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Pulse

(Kairo, 2001)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 28. April 2006
Premiere: Mai 2001 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Horror
Länge: 118 min Land: Japan
Darsteller: Haruhiko Kato (Kawashima), Kumiko Aso (Michi), Koyuki (Harue), Jun Fubuki (Michis Mutter), Shinji Takeda (Yoshizaki), Koji Yakusho (Kapitain)
Regie: Kiyoshi Kurosawa
Drehbuch: Kiyoshi Kurosawa


Inhalt

Eine kleine Gruppe von Freunden muß mitansehen wie sich einer von ihnen immer mehr von der Außenwelt abkapselt und immer merkwürdiger verhält. Er begeht schließlich Selbstmord woraufhin seine Freunde herauszufinden versuchen, was ihn dazu getrieben hat. Sie stoßen bei ihren Nachforschungen auf eine merkwürdige Internetseite die sie in eine Apokalypse aus Tod und Einsamkeit geraten läßt. Und bald schon fangen auch sie an sich immer mehr abzuschotten und merkwürdiger zu benehmen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Pulse hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 95%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thorsten Woner
Pulse hat eine Wertung von 95%

Es ist Nacht, es ist dunkel und ich habe Angst. Pumpend rast ein großer Adrenalinüberschuß durch meinen Körper. Ich sitze auf meiner Couch und mein Fernseher schweigt mich fragend an. Die Credtis des Films sind vor ein paar Minuten schon ausgelaufen. Zusammengekauert versuche ich unter meiner Wolldecke ein wenig Schutz zu finden, nervlich bin ich weit über die Grenze meiner Belastbarkeit hinaus aufgebraucht. Ich bin absolut angespannt und erwische mich dabei wie gängige Kindheitsalpträume in mir aufschreien, scheue ich mich doch tatsächlich davor meinen Kopf nur ein paar kleine, wenige Zentimeter zu drehen und in die dunkle, unbeleuchtete Seite des Zimmers zu schauen. Viel zu tief sitzt mir der Schreck auf der Seele, in den Sinnen, das da jemand stehen und mich mit toten Augen anstarren könnte. Was ist passiert? Welcher Film hat mich dermaßen erschrocken, begeistert, faziniert das ich beinahe ne Lache auf den Teppich gesetzt hätte?

Kairo ist der tatsächlich unheimlichste Film den ich je gesehen habe. Könnt Ihr Euch noch an die reißende Angst erinnern die Ihr während der letzten Einstellung vom Blair Witch Projekt empfunden habt? Kairo ist genau diese Gefühl, auf 120 Minuten ausgedehnt. Der Film ist ein Gefühlsgrusler dessen schleichender Horror instinktive Urängste beim Zuschauer aufgreift. Ohne Blutfontänen oder aufblitzende Schockeffekte konzentriert der Film sich auf einen gekonnten Minimalismus der fast unertragbare Dimensionen erreicht. Da reichen Einstellungen von in dunklen Ecken stehenden Menschen, Geräusche oder blasse Hände die langsam hinter einer Couch hervorkommen um dem Zuschauer den Angstkrampf seines Lebens zu verpassen. Fairerweise seien jedoch all diejenigen gewarnt die mit schleichendem Horror nichts anfangen können, denen The Sixth Sense zu träge und Blair Witch Projekt zu pupsi war. Kairo besitzt eine stoische Ruhe die manche langweilig finden werden, wer aber anfällig für Kleinigkeiten und Gemütshorror ist, dem verspreche ich, daß er die nächsten paar Tage nach dem Film garantiert beim Ausschalten der Nachttischlampe ein mehr als mulmiges Gefühl bekommen und seinen Computer mit ganz anderen Augen sehen wird.

Aber wie kommt meine Faszination für diesen Film zustande? Was macht Kairo für einen Zeitzeugen der Pre-Scream- und Blairwitch-Area wie mich zum ultimativen Thrillride? Was an Kairo so gelungen ist, läßt sich schnell zusammenfassen: der Film funktioniert auf allen Ebenen, die ein großartiger Horrofilm haben muß, als dichtes Zusammenspiel der Sinne. Die Optik ist wunderbar konzentriert und der Regisseur nimmt sich die Zeit zu zeigen und erzählen was er für den Film wichtig hält (zuletzt gesehen in American Beauty). Die spärlich gesetzten Special Effects erschaffen eine erschreckende Balance aus unserer und der Welt der einsamen Seelen, handwerklich einwandfrei und auf höchstem Niveau bietet der Film CGIs der cremigsten Sorte (die Wasserturmszene ist der mir bisher unerklärlichste Filmtrick aller Zeiten), jedoch reduziert der Regisseur seinen Schrecken teils lediglich auf Blickwinkel und entfremdete Bewegungen und erreicht damit den absoluten Gruseleffekt.

Der Score ist so bewegend eingesetzt, wie es leider nur allzu selten vorkommt, denn er untermalt die Geschichte nicht nur sondern er untermauert sie auch, denn immer dann wenn sich steigernde Emotionsklänge plötzlich in totes Schweigen brechen, spürt man tatsächlich das Grundthema der Geschichte in vollem Bewußtsein: Einsamkeit. Und die Story an sich dient zum Glück nicht nur als trockene, uninteressante Vorlage für zwei Stunden Gänsehauteffekte, sondern greift ein universelles Thema auf, das in dieser Form noch nie (mir bekannter Weise) in Frage gestellt wurde. Es geht um Entfremdung, um Einsamkeit in einer isolierten Welt und vor allem geht es um die bisher noch nicht angefochtene Antwort auf die Frage, ob der Tod die unbestreitbare Erlösung der Einsamkeit ist. Modernes Zeitgefühl, tatsächliche Charaktere, Religion und realistische Phantasterei schaffen eine Geschichte die tatsächlich mal interessiert. Dies alles zusammen ergibt ein Gesamtarrangement der Angst, einen Horrofilm den man erlebt, den man überlebt haben muß (oder habt Ihr etwa wirklich geglaubt das diese Review im Diesseits getippt wurde?).



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