadtkrokodile entsprungen sind. Sicherlich, sie sind älter geworden und der kindliche, sympathische Anarcho-Charme mag einem Fehlverhalten gewichen sein, wie es Teenager an den Tag legen. Aber irgendwie wird darüber vergessen, dass die Vorstadtkrokodile eigentlich die Guten waren; jene, welche die Ganoven ins Kitchen beförderten. Stattdessen begehen diese nun bereits in den ersten Minuten des Films ein ganze Palette schwerwiegender Delikte, die sie streng genommen zu (Jung)Kriminellen stempeln. Aus pädagogischer Sicht ist der Film damit höchst fragwürdig. Vor allem da sich dieses Verhalten durch den gesamten Film zieht und zudem wenig reflektiert wird; selbst wenn es letztendlich dem Zweck dient, ihren Freund zu retten.
Dass die Handlung mehr als hanebüchen und das wesentliche Grundelement der Geschichte völlig absurd ist, sollte ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Es wird getan, als würde es wegen der Bürokratie viele Tage dauern, den Spender aus dem Gefängnis zu bekommen. In einem solchen Fall wird hierzulande in der Realität aber sofort gehandelt. Und als Gegenargument zieht wenig, dass es bei einen Jugendfilm mit der Logik nicht so eng gesehen werden darf; ob Jugendfilm oder Erwachsenenfilm, es macht sich immer mehr die Unsitte unter Filmemachern breit, dem Publikum tolldreist Unfug aufzutischen und zu erwarten, dass dies alles kommentarlos hingenommen wird.
Vorstadtkrokodile 3 funktioniert überdies selbst auf der darstellerischen Ebene nicht richtig. Kaum drei Jahre mögen seit dem ersten Teil vergangen sein, aber die ehemals gut gecasteten Darsteller haben deutlich begonnen, sich zu eigenständigen Persönlichkeiten über die Rolle hinaus zu entwickeln, und dort wo einstmals Harmonie herrschte, stimmt die Chemie inzwischen längst nicht mehr, wie zu Beginn. Am ehesten werden noch Nick Romeo Reimann und Javidan Imani ihren Rollenfiguren gerecht, die anderen scheinen bereits zu anderen Filmufern aufgebrochen zu sein. Alles in allem hinterlässt dieser dritte Teil einen mehr als merkwürdigen Eindruck. Ein Film voll von zweifelhaften Vorbildern, die alle ganz auf Kumpel tun, denen man aber überdeutlich anmerkt, dass sie das nur routiniert runterspielen. Wenigstens aber haben die Macher verstanden, dass es auf keinen Fall (in dieser Besetzung) einen weiteren Teil geben darf.