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Countdown to Zero

(Countdown to Zero, 2010)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 19. Juli 2011
Premiere: 25. Januar 2010 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Dokumentation
Länge: 86 min Land: USA
Darsteller: Graham Allison, Tony Blair, Jimmy Carter, Thomas D'Agostino, Michail Gorbatschow, Valerie Plame Wilson, Pervez Musharraf, Frederik Willem de Klerk
Regie: Lucy Walker
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Das atomare Wettrüsten im 20. Jahrhundert ist omnipräsent. Wie ehemalige Staatspräsidenten wie Michail Gorbatschow und Tony Blair darüber denken, möchte die Dokumentarfilmerin Lucy Walker aufdecken. Außerdem legt sie den Fokus auf Situationen, die in der Vergangenheit mehrmals fast zu einem Nuklearkrieg geführt haben.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Countdown to Zero hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 72%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Countdown to Zero hat eine Wertung von 72%
Vor 27 Jahren veröffentlichte Nena ihren Welthit "99 Luftballons", sang von "Kriegsministern" und "Fliegerstaffeln" und damit vom damals bestehenden Kalten Krieg. In ihrer Dokumentation Countdown to Zero wagt Lucy Walker einen Blick auf das atomare Wettrüsten, den heutigen Uran-Schmuggel und welche Konsequenzen der Menschheit dadurch bevorstehen könnten.

Bild aus Countdown to Zero Am 25. Januar 1995 hatten russische Radartechniker plötzlich einen Raketenstart vor der norwegischen Küste auf ihren Schirmen. Da man es für einen US-amerikanischen Angriff hielt, wurde Präsident Boris Jelzin unterrichtet. Fünf Minuten hatte er Zeit zu entscheiden, ob Russland atomar zurückschlagen wolle. Jelzin zweifelte an der Ernsthaftigkeit eines Nuklearangriffs, verzichtete auf einen Gegenschlag und bewahrte die Welt somit wohl mal wieder vor einem Nuklearkrieg. Denn Sinn und Zweck der US-Rakete war es, die Aurora Borealis zu erforschen. Über das Vorhaben hatte man die Europäer zuvor informiert, bei den Russen war die Mitteilung allerdings nie ankommen. Mit beinahe fatalen Folgen.

Die Zündung einer Nuklearwaffe führte John F. Kennedy in einer seiner Reden auf einen Unfall, eine Fehlkalkulation oder schlicht auf Wahnsinn zurück. Für alle drei Szenarien findet Lucy Walker in ihrer Dokumentation Countdown to Zero derartige Beispiele. Sie berichtet von Robert Oppenheimer, dem Vater der Atombombe, der nach Sichtung dessen, was diese anrichten konnte, gesagt hat: "Ich bin der Tod geworden, Erschütterer der Welten". Und sie zeigt das langsame atomare Wettrüsten der Weltmächte, von der Sowjetunion über Großbritannien, Frankreich, China und Israel, bis hin zu Indien, Pakistan und Nordkorea. "Durch den Besitz dieser tödlichen Waffen kann der Frieden aufrecht erhalten werden", trällerte eine BBC Meldung im Jahre 1952 den damaligen Irrglauben.

"Jedes Land hat Feinde", fasst die ehemalige CIA-Agentin Valerie Plame Wilson die Motivation für die atomare Aufrüstung zusammen. Und kaum ein Land hat mehr Feinde als die USA. Weshalb die Sorge vor atomaren Terroranschlägen von Al-Qaida oder einem mit Nuklearwaffen bestückten Iran in Washington besonders groß ist. Um an eine Nuklearwaffe zu kommen, gibt es laut Plame Wilson drei Optionen: stehlen, kaufen oder bauen. Gerade letztgenannte Option ist besonders beliebt, da risikoloser als Diebstahl und potentiell günstiger als Erwerb. "Uran kommt auf der Erde häufiger vor als Zinn", heißt es später. Acht Prozent des weltweiten Uranabbaus fanden 2007 in Russland statt, von wo aus, so berichtet Plame Wilson, das Element primär auf den internationalen Markt geschmuggelt wird.

Beispielsweise vor fünf Jahren, als der russische Automechaniker Oleg Khintsagov an der russisch-georgischen Grenze mit Uran erwischt wurde. Khintsagov dient anschließend als Gesprächspartner von Walker, berichtet in ruhigen Worten wie ein anderer russischer Uranschmuggler zuvor von seinen Taten. Der Zugang zu ihren Gesprächspartnern ist wahrscheinlich Walkers größter Trumpf. Von den Tätern wie Khintsagov über Experten wie Plame Wilson suchte die Regisseurin insbesondere den Dialog mit vielen ehemaligen Staatsoberhäuptern. So gibt Jimmy Carter ebenso Auskunft wie Michail Gorbatschow, reiht sich Pervez Musharraf an Frederik Willem de Klerk und Tony Blair. Und dennoch vermisst man als Zuschauer oder Journalist die eine oder andere entscheidende Frage.

Zum Beispiel warum Länder wie Großbritannien und Frankreich nuklear aufrüsteten oder warum sie nicht bereit sind, abzurüsten. Zwar erinnert Gorbatschow an ein fehlgeschlagenes Abkommen mit Reagan, dem Walker anschließend das Abrüstungsabkommen von Obama und Medwedew von April 2010 gegenüberstellt, doch wann und ob die in der Dokumentation genannten 23.355 Nuklearwaffen abgerüstet werden, steht in den Sternen. Ebenso hätte jemand wie Musharraf Stellung nehmen können zu A.Q. Khan, dem pakistanischen Nuklearwissenschaftler, "ohne den es kein iranisches Nuklearprogramm" gäbe und den Plame Wilson als "genie out of the bottle" bezeichnet. Allgemein wären zusätzliche Stellungnahmen von gegenwärtigen Ministern sicher mindestens ebenso interessant gewesen, wie von ihren hier interviewten Vorgängern.

Dennoch ist Countdown to Zero eine informative und gelungen rekapitulierende Dokumentation einiger "Unfälle" und "Fehlkalkulationen" - so verfügten in den 1970er Jahren in den USA einfache Leutnante über die Abschusscodes der Nuklearwaffen oder beluden die Amerikaner bisweilen Flugzeuge mit Atombomben, ohne dass die Personen an Bord oder zu Boden darüber im Klaren waren -, die jedoch durch die mit der Zeit etwas redundant graphischen "Horrorszenarien" leicht ermüdend ausfällt. Und durch die abschließende Aufforderung, eine Protest-SMS zu schicken, driftet Walkers Dokumentation letztlich etwas in den Rang einer Kampagne ab, für Menschen, die sich einen groben Überblick über die Thematik wünschen, dürfte Countdown to Zero jedoch zweifelsohne interessant sein.



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