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Barney's Version

(Barney's Version, 2010)

Dt.Start: 14. Juli 2011 Premiere: 10. September 2010 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 134 min Land: Kanada, Italien
Darsteller: Paul Giamatti (Barney Panofsky), Rosamund Pike (Miriam), Minnie Driver (2. Mrs. "P"), Rachelle Lefevre (Clara), Scott Speedman (Boogie), Dustin Hoffman (Izzy), Macha Grenon (Solange), Paul Gross (Constable O'Malley), Atom Egoyan (O'Malley Director), Mark Addy (Detective O'Hearne), Thomas Trabacchi (Leo), Clé Bennett (Cedric)
Regie: Richard J. Lewis
Drehbuch: Michael Konyves


Inhalt

Barney Panofsky, ein wohlhabender und unsympathischer Zeitgenosse, reflektiert sein abenteuerliches Leben. Es sind Erlebnisse aus Italien, wo er seine erste Frau kennenlernte und eine Karriere als Schriftsteller und Maler anstrebte. Außerdem aus Montreal, wo er als Soap-Produzent arbeitet und zugleich unter einem angehängten Mordverdacht steht. Zwei weitere Frauen folgten, die Dritte ist die große Liebe Miriam.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Barney's Version hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 77%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Barney's Version hat eine Wertung von 77%
Ein Film voll hochkarätiger Charaktermimen und eine Lebensgeschichte, die mit vielen Ups and Downs überrascht. Barney blickt auf ein bewegtes Leben zurück. In seiner Jugend Hedonist, manchmal maßlos, lies er wenig aus. Ein dunkler Punkt in seiner Vergangenheit überschattet aber fast alles. Spannende, unterhaltsame und auch berührende Geschichte über einen Mann, der versucht mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Etwas lang vielleicht, so dass sich die Geschichte etwas zäh anfühlt und womöglich nicht optimal cineastisch getrimmt, ist Barney's Version trotzdem tolles Kino.

Bild aus Barney's Version In den späten Lebensjahrzehnten angekommen, blickt man schon mal gerne zurück und resümiert. Dass sich in der Erinnerung manch eines anders zusammenfügt, als es sich mitunter wirklich zutrug und somit ein Gesamtbild entsteht, das die Realität durchaus strapaziert, kann dabei schon mal vorkommen. In gewisser Weise passiert das auch Barney Panofsky, der mit seinen 65 Lenzen, von außen betrachtet, recht durchschnittlich wirkt. Doch der TV-Produzent führte in den vergangenen 40 Jahren ein turbulentes wie außergewöhnliches Leben.

Die Handlung setzt in den 1970ern in Rom ein. Barney (Paul Giamatti) und sein Busenfreund Boogie (Scott Speedman) führen dort ein bohemes Leben mit viel Alkohol, Drogen und Frauen. Barneys Liäson mit Clara (Rachelle Lefevre), ein Wildfang mit feuerroter Mähne, endet in einer kurzen aber unglücklichen Ehe. Zurück in Montreal und wieder auf soliden, bürgerlichen Pfaden heiratet er eine "jüdische Prinzessin" (Minnie Driver); ein schwer reiches Frauchen, das außer Shoppen und Plappern wenig im Sinn hat. Weder Ehe eins, noch die zweite sind aber von aufrichtiger Liebe begleitet; und als wolle ihm das Leben eins auswischen, lernt Barney just auf seiner Hochzeitsfeier mit Gattin Nummer zwei die Frau kennen, von der er sofort weiß, dass sie die Mutter seiner Kinder werden soll, die Liebe seines Lebens: Miriam (Rosamunde Pike).

Es ist nicht zu viel verraten, dass es Barney über kurz oder lang gelingt, in den Hafen seiner dritten Ehe einzulaufen. Diesmal endlich mit der wahren Auserwählten - und der Kindersegen lässt auch nicht lange auf sich warten. Die Jahre vergehen, Barney macht Karriere und Miriam, die früher eine talentierte Radiomoderatorin war, verkommt zur Mutter und Hausfrau. Als die Kinder groß sind, will sie wieder arbeiten gehen. Und tatsächlich, scheint sie noch einmal zu einer späten Karriere durchstarten zu können. Barney bringt den Bemühungen seiner Frau allerdings wenig Begeisterung entgegen.

Barney's Version ist die Adaption des gleichnamigen satirischen Romans des kanadischen Autors Mordecai Richlers. Regisseur Richard J. Lewis scheint der literarischen Vorlage auch treu geblieben zu sein, weisen doch die 134 Minuten, ähnlich einem guten Buch, auch ein paar Passagen auf, die nicht direkt langatmig, aber zäh genug sind, den Zuschauer durchaus zu fordern. Überhaupt fällt es schwer, den Film eindeutig zu charakterisieren: zum Teil fiktionales Biopic, zum Teil Arthouse-Drama, anderseits wieder mainstreamig genug, um einiges vom Potenzial einer schwarzen Komödie zu haben - und nicht zu vergessen: Irgendwie mischt sich noch ein merkwürdiger Möglicherweise-Mordfall hinein, der dem Ganzen den Hauch eines Krimis verleiht.

Darstellerisch erweist sich der Griff zu Paul Giamatti als Glücksgriff, dem es in dieser komplexen wie vielschichtigen Geschichte gelingt, durch alle Facetten in der Persönlichkeit des Protagonisten und durch alle Jahrzehnte wie Lebensphasen sich mit größtmöglicher Erdung hindurch zu bewegen, dass er stets glaubwürdig bleibt. Beinahe gestohlen wird ihm die Show aber von Schauspiel-Ikone Dustin Hoffman, in der Rolle von Izzy, Barney's leicht skurrilen Vater, der hier einmal wieder großartig aufspielt.

Sind es die pointiert eingeworfenen zotig-derben Einlagen und die süffisante und nicht gerade unterschwellig vorgetragene Mediensatire, die der Geschichte zuweilen einen makaberen wie zynischen Touch verleihen und für vordergründiges Amüsement sorgen, gewinnt Barney's Version seine wahren emotionalen Qualitäten aber in den stillen Augenblicken. Es ist Drama ohne großes Melodram und ohne viel Zirkus drumherum, deshalb umso authentischer, nachvollziehbarer und intensiver. Die außergewöhnliche Lebensgeschichte eines durchschnittlichen Mannes, der die Dinge im Guten wie im Schlechten noch einmal auf die Waagschale legt.

Hat der Film ein Problem, neben dem vielleicht nicht ganz optimalen Erzählrhythmus, dann möglicherweise darin, eine breitere Zielgruppe für sich zu gewinnen. Es ist nicht wirklich Arthousekino, aber auch kein Mainstream-Allerweltsstreifen, der mundgerecht bekömmlich sein will. Zudem prinzipiell mit Qualitäten für ein eher reiferes Publikum versehen, sind auch die Schauspieler dem entsprechend keine Teeniemagneten; dennoch positiv aber, dass solche Filme selbst in Hollywood noch gedreht werden. Bleibt nur zu hoffen, dass auch genug Zuschauer den Weg in den Kinosaal finden.



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