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Das Tribunal

(Hart's War, 2002)

Dt.Start: 30. Mai 2002 Premiere: 15. Februar 2002 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama, Krieg
Länge: 125 min Land: USA
Darsteller: Bruce Willis (Col. William McNamara), Colin Farrell (Lt. Thomas Hart), Terrence Dashon Howard (Lt. Lincoln Scott), Cole Hauser (Sgt. Vic Bedford), Marcel Iures (Col. Werner Visser), Linus Roache (Capt. Peter Ross), Vicellous Reon Shannon (Lt. Lamar Archer), Maury Sterling (Pfc. Dennis Gerber), Sam Jaeger (Capt. R.G. Sisk), Scott Michael Campbell (Cpl. Joe Cromin), Rory Cochrane (Sgt. Carl Webb), Sebastian Tillinger (Pvt. Bert 'Moose' Codman), Rick Ravanello (Maj. Joe Clary), Adrian Grenier (Pvt. Daniel Abrams), Michael Weston (Pfc. W. Roy Potts)
Regie: Gregory Hoblit
Drehbuch: Billy Ray, Terry George


Inhalt

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wird Yale-Student und Lieutenant Hart von den Deutschen gefangengenommen und gefoltert, woraufhin er Informationen preisgibt. Im Gefangenenlager hat Colonel McNamara als ranghöchster gefangener Offizier das Sagen und da dieser Hart für einen Schwächling hält, darf Hart nicht mit in die Offiziersbaracke. Als dann jedoch in Harts Baracke ein Mord geschieht, bei dem ein schwarzer Soldat unter Verdacht gerät, soll Hart diesen im Auftrag von McNamara im Zuge eines Militärprozeßes verteidigen.
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Kritik

Das Tribunal hat eine Wertung von 57%

Kriegsfilme scheinen derzeit Hochkonjunktur zu haben. Nach Black Hawk Down (hierzulande ja verschoben) von Gladiator-Regisseur Ridley Scott, kommt nun Das Tribunal, der auf einer Romanvorlage von Katzenbach beruht. Es geht um US-Soldaten, die in einem deutschen Gefangenenlager im Zweiten Weltkrieg ihr Dasein fristen müssen. Als ein weißer Gefangener tot aufgefunden wird, verdächtigen die rassistischen Mitgefangenen einen farbigen Kampfpiloten. In einem Militärgerichtsverfahren soll dieser von Lieutenant Hart - gespielt von Colin Farrel aus Tigerland - verteidigt wären. Schon wären wir mittendrin im Rassenkonflikt-Part des Films.

Bruce Willis spielt in einer ausgebauten Nebenrolleden Col. McNamara, dessen Absichten dem Zuschauer vorerst unklar bleiben. Hauptdarsteller in diesem vielschichtigen, später US-Militär verherrlichenden Court-Room-Drama, ist Colin Farrel, der Hart, einen aus gutem Hause stammenden Yale-Studenten, zum Besten gibt. Dieser wird wenige Monate vor Kriegsende von den Deutschen gefangen genommen und spricht der Folter ausgesetzt. Im Gefangenenlager, in welches er gesteckt wird, hat Oberst Visser, der von Marcus Iures perfekt verkörpert wird, die Leitung. Visser ist keineswegs ein typischer Nazi, wie dies auch gern in amerikanischen filmen dargestellt werden. Nein, in Gregory Hoblits Werk ist er ein ehemaliger Yale-Student und Liebhaber "schwarzer Musik", nämlich des Jazz. Er will sich das Wohlwollen seiner amerikanischen Gefangenen erarbeiten, jedoch nicht das der Russen, gegen die er weiterhin mit äußerster Konsequenz vorgeht. Hier ist der Nazi also nicht der große Bösewicht, er wird sogar ironisch angehaucht, was irgendwie seltsam anmutet. Im Gegenzug wird der oberste Amerikaner, namentlich McNamara, als pflichtbewusster, kalter Patriot beschrieben. Er wirkt sogar gewissermaßen unsympathisch. Er hält Hart, den er durchschaut hat, für einen Schwächling, und lässt ihn nicht mit in die Offiziersräume.

Genauso ergeht es den beiden farbigen Offizieren Scott und Archer. Zudem werden sie noch von den anderen, weißen Mitgefangenen als "Nigger" abgetan und beschimpft. Hierbei tut sich besonders der von Cole Hauser verkörperte Bedford hervor. Wenig später entdeckt man unter Archers Bett ein Messer, woraufhin dieser sofort von den Deutschen erschossen wird. Einen Tag später ist dann auch Bedford tot. Dies müsse natürlich Scott gewesen sein, der ja als einziger ein Motiv für die Tat gehabt habe, so die die rassistischen Mitgefangenen, für die die Sache natürlich eindeutig ist. McNamara handelt jedoch mit Visser ein Militärgerichtsverfahren gegen Scott aus, was dieser aus Unterhaltungsgründen - schließlich ist es im Lager langweilig - billigt. So soll Hart Scott verteidigen, und genau jetzt beginnt das Court-Room-Drama, und ab da verliert der Film auch zusehends nach und nach an Qualität, denn zum Teil sind die Storywendungen bar jeder Überzeugungskraft.

Primal Fear-Regisseur Gregory Hoblit lässt das Lager in gräulichen Farbtönen photographieren, was dem Film seine authentische Atmosphäre liefert. Damit der Film am Boxoffice etwas mehr Erfolg verspricht, unterbrechen wenige einzelne Action-Einlagen den Film. Dies schien den Produzenten wohl von nöten zu sein, denn Das Tribunal zeigt sich über weite Strecken sehr dialoglastig, sodass man manchmal das Gefühl hat, man säße im Theater und nicht im Kino. Leider verliert der Film im letzten Drittel seine konsequente Inszenierung, er verliert ein wenig den Faden, obgleich die Verhandlung selbst Spannung aufzubauen versteht. Der Faden geht deshalb verloren, weil die Story eine beachtliche Anzahl an Wendungen aufweist, die man so weniger nachvollziehen kann. Manchmal ist eben weniger mehr. Auch verkommt das ganze zunehmend, wie in vielen derartigen amerikanischen Filmen, zu einem Aufruf an die Moral und die Ehre der US-Armee. Dies alles wird durch den melodramatischen Score noch auf die Spitze getrieben. Nach dem 11. September scheint dies wohl einfach ein Bestandteil eines solchen Films sein zu müssen. Insgesamt betrachtet überzeugt der Film, der sich nicht wirklich für ein Genre entscheiden kann, lediglich im ersten Teil völlig, und wird später dann von Minute zu Minute schlechter, so dass Das Tribunal die Chance vergibt, ein guter Film zu sein, und irgendwo im Mittelmaß versinkt.

von Tobias Wunsch


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