Kurzweilige Unterhaltung ist angesagt, wenn in dieser namhaft besetzten Auftragskillerkomödie Bill Nighy sich in sein Attentatsopfer Emily Blunt verliebt. Gerade zu Beginn nimmt das Drehbuch kein Blatt vor den Mund und lässt auf ein kleines Genrehighlight hoffen, doch leider geht dem Film zeitweise ein wenig die Puste aus. So bekommt der Zuschauer am Ende eine zwar durchaus unterhaltsame Komödie zu sehen, muss sich jedoch auch ein wenig über das vergeudete Potential ärgern.
Es gibt Rollen, aus denen man nicht entkommen kann. Man nehme nur das Cast von Friends, das wohl ewig in den altbekannten Rollen feststecken wird. Auch die Jungdarsteller aus der Harry Potter-Filmreihe werden es sicherlich schwer haben, ihren Rollen zu entwachsen. Sowohl Radcliffe (December Boys), Watson (Ballet Shoes) als auch Grint (Driving Lessons) haben versucht, aus ihren Rollen heraus zu kommen, ohne jedoch bislang einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Nun versucht Rupert Grint in dem Remake der relativ unbekannten französischen Gaunerkomödie Wild Target erneut, dem Image des Ron Weasley zu entkommen.
Victor Maynard gilt als der beste Auftragskiller seiner Zunft und sein Talent wird von Generation zu Generation in der Familie weitervererbt. Doch als er den Auftrag erhält, die Kleinganovin Rose zu beseitigen, die einen Gangsterboss um eine knappe Million Pfund gebracht hat, verguckt er sich in die hyperaktive Diebin und handelt sich eine Menge Ärger ein. So hat er von nun an nicht nur eine Schar Auftragskiller am Hals, er muss sich auch gegen seine Mutter, die dessen vermasselten Kill als Schande ansieht und Rose am liebsten selbst zur Strecke bringen will, erwehren. Zudem hat er noch einen jungen Mann an der Backe, der zufällig zwischen die Fronten geraten ist.
Gerade in den Anfangsminuten hat man die Hoffnung, Jonathan Lynn könnte ein ähnlich schwarzhumoriges Gagfeuerwerk an den Mann bringen, wie es ihm schon vor 10 Jahren mit Keine halben Sachen gelang. So kennt er keine Kompromisse, lässt den Killer aus Versehen auch mal unschuldige Passanten erschießen und erzählt, was es wirklich mit der Half now, Half later-Regelung auf sich hat. Doch dummerweise zieht sich diese Art Humor nicht über die komplette Laufzeit des Filmes, so gibt es im Mittelteil einige Durchhänger und auch in Sachen Storyentwicklung geht das Gewohnte seinen Gang. Dabei ist das Szenario zwar noch immer sehr amüsant anzusehen, verblasst jedoch ein wenig gegenüber der launigen ersten Viertelstunde.
In der Hauptrolle des kaltblütigen, aber doch liebenswürdigen Killers wurde mit Bill Nighy eine nahezu perfekte Besetzung gefunden, der für den Großteil der Lacher zuständig ist. Emily Blunt ergänzt ihn dabei hervorragend, ist nicht nur Eye-Candy für das männliche Publikum, sondern kann mit ihrer liebenswürdigen Interpretation der Kleinganovin punkten. Etwas gegen den Strich besetzt ist hingegen Martin Freeman, der als schleimiger, sadistischer Killer jedoch wunderbar seinem Image entfliehen kann. Rupert Grint hingegen ist dies nicht gelungen: Sein für die Story eher irrelevanter Charakter ist leider nur eine Variation seines Ron Weasley, so dass ihm nicht einmal die Möglichkeit gegeben wird, dem Typecast zu entfliehen. Bleiben zum Abschluss noch Rupert Everett, der seinen Bösewicht herrlich over the top chargieren darf und Eileen Atkins, die als von ihrem Sohn enttäuschtes Familienoberhaupt ebenfalls für einige Lacher sorgen kann.
Bei dieser namhaften Besetzung wundert es durchaus, dass Wild Target - Sein schärfstes Ziel in Deutschland nur mit einem Direct to DVD Release abgespeist wird. Gerade zu Beginn sorgt die Gaunerkomödie für einen großen Unterhaltungswert, doch leider kann dieses Niveau nicht über die komplette Laufzeit gehalten werden. Zwar ist das Ganze durchweg amüsant, doch gerade nach der tollen Eröffnung ist es fast etwas ärgerlich, dass am Ende nur eine kurzweilige aber durchaus unterhaltsame Komödie heraus kam.