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Dschungelkind

(Dschungelkind, 2011)

Dt.Start: 17. Februar 2011 Premiere: 17. Februar 2011 (Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Abenteuer, Biografie
Länge: 131 min Land: Deutschland
Darsteller: Thomas Kretschmann (Vater Klaus Kuegler), Nadja Uhl (Mutter Doris Kuegler), Sina Tkotsch (Sabine Kuegler Jugendlich), Michael Baral (Michael), Isolde Barth (Schuldirektorin), John Keogh (Alec), Tina Engel (Oma), Claes Bang (Herb), Clara Dolny (Susanne), Stella Kunkat (Sabine Kuegler Kind)
Regie: Roland Suso Richter
Drehbuch: Richard Reitinger, Natalie Scharf, Beth Serlin


Inhalt

Sabine ist acht Jahre alt, als sich ihre Familie ein neues Leben fernab der westlichen Zivilisation im Dschungel aufbaut. Klaus, Sabines Vater, ist Linguist und will beim Stamm der Fayu die Feinheiten der Sprache erforschen. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten nähern sich beide Kulturen einander an und lernen voneinander. Sabine entwickelt sich zu einer jungen Frau und versucht ihren Platz in der Welt zu finden.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Dschungelkind hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 56%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Anja Habermehl
Dschungelkind hat eine Wertung von 56%
Dschungelkind ist eine Adaption der gleichnamigen Buchvorlage, einer Autobiografie von Sabine Kuegler, die Beststellerstatus erlangt hat. Der Wechsel ins neue Medium holpert allerdings ein wenig - herausgekommen ist ein Film, der lieber ein Roman bleiben wollte. Dennoch besticht Dschungelkind durch beeindruckende Bilder und erzählt eine sehenswerte Geschichte.

Bild aus Dschungelkind Der tiefe Schnee glitzert und die junge Frau zieht ihre Gummistiefel aus, um mit nackten Füßen weiterzulaufen. Wir hören, wie ihre Geschichte beginnt. Sie ist die Erzählerin und genau hier liegt das Problem: Man versucht, zu nah an der Buchvorlage zu bleiben. Nahezu wie ein bebildertes Hörbuch mutet die Exposition an, was aber bald durch majestätische Bilder kompensiert wird, wenn die Kamera über den Dschungel fliegt. Und schon kommt die Erinnerung an die Buchform zurück: Der Film ist in Kapitel geteilt, ungeachtet der Tatsache, wie kurz diese in der filmischen Form teilweise geworden sind. Unmengen von Zwischentiteln durchbrechen die Illusion, dass wir uns in einer filmischen Realität befinden.

Die Ankunft der Kueglers im Dschungel verändert nicht nur die Lebensumstände der deutschen Familie, sondern auch jene des Stammes der Fayu. Der Kulturschock auf beiden Seiten ist gelungen dargestellt und besonders das Spiel von Stella Kunkat, welche die achtjährige Sabine darstellt, ist glaubhaft und mitreißend. Ihre Neugier und die Offenheit, mit der sie auf die neue Situation und die Menschen zugeht, die Ablehnung, die ihr entgegenschlägt - all diese Emotionen teilt sie mit dem Zuschauer. Im Dschungel gibt es viele neue Regeln für das Mädchen, sie darf beispielsweise nur abgekochtes Wasser trinken, nicht alleine in den Dschungel gehen, muss alles, was sie essen möchte, zuerst dem Vater zeigen. Auch eine gewisse Vorsicht ist geboten, denn obwohl das Haus der Familie am "Neutralen Platz" gebaut wurde, ist immer eine Gefahr durch den Stammeskrieg gegeben. Vorboten dessen sind, dezent gestreut, ab dem Anreisetag zu entdecken - von Leichen, die man kommentarlos passiert, bis hin zu Schädeln, die als eine Art Totenritual in den Häusern aufgehängt werden, damit der verstorbene Angehörige nicht in Vergessenheit gerät.

Während Sabine die Kultur zu akzeptieren versucht, möchte ihre Mutter Doris sie lieber verändern. Sie empfindet die Gebräuche der Fayu, die Verletzte und Kranke ausstoßen, weil diese "verflucht" wurden, als unmenschlich und argumentiert mit ihrem Verständnis von Menschenrechten gegen die urtümliche Kultur. Die gelernte Krankenschwester kann das Leid nicht mit ansehen und möchte mehr eingreifen, als die Situation es erlaubt. Obwohl es dem Zuschauer leichter fällt, Doris' Denkweise zu teilen, beleuchtet der Film dennoch die Kultur der Fayu, ohne sie zu verurteilen.

Als problematisch zeigt sich, dass die teilweise stark unterschiedlichen Szenen nicht immer ineinander greifen. Ein durchgängiger Erzählfluss kommt durch die Kapiteleinteilung selten zustande, teilweise entsteht gar der Eindruck einer Aufzählung. Manche Situationen wirken darüber hinaus beinahe aufgesetzt. Doch das Spiel der Kinder führt uns wieder zurück zu der Leichtigkeit, die Dschungelkind sonst eher vermissen lässt, wenn sie durch den Matsch rutschen oder als Tarzan an der Liane schwingend ins Wasser springen.

Das Erleben des Kulturschocks wird schließlich auch für den umgekehrten Fall thematisiert. Als die Familie nach Jahren für einen Urlaub nach Deutschland reist, locken einerseits der Überfluss und der Komfort der westlichen Welt, andererseits präsentiert sich Deutschland auch grau, düster und durchzogen von Abgasen. Fernab vom Dschungel sind Schnee und rote Fußgängerampeln unbekannte Eindrücke. Obgleich gut gespielt, sind diese Szenen nicht komplett überzeugend, da die Kinder nicht älter erscheinen, als am Anreisetag.

Dschungelkind erzählt die Geschichte einer Familie und die Entwicklung eines Mädchens, das zu einer jungen Frau wird, die ihren Platz in der Welt sucht. Dabei hastet der Film durch die Handlung der Buchvorlage, welche sich über mehrere Jahre erstreckt und traut sich nicht, den Stoff neu aufzubereiten und eine eigene, filmischere Dramaturgie zu entwickeln.



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