Wenn ein Film mehrmals verschoben wird, dann passen sein Inhalt und seine Thematik meinst nicht ins momentane gesellschaftliche Klima. Manchmal wird ein Film aber auch verschoben, wenn er schlicht und ergreifen schlecht ist. Im Falle von John Woos Windtalkers trifft wohl eher letztgenannter Grund zu. Warum der Actionvirtuose diesmal voll ins Klo gegriffen hat, ist relativ schnell erklärt. Zunächst hat man bei John Woo den Anspruch ein paar optische Leckerbissen zu sehen, von denen bisher keiner Gebrauch gemacht hat. Bei Windtalkers hingegen verzichtet er gänzlich auf irgendwelche seiner Markenzeichen und liefert eine 0815-Kriegsinszenierung ohne großen cineastischen Glanz. Des weiteren ist die zu Grunde liegende Story so absehbar und billig, dass man bereits nach einer Viertelstunde, das Ende des Films prognostizieren kann. Noch dazu wird die Geschichte mit den einfachsten stilistischen Mitteln erzählt und geht mit der Zeit unglaublich auf den Zeiger.
Bevor ich nur weiter über den Film und seine Machart herziehe, möchte ich doch noch ein paar Worte zum Inhalt verlieren. Bei Windtalkers dreht sich alles um gleichnamigen Codesprecher, die von der US Armee im 2. Weltkrieg gegen die Japaner eingesetzt wurden. Diese Codesprecher waren alle samt Navajo Indianer, die militärische Botschaften mit Worten aus ihrer Sprache codierten und übermittelten. Dieser Code konnte, im Gegensatz zu allen vorher eingesetzten Codes der US Armee, nie geknackt werden und war der Schlüssel zum Erfolg im Krieg mit Japan. Um diese Codesprecher, die selbstverständlich mit an vorderster Front kämpften, zu schützen, wurde jeweils ein Marine abgestellt, der den Navajo und den Code um jeden Preis beschützen soll. Nachdem diese Direktive den beiden beschützenden Soldaten, gespielt von Nicolas Cage und Christian Slater, mitgeteilt wurde, war eigentlich klar wie der Film läuft.
Obwohl man sich dem Problem aussetzt, schon am Anfang des Films die Marschroute vorzugeben und vor allem das Ende vorwegzunehmen, hätte man sich schon etwas mehr Mühe geben können die Geschichte zu erzählen. Aber man versteift sich auf Standardstrukturen, Standardcharaktere und Standarddialoge. Dies bedeutet im Endeffekt, dass Nicolas Cages Figur Joe Enders zunächst auf Distanz zu seinem Codesprecher geht, wohlwissend was er tun muss, falls dieser gefangengenommen wird. Doch im Laufe des Films wird dieser Schutzwall immer mehr aufgeweicht, indem sich die beiden durch ihre heldenhaften Taten, beim gemeinsamen Umtrunk und durch Gespräche mehr und mehr verbrüdern. Im Falle von Christian Slater und seinem Codesprecher läuft dieses Schema ähnlich und vollkommen parallel ab.
Die Wahl der Nebencharaktere zeugt ebenfalls nicht von einem Übermaß an Kreativität. Deshalb müssen wir uns den routinierten pflichtbewussten Soldaten, den überzeugten kriegsgeilen Soldaten, den zögerlichen kriegverachtenden Soldaten und den Quoten-Griechen zu Gemüte führen, die uns dann auch noch mit dem guten alten ausgelutschten Kriegsdiskussionen auf den Nerv gehen. Passend zum Thema gibt es auch noch einen indianerverachtenden Soldaten, der am Ende am liebsten ins Reservat ziehen würde, weil er sich auf Grund seiner ungerechtfertigten Vorurteile schämt. Die Charakterentwicklung von Enders Codesprecher Ben Yahzee wirkt ebenfalls vollends unglaubwürdig, da er zunächst keiner Fliege etwas zu Leide tun kann und am Ende in Terminator-Manier die Japaner ausschaltet.
Mit den Kriegs- und Schlachtszenen, die uns John Woo hier serviert, kann man angesichts vergangener Produktionen wie Der schmale Grat oder Black Hawk Down keinen Blumentopf mehr gewinnen. Im Vergleich zu Der schmale Grat, der in nahezu identischen Schauplätzen spielt, muss man ganz klar erkennen, dass John Woo einfach nicht die Intensität und Klasse eines Terrence Malick besitzt. Der Versuch moderne Technik mit ins Spiel zu bringen, ging übrigens auch völlig in die Hose, da die animierten Flugzeuge wirklich jeder Beschreibung spotten. Außerdem passten die Archivbilder von feuernden Kriegsschiffen und antike Landkarten mit roten Pfeilen überhaupt nicht ins Bild.
Zu guter Letzt muss noch das Thema Darsteller zur Sprache gebracht werden. Dabei kann man feststellen, dass alle bis auf Hauptdarsteller Nicolas Cage einen durchschnittlichen bis ordentlichen Job gemacht haben. Er hätte den Film mit einer brillanten Performance zwar nicht gerettet, aber was er hier über weite Strecken abgeliefert hat, war mehr als dürftig. Manchmal wäre es schon wünschenswert gewesen, dass er ein bisschen mehr Emotion aus seiner Winsel-Visage herausgeholt hätte. Zum Glück kam Windtalkers ohne die unentwegte Zuschaustellung amerikanischen Patriotismus aus, wovon man angesichts der ersten zehn Minuten des Films nicht unbedingt ausgeht. In diesen drückt uns John Woo gleich dreimal die amerikanische Flagge auf die Netzhaut, was dem Film nicht gerade einen guten Anfang ermöglicht. Nach diesem verkorksten Start gelingt es dem Kriegsdrama Windtalkers in keiner Sekunde zu überzeugen und somit reiht es sich in die Liste der Filme ein, die es nicht verdienen gesehen zu werden. Sofern der Film seinen Starttermin im August behält, sollte man es sich lieber dreimal überlegen, ob man seinen Körper der wohlig warmen Sonne entzieht, um sich diesen Schmarrn anzusehen.