Nachdem Jennifer Aniston vor einigen Jahren mit einem der beiden Star-Komiker, Ben Stiller, ... Und dann kam Polly drehte, war es nur eine Frage der Zeit, bis der andere an der Reihe war. Adam Sandler und Jennifer Aniston stehen in Meine erfundene Frau das erste Mal gemeinsam vor der Kamera und spielen ein Ehepaar, das in Wirklichkeit keines ist. Der Fake dient nur dem Zweck, Sandlers Filmverlobte davon zu überzeugen, dass der Unverheiratete, der sich oft als geschundener Ehemann ausgibt, alsbald geschieden sein wird. Klingt viel komplizierter als es ist, und vermag sogar zu unterhalten, wenn man sich nicht als ausgesprochener RomCom-Hasser entpuppt.
Wer an Adam Sandler denkt, hat sicher keine allzu tiefgründigen Geschichten im Sinn. Seine Versuche, sich aus der überwiegend eindimensionalen komödiantischen Ebene zu emanzipieren, beispielsweise mit Wie das Leben so spielt, wollten ohnehin nicht so recht funktionieren. Zurück zu dem, womit er immer Erfolg hatte, bedurfte es schon einer ganzen Mannschaft an beliebten Komikern in Kindsköpfe, um wieder einigermaßen an die alten Zeiten anzuknüpfen. Die neueste Produktion Meine erfundene Frau führt ihn ins Romantik-Comedy-Fach, ähnlich wie in 50 erste Dates.
Danny (Adam Sandler) ist heute ein überaus erfolgreicher Schönheitschirurg. Das war nicht immer so: Vor vielen Jahren, vor Beginn seiner Laufbahn als Arzt, war er ein ziemlich unansehnlicher Vogel. Trotzdem hatte er eine attraktive Frau gefunden und wollte sie heiraten. Genau am Tag der Hochzeit findet er aber heraus, dass diese einen Lover hat und ihn nur wegen seiner zukünftigen Karriere heiraten möchte. Desillusioniert schmeißt er die Hochzeit und dampft in die nächste Bar ab, um sich ordentlich zu betrinken. Dort begegnet ihm ein echter Superfeger, der alle Männer gnadenlos abblitzen lässt. Als sie Dannys Ehering entdeckt, ist sie aber bereit, sich mit ihm zu unterhalten. Von einer seltsamen Inspiration übermannt, fabuliert der sich eine Geschichte einer langjährigen Ehe zusammen sowie einer Ehefrau, die ihm rücksichtslos die Hörner aufsetzt. Es dauert nicht lange und die beiden landen in einem Hotelzimmer. Seither sind der Ehering und ähnliche Stories immer dabei, wenn Danny auf Baggertour geht.
Eines Tage lernt er Palmer (Rachel Specter) auf der Partie eines seiner Patienten kennen, eine junge und überaus interessante Frau. Solch ein Kribbeln hat er noch nie erlebt. Sie funken gleich auf einer Wellenlänge und verbringen eine heiße Liebesnacht am Strand. Sogar seinen Ehering hat er abgenommen; leider fällt ihm der am nächsten Morgen aus der Hosentasche, und die Holde denkt, dass er das übliche verheiratete Schwein ist, das einfach gelogen hat, was das Zeug hielt, um Sex zu bekommen. Danny setzt alles daran, Palmer umzustimmen. Er überredet seine Assistentin und besten Kumpel Katherine (Jennifer Aniston), sich als seine Frau auszugeben, mit der er so gut wie geschieden ist. Zunächst scheint der Plan aufzugehen, bis sich Katherine verplappert und Palmer plötzlich denkt, dass Katherines Kinder gemeinsame sind. Alles mündet anschließend in einem absonderlichen Patchwork-Urlaub auf Hawaii, der eigentlich in eine Katastrophe führen müsste.
Allzu originell ist dieses wer-gehört-eigentlich-zu-wem Spiel nicht wirklich. Trotzdem gibt sich der Film entspannt genug, nicht übermäßig viel sein zu wollen und vernünftig genug, nicht zu überdreht zu werden, so dass sich eine durchaus spaßige Grundsituation einstellen kann. Selbst die Wortgefechte zwischen Jennifer Aniston und Adam Sandler vermögen zuweilen zu unterhalten, wenn man nur bereit ist, sich darauf einzulassen. Für Jennifer Aniston stellt ihre Rolle in Meine erfundene Frau ohnehin einen kleinen Paradigmenwechsel dar: War sie früher immer das ewig 29-jährige süße Schnuckelchen von nebenan, darf sie diesmal die attraktive, alleinstehende, aber voll im Leben befindliche Frau um die 40 geben. Damit kann sie einerseits zur Stilikone und Vorbild gleichaltriger Frauen avancieren und zum Traum jener Männer, welche das andere Geschlecht bisher in zwei Schubladen steckten: jung und fürs Bett, reif aber nur für den Kopf (geeignet). Jennifer Aniston demonstriert, dass die moderne Frau von Heute alles sein kann, was sie nur will.
Still und ohne echte Anflüge von Zickenkrieg, findet natürlich ein kleiner unausgesprochener Wettkampf zwischen der mittzwanzigjährigen Palmer und der reiferen Katherine statt; und wenn auch Rachel Specter mitunter wie der fleischgewordene Traum aller Männer aussehen mag, gibt Aniston leichtbekleidet im Bikini immer noch eine fabelhafte Figur ab. Zum kleinen Star des Films gerät aber Bailee Madison - im Film Anistons Tochter - die in einigen Situationen bereits unglaublich cool agiert. Von dieser Seite ist in den nächsten Jahren noch einiges zu erwarten. Dafür gerät der kurze Auftritt Nicole Kidmans vollends überflüssig. Zwar gibt sie ganz ausgezeichnet die überkandidelte Highsociety-Zicke, doch schmeckt ihre Rolle fast schon wie "Gnadenbrot". Dank Botox hat die ehemalige Top-Schauspielerin Hollywoods inzwischen eine derart eingeschränkte Mimik, dass die Rollenangebote rar werden.
Meine erfundene Frau macht Spaß, wenn man vieles nicht zu eng sieht. Es ist ein Film, den man sich getrost sowohl als Mann als auch als Frau ansehen darf und natürlich auch zusammen, ohne dass die Rollen-Klischees anschließend zu Zwistigkeiten führen müssen. Überaus deutlich vermittelt ist die Botschaft, dass man sich vielleicht mal genau in seiner Umgebung umschauen sollte, denn das Gute liegt mitunter sehr nahe, und es gibt Dinge, die auf eine Art und Weise verbinden, die kein körperlicher Reiz wettzumachen in der Lage ist.