Lange sitzt er da, hört sich an, was die bedeutenden Männer um ihn herum zu sagen haben... und schweigt. Dennoch merkt man ihm an, was er denkt, spürt das Brodelnde in seinem Innern und hört ihn fast schon sagen: "Was für ein Schwachsinn!" Doch er sagt nichts. Er hat eigentlich auch nichts zu sagen. Mit der Eröffnung soll aber der Film nicht nur Peter Appleton vorgestellt werden, einem jungen Drehbuchautor, der auf der Karriereleiter die erste Sprosse des Ruhms erklommen hat, sondern auch Jim Carrey, vielmehr: Jim Carrey, der ernsthafte, der überzeugende, der gute Schauspieler. Ein Mangel an Talent hat man Carrey selten vorgeworfen, dafür aber umso mehr ein beschränktes Spektrum gespielter Charaktere. Um der Welt zu beweise, in ihm stecke ein Schauspieler, überraschte Carrey 1999 Publikum und Kritiker in Der Mondmann. Nun spielt er wieder eine Rolle, in der nicht sein Geschick zum Grimassenziehen gefragt ist. Ausdrucksstärke und schauspielerische Kraft sind es, die Carrey hier zum Besten geben darf. In der Eröffnungsszene gleich zwei Minuten lang in einer Halbtotalen.
Peter Appleton hat es also geschafft: der erste große Film des Drehbuchautors läuft in den Kinos. Nun geht es nur noch aufwärts. Noch ist er ein kleiner Fisch mit großen Ambitionen, dessen Werk durch die Weichspülmaschinerie Hollywoods läuft, doch unablässig schreibt er an seinem sozialkritischen Drehbuch "Ashes to Ashes". Es ist 1951, Amerika ist als Siegermacht aus dem zweiten Weltkrieg hervorgegangen und befindet sich nun in der ersten Phase des "Kalten Krieges". Der Fundus sozialkritischen Materials ist gigantisch, doch eines Tages greifen die Arme der amerikanischen Regierung auch in eine der größten Propagandainstrumente: Hollywood. Eine sogenannte "blacklist" vernichtet mit einem Schlag den großen Traum des kleinen Mannes Peter Appleton. Weil er auf dem College einmal einer Sitzung der Gruppierung "Brot statt Geschosse" beigewohnt hat, ist er als potenzieller Kommunist eine Gefahr für die Integrität des kapitalistischen Amerika. Sein Drehbuch wird konfisziert, das Filmprojekt vorerst eingestellt und Peter mit gutgemeinten Ratschlägen der Rechtsabteilung abserviert.
Als sei dies nicht genug, verlässt ihn am selben Abend noch seine Freundin, eine junge und ebenfalls aufstrebende Schauspielerin. Alleingelassen mit nichts anderem als einem kleinen Plüschaffen leert er eine Flasche Whiskey und entschließt sich - berauscht - sein Leben neu anzufangen, die Küste entlang zu fahren und einfach ein neuer Mensch werden. Doch es kommt anders, als er es sich ausmalt: nach einem Autounfall wird er tags darauf am Strand eines kleinen Dorfes aufgefunden. Dort wird er für einen vor Jahren verstorbenen Lokalhelden gehalten, dem beliebtesten Sohn der Stadt: Luke Trimble. Da er sich selbst nicht erinnern kann, wer er ist, glaubt er bald selbst, Luke Trimble zu sein und fügt sich allmählich in den Rhythmus des Dorfes. Sein "Vater" will mit ihm das alte Kino wieder aufziehen, das sie vor dem Krieg gemeinsam betrieben. Ob seines anfänglichen Zögerns kommt allmählich Begeisterung für die Sache in Peter auf. Als dann plötzlich die Erinnerung und dann auch noch das FBI kommt, wird die Sache schwierig.
Mit über zwei Stunden Spiellänge ist der Film wahrlich nicht für den Kinobesuch zwischendurch gedacht. Aber trotz der intensiven Länge erscheint kaum eine Minute zuviel oder zu strapaziös. Dem Drehbuchautoren dieses Filmes ist eine gelungene, wenn auch nicht immer originelle Story zu Gute zu halten. Schwächen der Handlung werden meist durch die exzellente Darstellung der Schauspieler ausgewogen, die mit so namhaften und verdienten Vertretern wie Martin Landau, Laurie Holden, Allen Garfield, Bob Balaban, Jeffrey DeMunn, James Whitmore, Gerry Black und vielen mehr nicht anders zu erwarten ist. Wahrhaftig strapaziös werden nur die ausgedehnten Passagen allzu kitschiger, wenn auch gut gespielten Patriotismusverstrickungen, also dann, als Peter Appleton vor dem Tribunal steht und endlich seine Stimme gegen die Größeren erhebt, für die Freiheit und die Erhaltung der Verfassung. Und so bleibt zum Schluss ein starker Moment, da alles wieder wie vorher scheint: Peter sitzt da, umgeben von den Großen Hollywoods, hört sich an, was sie zu sagen haben... zwei Minuten lang, Halbtotale. Und dann sagt er endlich etwas