"Romeo und Julia" ist sicherlich eines der bekanntesten Liebesdramen, welches aber vor allem im letzten Akt nicht mehr als kinderfreundlich bezeichnet werden kann. Dennoch versuchte sich die Produktionsgesellschaft um Elton John an der Verfilmung der Geschichte mit Gartenzwergen. Doch während der Trailer nur so vor Witz und Kreativität zu sprühen schien, bleibt einem im Film nur die bittere Erkenntnis, dass man das Beste schon gesehen hat...
Im 16. Jahrhundert geschrieben, beschäftigt die Geschichte um das Liebespaar Romeo und Julia heute nicht nur Schüler und Studenten. Für Gnomeo und Julia lieh man sich allerdings nur die Grundausstattung von Shakespeare aus und veränderte einige Details um das ganze kindgerechter und für eine Komödie selbstverständlich auch amüsanter zu gestalten. So überrascht es nicht sonderlich, dass man sich gegen Ende sehr große Freiheiten heraus nimmt und von Shakespeare wenig übrig bleibt.
Die Geschichte insgesamt in Vorgärten zu verlegen und mit Gartenzwergen zu erzählen, klingt erst einmal kurios und merkwürdig, gestaltet sich aber während des Films durchaus als äußerst witzig und schön umgesetzt. Die Aufarbeitung für Kinderaugen fordert aber natürlich auch ihren Tribut und so wirkt der Streifen für Erwachsene manchmal etwas sehr naiv und zu einfach und vorhersehbar konstruiert. Hier hätte man sich gewünscht, dass es eine weitere Ebene gegeben hätte, die auch den "großen Kindern" Spaß garantiert. Diesbezüglich bleibt Gnomeo und Julia klar hinter anderen Animationsfilmen zurück.
Optisch und handwerklich ist der Gartenzwergefilm zwar gut gemacht, aber wenn es an das Timing von Witzen geht oder die Dialoge den Zuschauer packen müssen, dann erkennt man wieder, was Pixar so viel besser macht. Es ist enorm schwierig, den zwar süßen, aber dennoch abstrakten Figuren so viel Leben einzuhauchen, dass der Zuschauer sich mit den Protagonisten identifizieren kann und mitfiebert. Genau hier liegt dann auch der Knackpunkt bei Gnomeo und Julia, denn irgendwie will der Funke nicht überspringen. Einige Figuren, wie (ausgerechnet) der Flamingo, bleiben sogar komplett farblos und wirken in Folge dessen deplatziert. Gerade hier hätte man im Drehbuch deutlich mehr rausholen und den Zuschauer emotional auf eine Reise schicken müssen.
Ebenso unpassend ist die musikalische Untermalung, denn wer dauerhaft alte Elton John-Songs hören will, der kann sich auch die Best-Of-Alben besorgen. Auch wenn die Produktionsgesellschaft unter anderem dem Musiker gehört, so hätte man auf diese unpassende Lobhudelei lieber verzichten und vielmehr auf neue (und passende) musikalische Stücke zurückgreifen sollen. Dieses Detail wird aber wahrscheinlich nur dem sehr aufmerksamen Kinozuschauer auffallen und ist insofern nicht weiter störend.
Insgesamt bleibt die Gartenzwergevariante von Romeo und Julia leider deutlich hinter den Erwartungen zurück, die der Trailer nach oben geschraubt hat. Während hier sehr komprimiert eine stringente Geschichte mit viel Wortwitz und vielen netten Einfällen in Aussicht gestellt wird, bekommt man im Film nur eine aufgeblähte Variante des Trailers zu sehen. Die Längen, die durch das viele Füllwerk entstehen tragen ebenso wenig zur Freude beim Zuschauer bei, wie es das unnötig actionreiche Ende tut. Schade, dass man aus der Idee nicht mehr gemacht hat.