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Triage

(Triage, 2009)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 25. Januar 2011
Premiere: 12. September 2009 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 16 Genre: Thriller
Länge: 99 min Land: Irland, Spanien, Belgien, Frankreich
Darsteller: Colin Farrell (Mark Walsh), Jamie Sives (David), Paz Vega (Elena Morales), Kelly Reilly (Diane), Branko Djuric (Dr. Talzani), Mozaffar Shafeie (Talzanis Assitent), Karzan Sherabayani (Wounded Man), Ian McElhinney (Ivan), Juliet Stevenson (Amy), Michelle Hartman (Nurse), Eileen Walsh (Dr. Christopher), Nick Dunning (Dr. Hersbach), Christopher Lee (Joaquín Morales)
Regie: Danis Tanovic
Drehbuch: Scott Anderson, Danis Tanovic


Inhalt

Wo immer es Tod und Verderben durch bewaffnete Auseinandersetzungen gibt, sind die Kriegsfotografen David und Mark zur Stelle. Doch David hat von all dem Leid und Blutvergießen die Nase voll und will nur noch nach Hause. Mitten im kurdischen Grenzgebiet, kurz vor einer Offensive Saddam Husseins, lässt er Mark allein zurück. Dieser wird währenddessen im Krisengebiet verwundet und muss zu Hause in Dublin feststellen, dass von David jede Spur fehlt. Während niemand weiß, wo er steckt, scheint sein Kollege, der sich zunehmend in sich zurückzieht, mehr zu wissen, als er vorgibt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Triage hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 67%
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Kritik

von Lars Schnell
Triage hat eine Wertung von 67%
Colin Farrell als Fotograf im Krisengebiet. Vor dem Hintergrund der "Anfal-Operation" gegen die kurdische Bevölkerung im Norden Iraks versucht das Anti-Kriegsdrama dem Zuschauer die Schrecken des Krieges aufzuzeigen. Dabei wird vor allem die psychologische Auswirkung in den Fokus gerückt. Wo ein Mensch, der durch eine Linse auf das raue Geschehen blickt, den Blick für die Realität verliert und an der eigenen Schuldfrage zerschellt, erwarten den Zuschauer weniger charakterliche Tiefen als erwartet. Ein interessanter Blickwinkel des Krieges, der leider aufgrund blasser Charaktere und eines schwachen Drehbuchs schnell an Potenzial verliert.

Bild aus Triage Nachdem Saddam Hussein 1979 im Irak die Macht erlangte, erfolgte unter seinem Regime 1988 der Befehl zur sogenannten "Anfal-Operation", die sich gegen die kurdische sowie schiitische Bevölkerung des Landes richtete und einem Völkermord gleich kam. Schätzungen gehen von 180.000 Opfern bis zum Ende der Operation 1989 aus, die durch Giftgasangriffe und Massenhinrichtungen ermordet wurden.

Basierend auf dem Roman "Triage" des amerikanischen Kriegsjournalisten Scott Anderson setzt Regisseur Danis Tanovi? zu Beginn dieser schrecklichen Ereignisse an, schickt die zwei Fotographen Mark (Colin Farrell) und David (Jamie Sives) in das vom Hussein-Regime zermürbten Land. Als David sich dazu entschließt, vorzeitig nach Hause zurückzukehren, da seine Frau bald ein Kind erwartet und er um sein eigenes Leben fürchtet, glaubt Mark erst Tage später nach ihm in der Heimat einzutreffen. Zu Hause in Dublin angekommen, stellt sich jedoch heraus, dass David nie bei seiner Frau aufgetaucht und auch sonst kein Lebenszeichen von ihm nach Irland durchgedrungen ist.

Konnte Regisseur Tanovi? mit No Man's Land bereits seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, fällt Triage leider sehr enttäuschend aus. Zwar gelingt es ihm, eine sehr traumatische Umgebung voller Unbarmherzigkeit und Verzweiflung glaubhaft in Szene zu setzten, jedoch wendet er den Blick viel zu schnell auf die Heimat des Fotographen, fernab jeglicher Kriegsgeschehnisse. Damit treten auch schon die ersten Probleme des Films auf. Zunehmend rücken die psychotraumatischen Probleme des Hauptcharakters in den Vordergrund und lassen den Zuschauer leider erfolglos nach charakterlichen Tiefen suchen. Anstatt den innerlich gebrochenen Fotographen den Zuschauern näher zu bringen, rückt man ihn im Laufe des Films durch scheinbares fehlen stärkerer Emotionen immer weiter von ihm weg.

Und genau in dieser Tatsache liegt der große Schwachpunkt des ansonsten sehr ambitionierten Filmprojekts. So lastet die komplette Dramatik und Spannung des Films auf dem Hauptdarsteller, welcher im Gegensatz zu Filmen wie Brügge sehen... und sterben? hier leider auch Drehbuchbedingt dazu gezwungen ist, weitaus monotoner zu spielen wodurch sich seine schauspielerischen Fähigkeiten zu keiner Zeit in vollem Maße entfalten können. Zwar verkörpert er den angeschlagenen Heimkehrer durchaus glaubhaft, jedoch tragen vor allem der Rollstuhl und die Wunden einen Großteil dazu bei. Erst gegen Ende schafft man noch so halbwegs die Kurve.

Wie bereits angedeutet ist auch das Drehbuch im Hinblick auf die eher überschaubare Wirkung des Films auf den Zuschauer sehr entscheidend, kann es doch zu keiner Zeit in dem Maße schockieren wie es bei dem Thema eigentlich angebracht wäre. So werden Grausamkeiten in dem kriegsversehrten Land nur von weitem angedeutet, aber nicht in voller Brutalität gezeigt wodurch es der ersten halben Stunde etwas an den für das spätere Verständnis des Charakters nötigen Schockeffekten fehlt. Stattdessen plätschert die Handlung vor sich hin bis zu guter Letzt Christopher Lee als psychologischer Wunderpapa den gebeugten Fotographen im Eiltempo rehabilitiert und innerhalb kurzer Zeit verdrängte Ereignisse wieder zum Vorschein bringt. Hier driftet der Film in wendungsreiche Untiefen ab, wie sie schon zu genüge in anderen Filmen besser dargestellt wurden. Das Gesamtgefüge scheint in großer Eile etwas ungeschickt aneinandergefügt worden zu sein.

Letztendlich bleibt Triage ein Film mit einigen guten Ansätzen aber einer dürftigen Ausführung. Der finale Hackenschlag wirkt leider abgenutzt - weniger Versteckspiel wäre hier mehr gewesen. So aber gerät der Film schneller in Vergessenheit als es der Gedanke an die Geschehnisse eigentlich zulassen dürfte. Nicht zu Letzt weil es dem Film zu einer guten Charakterstudie einfach an Charakter fehlt. Ein interessantes Projekt über Moral und Schuld, bei dem einiges an Potenzial vergeudet wurde.



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