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Brighton Rock

(Brighton Rock, 2010)

Dt.Start: 21. April 2011 Premiere: 13. September 2010 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 16 Genre: Krimi
Länge: 111 min Land: UK
Darsteller: Sam Riley (Pinkie), Andrea Riseborough (Rose), Helen Mirren (Ida), John Hurt (Phil Corkery), Andy Serkis (Mr. Colleoni), Sean Harris (Hale), Steven Robertson (Crab), Nonso Anozie (Dallow), Maurice Roëves (Inspector), Steve Evets (Mr Wilson)
Regie: Rowan Joffe
Drehbuch: Rowan Joffe


Inhalt

Brighton in den 60er Jahren: Das britische Seebad wird an der Oberfläche von Rockern mit Motorrädern erobert, während in der Unterwelt ein Bandenkrieg tobt. Der skrupellose Kleinganove Pinkie sieht in diesem Trubel seine Chance zum Aufstieg. Als er jedoch einen wichtigen Handlanger des mächtigen Verbrechers Colleoni tötet, wendet sich das Blatt. Um seine Haut zu retten, muss er die einzige Zeugin, die Kellnerin Rose, mit all seinem Charme für sich gewinnen. Doch deren Chefin Ida hat ein wachsames Auge über das Geschehen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Brighton Rock hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 40%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thomas Brendel
Brighton Rock hat eine Wertung von 40%
Rowan Joffes Erstlingswerk, eine Romanverfilmung des Graham Greene Bestsellers "Am Abgrund des Lebens", ist ein zwar optisch ansprechender Film, der jedoch sehr unter dem unfokussierten und wenig glaubwürdigen Drehbuch leidet und daher trotz solider Inszenierung einen recht faden Beigeschmack hinterlässt.

Bild aus Brighton Rock In der Unterwelt des britischen Seebads Brighton tobt ein unerbittlicher Bandenkrieg. Mitten drin der ehrgeizige und mehr als skrupellose Pinkie Brown, gespielt von Control-Star Sam Riley, der eines Nachts einen Handlanger des hiesigen Mobsters Colleoni tötet und sich dabei neben einer Menge Respekt unter seinen Gang-Kollegen auch eine ordentliche Portion Ärger einhandelt. Verkompliziert wird das ganze dadurch, dass kurz nach dem Mord ein belastendes Foto an einem Touristen-Fotostand des Piers auftaucht. Ein Umstand der den Kleinkriminellen dazu nötigt, das Vertrauen der schüchternen Kellnerin und Beinahezeugin Rose (Andrea Riseborough) zu gewinnen, da diese den dazugehörigen Abholschein und damit den Schlüssel zu einem entscheidenden Beweisstück in den Händen hält.

Wer bei Brighton Rock eine Variation der klassischen Geschichte über den raschen Aufstieg und unerbittlichen Fall eines jungen aufstrebenden Gangsters á la Goodfellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia oder Scarface erwartet, geht mit der falschen Erwartungshaltung in den Film. Der Fokus liegt hier ganz klar auf der seltsamen Beziehung zwischen Pinkie und Rose, die sich im Laufe der Handlung entwickelt. Andrea Riseborough, gerade als eine der European Shooting Stars auf der Berlinale 2011 ernannt, überzeugt durch ihre subtile, zurückhaltende Darstellung der naiven Kellnerin, leidet aber enorm darunter, dass Ihre Figur von Seiten des Drehbuchs nicht mit der nötigen Substanz unterfüttert wird. So bleiben ihr Denken und Handeln für den Zuschauer weitestgehend nicht nachvollziehbar. Ein ähnliches Problem, wenngleich nicht ganz so ausgeprägt, hat auch Hauptdarsteller Sam Riley. Letztlich entbehrt die Beziehung zwischen den beiden jeglicher Glaubwürdigkeit, worunter der gesamte Film deutlich kränkelt.

Neben Riley und Riseborough wurde eine Reihe namhafter britischer Schauspielgrößen für den Film verpflichtet. Andy Serkis, den meisten wahrscheinlich als menschliche Vorlage des paranoiden Gollum aus den Herr der Ringe-Filmen ein Begriff, gibt den Gangsterboss Mr. Colleoni. In dieser Rolle wirkt er wie eine missglückte Kreuzung aus Rowan Atkinson und Hugh Hefner und verkommt durch seine zur Schau gestellte nonchalante Dekadenz weitestgehend zu einer reinen Karikatur. Zu allem Überfluss trägt die Figur rein gar nichts Substanzielles zum Film bei und ist aus dramaturgischer Sicht absolut überflüssig. Ebenfalls mit von der Partie sind Helen Mirren und John Hurt als aufmerksam mitfühlendes Ehepaar. Während die von Mirren verkörperte Ida zumindest aktiv am Filmgeschehen teilnimmt, ist John Hurt leider nicht viel mehr als Staffage. Man hat fast den Eindruck, als wäre das Mitwirken dieser britischen Weltstars eine reine Gefälligkeitsgeste.

Rowan Joffe, Drehbuchautor von 28 Weeks Later und The American präsentiert mit der Neuverfilmung des 1938 erschienenen Graham Greene Romans, der hierzulande unter dem Titel "Am Abgrund des Lebens" veröffentlicht wurde, ein wenig geglücktes Erstlingswerk, das über weite Strecken einfach nicht das ist, was es gerne sein würde. So versetzt Joffe beispielsweise den zeitlichen Rahmen der Geschichte in seiner Adaption von den 1930ern in das Jahr 1964, der Ära der Mods und Rocker, um den Zeitgeist der damaligen Jugendbewegung einzufangen und seine ebenfalls noch fast jugendlichen Hauptfiguren in einer Atmosphäre des Umbruchs agieren zu lassen. Leider bleibt dies eine reine Absichtserklärung, denn auch wenn eine der Schlüsselszenen des Films in eine blutige Auseinandersitzung zwischen den beiden, das damalige Straßenbild prägenden, Jugendgangs eingebettet ist, spürt der Zuschauer rein gar nichts vom Lebensgefühl der 1960er.

Zumindest visuell kann der Film überzeugen. Dank der hervorragenden Arbeit des britischen Kameramanns John Mathieson (Gladiator, Hannibal) gibt es viele schöne Bilder zu bestaunen. Durch den Einsatz von Kameralinsen und Equipment aus den 1960er Jahren gelang eine stimmungsvolle Optik, die an alte Film Noir Gangsterstreifen erinnert. Unterstützt wird die einnehmende Atmosphäre durch Martin Phipps stimmige Filmmusik. Man kann nur vermuten, um wie viel wirkungsvoller das alles gewesen wäre, wenn der Film auch eine nachvollziehbare Geschichte und glaubwürdige Figuren geboten hätte. Das Produktionsteam von Brighton Rock wollte mit diesem ersten britischen Projekt der StudioCanal Features etwas Einzigartiges und durch und durch Britisches auf die Leinwand zaubern. Zumindest letzteres ist durchaus geglückt. Sie können also auf jeden Fall einen Teilerfolg verbuchen.



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