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Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln

(Hall Pass, 2011)

Dt.Start: 10. März 2011 Premiere: 25. Februar 2011 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Komödie
Länge: 105 min Land: USA
Darsteller: Owen Wilson (Rick), Richard Jenkins (Fred), Christina Applegate, Alyssa Milano (Grace), Jenna Fischer, Alexandra Daddario (Paige), Jason Sudeikis, Vanessa Angel (Missy)
Regie: Bobby Farrelly, Peter Farrelly
Drehbuch: Peter Farrelly, Pete Jones


Inhalt

Eine Woche ohne Regeln für die Freunde Fred und Rick. Das klingt nach so vielen Jahren wie ein Geschenk Gottes, das ihnen ihre Frauen machen. Um wieder neuen Schwung in die Beziehung zu bringen, dürfen die beiden eine Woche das Leben eines Singles leben. Doch was anfangs noch wie ein Traum wirkt, entpuppt sich schon bald als Alptraum.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 69%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 65 für Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln

Die Geschichte handelt von zwei Männern, die von ihren Frauen einen Freifahrtschein für eine Woche bekommen haben und diese einmalige Gelegenheit natürlich nutzen wollen. Das Ganze bietet eine ordentliche Grundlage für viele Gags und über weite Strecken sind die Geschehnisse durchaus amüsant, vor allen Dingen weil die geschaffenen Situationen durchaus tiefgründiger sind, als es zunächst den Anschein hat. Dennoch ist die Dichte der treffenden Gags nicht sonderlich hoch und mit Außnahme der Badezimmerszene gab es im Grunde keine wirklichen Schenkelklopfer; da hilft auch Richard Jenkins in einer für ihn wohl ziemlich ungewöhnlichen Rolle nicht. So ist Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln durchaus amüsant anzusehen, jedoch nutzt er seine guten Ansätze viel zu selten.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln hat eine Wertung von 73%
Wenn Jungs zu Männern heranwachsen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie wirklich erwachsen geworden sind. Etwas vom Testosteron-strotzenden Tier steckt selbst noch in dem biedersten Familienvater. Rick und Fred treiben mit ihrem infantilen Verhalten ihre Frauen in den Wahnsinn. Damit der Spuk endet, gewähren sie ihnen eine Woche Urlaub von der Ehe. Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln ist eine ordentlich derbe Komödie um das späte Erwachsenwerden und dem Festhalten an überholten Lebensmodellen. Wer nicht zimperlich ist, kommt bei diesem an ein deutlich älteres Publikum gerichteten Film eindeutig auf seine Kosten.

Bild aus Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln Früher oder später kann aus einer noch so glücklichen Ehe die Luft raus sein. Es muss nicht unbedingt im verflixten siebten Jahr passieren, die einen trifft es eher, bei den anderen dauert es länger, aber spätestens, wenn die Kinder da sind, fällt das einstmals ausgelassene Eheglück, samt ausgiebig zelebrierter Horizontalgymnastik, im wahrsten Sinne des Wortes flach. Man kämpft sich nur noch durch den Tag, um am Abend müde ins Bett zu fallen. Und selbst wenn einer der Beiden noch Energie für ein Nümmerchen haben sollte, fühlt es sich für den anderen viel zu sehr nach Routine an; da wird dann lieber ganz verzichtet.

Die Ehefrauen in dieser Zwickmühle haben es gleich aus mehreren Gründen schwer: Sie haben nicht nur Haushalt und Kinder am Hals und vernachlässigen sich selbst schon aus reinem Zeitmangel. Hinzu kommt, dass ihre Gatten - ganz gleich inwieweit domestiziert - immer noch den animalischen Ruf der Hormone in sich zu vernehmen glauben und jedem wohl gerundeten paar Brüste oder knackigem Hintern sehnsuchtsvoll sabbernd hinterher starren. Ihre Ehefrauen merken das sehr wohl und fühlen sich selbst bei solch einem Verhalten alles andere als noch begehrt.

Rick und Maggie (Owen Wilson und Jenna Fischer) sind seit dem College ein Paar. Jetzt um die 40 und mit mehreren Kindern regiert Routine die Ehe. Sie gehen nur noch selten aus; wenn, dann treffen sie sich meist mit Fred und Grace (Jason Sudeikis und Christina Applegate), einem etwa gleichaltrigem Paar. Rick und Fred sind überdies dicke Kumpels und Maggie und Grace beste Freundinnen. Nach den vielen Ehejahren gelingt es den Mädels meist über die diversen Macken ihrer Ehemänner hinweg zuschauen, aber manchmal produzieren die beiden Kindsköpfe Situationen, die einfach nur zum Fremdschämen sind. Die Aufregung über manch eine Peinlichkeit offenbart aber lediglich, dass der (Beziehungs-)Frust in Wahrheit tiefer Wurzelt. Eine befreundete Therapeutin schlägt den Frauen deshalb vor, ihren Männern einen Freibrief auszustellen. Eine Woche Urlaub von der Ehe, in der sie, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, sich ausleben dürfen. Rick und Fred können ihr Glück gar nicht fassen: Endlich bekommen sie die Chance, ihre unterdrückten Phantasien in der Realität umzusetzen.

Manch einer würde sich wünschen, noch einmal so leben zu dürfen, wie er es als junger Single-Mann tat. Sicherlich mischt sich in diese nostalgische Wunschvorstellung eine gewissermaßen verklärte Sicht der eigenen Vergangenheit. Da geraten frivole Nächte und ein paar flüchtige Liebschaften mitunter schnell zu epochalen Superpotenz-Sexprahlereien; diese Ära versucht man nun für eine kurze Zeit zurückzuholen. Nachdem Owen Wilson zuletzt eher in familienfreundlicher Comedy wie in Marley & Ich oder Woher weißt du, dass es Liebe ist zu sehen war, scheint er zunächst in Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln in ähnlichen Fahrwassern unterwegs zu sein. Tatsache: Der Film braucht etwas Zeit. Er plätschert eine Weile gemächlich, aber nicht unsympathisch, vor sich hin, und der Zuschauer fragt sich (etwas ungeduldig), wohin das wohl führen wird.

Ein wenig ist diese Gemächlichkeit geschickte Camouflage, denn umso überraschender schlagen derber Dialogwitz und Hammerpointen dann ein, die zuweilen klar die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Viel des feucht-fröhlichen Klamauks spielt sich eindeutig unter der Gürtellinie ab und kann einem durchaus die Schamröte ins Gesicht treiben. Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln entpuppt sich, gerade für eine amerikanische Komödie, erstaunlich deftig. Ein Gespür für tolldreisten Spaß haben die Regisseure, die Brüder Farrelly, bereits mit ihrem Hit Verrückt nach Mary vor etlichen Jahren unter Beweis gestellt, der aktuelle Film wirkt aber vielmehr wie eine Version von American Pie, nur 20 Jahre später. Die notgeilen College-Boys sind daher inzwischen Männer in den Vierzigern, die sich nach den guten alten Tagen zurücksehnen.

Ganz auf die großen Jungs ist Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln aber nicht fokussiert. Wenn die Frauen ihren Männern einen Urlaub von der Ehe gewähren, ist es letztendlich unausweichlich, dass sie gleichfalls eine Pause davon nehmen. Der Spieß dreht sich also irgendwann um, und die Frauen erkennen, dass sie ihren Gatten diesen Urlaub womöglich nur deshalb gewährten, weil sie selber gut einen gebrauchen konnten. Letzten Endes dreht sich im Film aber alles um Illusionen, die wir uns machen und beharrlich daran festhalten, obwohl das Leben uns tagtäglich etwas anderes lehrt. Ein Stück weit ist Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln somit auch eine Art späte Coming-of-Age-Story, die eines zweiten Erwachsenwerdens.

Wer nicht zimperlich ist und auf deftigen Spaß steht, mit Gags die sich zuweilen kloakig in genital-analen Niederungen tummeln, wird sich bei diesem Streifen durchaus wohlfühlen. Im Wechsel von eher beiläufigem Erzählen zu Brachialwendungen zeigen die Macher ihr gutes Gespür für Timing und vermögen immer wieder ordentlich zu überraschen. Gegen Ende verliert der Film zwar etwas an Fahrt und die Figuren wirken insgesamt blass, da auch zu schablonenhaft, wie man sich Familienmenschen um die 40 vorstellt, abgebildet; zudem ist das Finale typisch amerikanisch zu vorhersehbar, dennoch ist der gebotene Spaß vorher eindeutig den Gang an die Kinokasse wert. Und bei den Credits nicht gleich aufspringen: Ein kleines makaberes Häppchen folgt noch.



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